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Stadt Ottweiler arbeitet an verschiedenen Nachhaltigkeitszielen

Ottweiler Strategie für Nachhaltigkeit : Die Kommune stemmt die Nachhaltigkeit

Die Stadt Ottweiler arbeitet an der Umsetzung der Agenda 2030. Umbau auf stromsparende Leuchten spart Energie und Geld.

Es geht um das Beenden von Hunger und Armut, um ein gesundes Leben für alle. Es geht um eine gute Bildung, egal, wo ein Mensch lebt. Es geht um Geschlechtergerechtigkeit, sauberes Wasser, nachhaltige Energie, nachhaltiges Wirtschaften, eine gute Infrastruktur, vernünftigen Umgang unter Staaten, gegen Umweltzerstörung und für eine friedliche und inklusive Gesellschaft im Sinne einer globalen Partnerschaft. Kurz: Es geht ums Ganze. 17 Ziele stehen auf der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Tragen soll die Basis das Projekt, die Menschen in den Kommunen. Die Stadt Ottweiler hat sich dem ehrgeizigen Projekt 2017 angeschlossen.

Mittlerweile, sagt der Ottweiler Bürgermeister Holger Schäfer (CDU), sei nachhaltiges Arbeiten in seiner Verwaltung fast nichts mehr besonderes. Weshalb es ihm auch nicht so leicht falle, die wesentlichen Punkte der Entwicklung aus dem Stand zu benennen. Im Rathaus etwa trinken die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter heute Wasser aus Wasserspendern. Die Zeiten von Glas- oder Plastikflaschen seien vorbei. Auch Büromaterialien kaufe die Verwaltung nur noch aus vertrauenswürdigen Quellen. Jetzt im April, erklärt der Verwaltungschef weiter, werde es wieder eine Blühpflanzenaktion geben für die Rathaus-Bienen. Die Grundschule Lehbesch wird mittlerweile mit einer umweltfreundlichen Pelletheizung betrieben, die Sanierung des Daches, mit der viel Energie eingespart werden kann, ist in vollem Gange. Die Stadt, führt Schäfer aus, treibt auch die Umstellung auf sparsame LED-Straßenbeleuchtung voran. Etwa Zweidrittel aller Leuchten seien bereits getauscht, immer dort, wo in Straßenzügen alte Glühbirnen am Ende ihres Lebenszyklus stehen. Bis 2023 will Ottweiler in der Stadt Lichtbänder auf einer Länge von 2130 Metern mit 128 Leuchten sanieren und umrüsten. Christoph Hassel vom Umweltamt der Stadt verweist darauf, dass durch den Tausch der Leuchtmittel im Jahr rund 320 000 Kilowattstunden weniger Strom gebraucht werden (Einsparquote von etwa 52 Prozent). Beim derzeitigen Strompreis, den die Stadt zahle, bedeute dies rund 80 000 Euro Ersparnis.

Auch das Thema Fairtrade werde von den Menschen in der Stadt gut angenommen. Schäfer: „Ich hatte diese Woche ein Gespräch mit einem Händler, der auf CO2-neutrale Ware umstellen will.“ In der Stadt habe sich zudem neben Picobello privat organisiertes Müllsammeln – im modernen Sprachgebrauch cleanup – etabliert (die SZ berichtete). Cleanup-Teams wie „Ottweiler räumt auf“ unterstütze das Rathaus, indem es den aufgelesenen Müll annehme und kostenfrei entsorge.

17 Punkte der Nachhaltigkeitsentwicklung bedeuteten für Ottweiler nicht so viel Neuland, wie vielleicht zu befürchten stand. Bereits 1999 war Ottweiler Klimaschutzgemeinde. Mit dem Nahwärmedorf Fürth war die Stadt schon vor zehn Jahren in Energiefragen ein Vorreiter. Mit über 16 Kilometern Leitungsnetz gehört Fürth nach Auskunft der Betreiber-Genossenschaft zu den größten Nahwärmedörfern in Deutschland. Unter 17 Aspekten war es genau einer, für dessen Umsetzung die Stadt bei Null anfangen musste: Eine Partnerschaft mit einer Kommune in einem Land mit großem Entwicklungsbedarf. 

Seit 2019 pflegt die Stadt Ottweiler einen Austausch mit der Stadt Belén in Costa Rica. Die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass aktuell der Schutz der Bevölkerung von Belén im Vordergrund der Zusammenarbeit steht. Das Preisgeld über 5000 Euro, das die Stadt Ottweiler im Wettbewerb „Global nachhaltige Kommunen im Saarland“ erhalten hatte, ist an die Partnerstadt in Lateinamerika zur Bewältigung der Krise geflossen. Ottweiler unterstützt aber auch soziale Projekt in der Partnerstadt, das Kinder und Jugendliche aus konfliktträchtigen Familien mit sportlichen Angeboten herausholt.

Vor der eigenen Haustür geht es ebenfalls im Verbund mit anderen weiter. Jüngst, erläutert Bürgermeister Schäfer, hat sich Ottweiler dem Energieeffizienz-Netzwerk angeschlossen. Der Kreis mit seiner Klimabeauftragten Lilli Metzker will Themen rund um den Klimaschutz bündeln. Photovoltaik für Strom, Solarthermie für Wärme, beides von Dächern der öffentlichen Hand wie auch der Hausbesitzer will das Netzwerk voranbringen. Aber auch eine bessere Infrastruktur fürs Fahrradfahren, E-Mobilität und grüner Strom aus regionaler Quelle sind Themen, die das Netzwerk gemeinsam beackern möchte.

Die Stadt Ottweiler ist beim Erzeugen grünen Stroms im Kreis vorne. Sie hat auf ihrem Bann die meisten Windräder. Und auch beim Sonnenstrom gibt es große Projekte. Allerdings werden sie zuweilen kontrovers diskutiert. Dass ausgerechnet die CDU-Fraktion einen kritischen Standpunkt einnimmt, stört den CDU-Bürgermeister nicht. Schäfer: „Die Ratsmitglieder haben die Möglichkeit, zu Projekten Nein zu sagen. Ich habe mit der politischen Willensbildung im Rat kein Problem.“ Bei den geplanten Photovoltaik-Anlagen habe es in jüngerer Vergangenheit bis auf ein kleineres Projekt immer Übereinstimmung gegeben. Die Nachhaltigkeitsstrategie möchte der Rathauschef weiter leben. In 17 Punkten mindestens.