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Sozialdemokraten feiern in Ottweiler Jubiläen mit politischer Prominenz wie Kevin Kühnert

Jubiläen bei Ottweiler SPD : „Alte Tante“ will Vertrauen zurückgewinnen

Dreifaches Jubiläum im Schlosstheater: 100 Jahre SPD Ottweiler und Steinbach und 60 Jahre Jusos Ottweiler feierte die Partei.

Es war vielleicht nicht ganz das Who is Who der saarländischen Sozialdemokratie, aber doch fast: Bei der großen Geburtstagsfeier anlässlich 100 Jahre SPD Ottweiler und Steinbach plus 60 Jahre Jusos Ottweiler fand sich eine namhafte Gratulantenschar im Schlosstheater ein, darunter die Vorsitzende Anke Rehlinger, die Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz und Ex-Ministerpräsident Reinhard Klimmt - sowie der Bundestagsabgeordnete Christian Petry. Ebenfalls aus Berlin angereist war Juso-Chef Kevin Kühnert, dessen Kapitalismus-Kritik in den letzten Wochen hohe Wellen geschlagen hatte. In Ottweiler begrüßte man Kühnert mit deutlicher Sympathie – ihn und seine Utopie, die eher als ein Zurück zu den Wurzeln begriffen wurde bei der Veranstaltung.

Nach den Wirren des Ersten Weltkriegs hatten sich engagierte Ottweiler zusammengetan, um die Lebensverhältnisse der notleidenden Bevölkerung zu verbessern. Das genaue Datum der Ortsgruppen-Gründung ist zwar nicht mehr zu ermitteln, man kann aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vom Herbst 1919 ausgehen. Belegt ist dagegen die Teilnahme der „Vereinigten sozialdemokratischen Parteien“ an der Stadtratswahl 1920, die sieben Ratsmitglieder stellten. Was die „Roten“ von damals umtrieb – das meiste davon wurde realisiert, muss aber bis heute verteidigt werden und ist deshalb so aktuell wie eh und je, erinnerte Christian Petry mit Blick auf Wahlrecht für alle, Versammlungs- und Pressefreiheit, Acht-Stunden-Tag, Lernmittelfreiheit in Schulen und so weiter.

Dass unser Gemeinwesen heute lahmt, dass „sensibelste Bereiche unseres Zusammenlebens dem Markt und dem Profitstreben geopfert werden“, mag Kühnert nicht länger hinnehmen. Er mahnte den „Blick auf den Einzelnen an“ und sich bloß nicht mit statistischen Daten zufrieden zu geben. „Es gibt eine Leerstelle in der politischen Landschaft.“ Die zu schließen und „Vertrauen zurückzugewinnen“, sei Aufgabe der alten Tante SPD – auch und gerade vor Ort in den Kommunen .Angesichts des im Saal vorherrschenden Ungleichgewichts der Generationen empfahl Kühnert den Ottweiler Genossen, der Jugend, die im Übrigen alles andere als unpolitisch sei, mit „offenen Armen“ und auf Augenhöhe zu begegnen.

Jüngste Hoffnungsträgerin im Saal war Matilda, Enkelin des früheren Ottweiler Bürgermeisters Hans Heinrich Rödle, die just an diesem Tag ihren ersten Geburtstag feierte. Anke Rehlinger nutzte ihr Grußwort für einen kraftvollen Rundumschlag, angefangen von der Abrechnung mit Automobilbauer Ford über Mindestlöhne in Europa bis hin zu einer saarländischen Bilanz pro SPD – „die Kommunalpartei in diesem Land“. Leben doch 70 Prozent aller Saarländer in einer Kommune, in der ein Sozialdemokrat an der Spitze steht. In Ottweiler bekanntlich nicht, wobei Stadtverbandsvorsitzender Gerd Rainer Weber, der gutgelaunt moderierte, schon mit den Hufen scharrt.

Amtsinhaber Holger Schäfer, CDU, quittierte entsprechende Anspielungen auf der Veranstaltung mit einem Lächeln und bekam indirekt Schützenhilfe von Pianist Thomas Zimmermann. Der hatte das wortlastige Programm der Jubiläumsfeier mit dem Anlass entsprechendem Liedgut a la „Brüder zur Sonne zur Freiheit“ aufgelockert.  Darunter fand sich auch „Die Gedanken sind frei“.