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Verrückte Aktion
So hat noch nie jemand in Ottweiler ein Auto abgeschleppt

Heute mal rückwärts: Irre Abschleppaktion sorgte in Ottweiler für humorvolles Aufsehen.
Heute mal rückwärts: Irre Abschleppaktion sorgte in Ottweiler für humorvolles Aufsehen. FOTO: Matthias Zimmermann
Ottweiler. Autofahrer trauten ihren Augen nicht, als sie vor sich im Schneckentempo eine Abschleppaktion der ganz besonderen Art verfolgten.
Matthias Zimmermann

Abschleppen mal ganz anders: Das Video dazu sorgt im Netz zurzeit für Furore. Sowohl wegen der ganz eigenen Art, wie sich der Besitzer eines streikenden Autos zu helfen wusste, als auch wegen der ausgefeilten Kommentare jener, die mit einer Handykamera draufhielten, um das Spektakel festzuhalten.


Jede Menge Hürden überwinden

Die SZ machte nun den Ottweiler Fahrer ausfindig, der im abschleppenden Wagen gesessen hat und die defekte Karosse hinter sich herzog – rückwärts. Wie kam es dazu? Der junge Mann erzählt mit viel Humor von der aufwendigen Aktion, die sich bereits am 7. März zwar über nur einige wenige Kilometer, aber dennoch über Stunden hinzog. So mussten er und sein Cousin, Besitzer des liegengebliebenen Gefährts, jede Menge Hürden überwinden, bis sich der Treck zu seinem Bestimmungsort überhaupt in Bewegung setzen konnte. Demnach nahm alles in Wiebelskirchen seinen Anfang.

Es fehlte an allem



Der Helfer über seinen in Not geratenen Verwandten: „Er hatte weder Abschleppseil noch eine -stange – gar nichts.“ Das einzige Teil, das weiterhelfen sollte: ein Abschleppring. Doch der war am Abschlepphaken an der Front des kaputten Pkws nicht zu montieren. „Das Gewinde war völlig durch. Der Abschleppring konnte rumgerührt werden wie ein Löffel im Suppentopf.“

Was dann folgte, beschreibt der Fahrer so: Sein Vetter „schaute mich an, grinste und fragte mich: ‚Schleppst Du auch rückwärts ab?’ " Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Angesprochene noch nie einen defekten Wagen hinter sich hergezogen, weder vorwärts noch rückwärts.

Im Schneckentempo über Land

Sie organisierten eine Abschleppstange. Über Funktelefon stellten sie die Sprechverbindung sicher, zwischen ziehendem und gezogenem Auto. Dann ging die Reise los, mit maximal 15 Sachen. „Wir mussten so oft rechts ran, ständig staute es sich hinter uns.“ Zusätzlich schaute sich das Team laufend um, damit keine geparkten Fahrzeuge touchiert wurden.

Mitten auf der Straße ineinander verkeilt

Nach einer gefühlten Ewigkeit auf der Landstraße zwischen Wiebelskirchen und Ottweiler am Ortseingang verkeilten sich beide Wagen ineinander. Mitten auf der Straße. „Sobald ich nur etwas Gas gegeben hab’, sind mein und das andere Auto mit dem hinteren Teil abgehoben.“ Nach etlichen Fahrmanövern ging’s dann doch wieder vorwärts Richtung Stadtmitte. Dann nochmals Anspannung an einer starkbefahrenen Ampelkreuzung nahe des Landratsamts. Dort entstand der Filmmitschnitt. Was wäre passiert, wenn dort die beiden Fahrzeuge nicht mehr vom Fleck gekommen wären? Alles ging gut. Wenig später erreichten sie das Ziel unbeschadet. Nach anderthalb Stunden Fahrtzeit für rund fünf Kilometer. „Eine gefühlte Ewigkeit.“