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Ottweiler Bahnhof
Ärger über die Bahn bleibt in Ottweiler groß

Jetzt wurde die neue Fußgängerbrücke über die Gleise am Bahnhof in Ottweiler ihrer Bestimmung übergeben. Leider ist das Bauwerk noch nicht barrierefrei. Die Aufzüge fehlen noch, die Deutsche Bahn hat mit dem Bau noch nicht begonnen.
Jetzt wurde die neue Fußgängerbrücke über die Gleise am Bahnhof in Ottweiler ihrer Bestimmung übergeben. Leider ist das Bauwerk noch nicht barrierefrei. Die Aufzüge fehlen noch, die Deutsche Bahn hat mit dem Bau noch nicht begonnen. FOTO: Andreas Engel
Ottweiler. Am Bahnhof in Ottweiler ist die neue Fußgängerbrücke offiziell eingeweiht worden. Sie hat 1,3 Millionen Euro gekostet. Bürgermeister Schäfer will nochmal Gespräch für schnellere Barrierefreiheit suchen. Von Michael Beer

Es tröpfelt leicht zur offiziellen Einweihung der 68 Meter langen und sechs Meter hohen neuen Brücke über die Gleise am Bahnhof Ottweiler. Die Stahlstützen-Konstruktion mit Aluminium-Überbau verbindet die Altstadt und Neumünster. Und die paar Tropfen vom Himmel passen durchaus zum Ereignis – ein bisschen Wasser im Wein. Denn Bürgermeister Holger Schäfer hat zu diesem Anlass nicht nur freundliche Worte. Natürlich lobt er das Brückenprojekt, die Zusammenarbeit mit den Räten, die beteiligten Firmen, die Geldgeber.


Aber Holger Schäfer macht auch keinen Hehl aus seiner Verstimmung, wenn es um den Ottweiler Bahnhof und konkret die Rolle der Deutschen Bahn bei dem Projekt geht. Die Stadt habe beim Bau der Fußgängerbrücke über die Gleise Wort gehalten in Sachen Zeit- und Kostenrahmen. Die Bahn hingegen habe genau dies nicht getan. Sie wollte zwei Aufzüge an der Fußgängerbrücke errichten im zeitlichen Zusammenhang mit dem Neubau. Entgegen verschiedener Absprachen, erläutert der Verwaltungschef, soll es dazu aber erst 2020 kommen. Schäfer: „Das ist aus meiner Sicht extrem ärgerlich.“ Er bedauere, dass das Unternehmen die Barrierefreiheit in Ottweiler nachrangig anpacke.

Die Brücke ist schon seit Jahresbeginn offen, an diesem Donnerstagnachmittag wird sie mit rund 40 Gästen offiziell eingeweiht. Der saarländische Innenminister Klaus Bouillon wollte dazu vor Ort sein, ist aber aus privaten Gründen verhindert. Für ihn ist Nico Ackermann, Abteilungsleiter für kommunale Angelegenheiten, vor Ort. Das Ministerium hat das Projekt mit einer Million Euro unterstützt. Insgesamt, erläutert Schäfer, hat die Investition 1,3 Millionen Euro gekostet. Die Vorgängerbrücke aus den 1950er Jahren zu sanieren hätte die Stadt nach seinen Worten etwa 800 000 gekostet und ihre Lebensdauer um 20 oder 30 Jahre verlängert. Jetzt habe Ottweiler eine Brücke, die mindestens 60 Jahre halten dürfte. Auch am Bahnhof geht’s voran, erläuterte Schäfer. Touristinfo, Stadtbücherei, Räume für Ältere wie auch das Juz und die Polizei sollen dort eine Bleibe finden. Auch diese Baustelle ist mit etwa 1,3 Millionen Euro beziffert. Auch dort ist das Innenministerium mit einer Zweidrittelförderung an Bord. Das alte Bahnhofsgemäuer ist derzeit eingerüstet. Die Arbeiten am Sandstein sollen bald beginnen. Bis das Bahnhofsgebäude saniert ist, dürfte es Mitte kommenden Jahres werden.



Die Stadt hat den alten Bau inklusive Park- und Vorflächen 2013 von der Deutschen Bahn gekauft. Der Ärger über die Bahn ist in Ottweiler schon eine ganze Weile groß. Dabei geht es neben den Aufzügen auch um die Höhe der Bahnsteige. Die wenig einladende Unterführung sollte die Bahn verfüllen. Orts- und Stadtrat hatten mit einer Resolution den unverzüglichen Ausbau gefordert.

So ganz fahren lassen will Bürgermeister Schäfer die Hoffnung auf eine schnellere Lösung dennoch nicht. In drei Wochen, sagt er, solle es nochmal einen Termin mit der Deutschen Bahn geben. Ministeriums-Abteilungsleiter Ackermann jedenfalls sagt in seinem Grußwort, er drücke die Daumen, dass es mit der Bahn läuft.