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Schwätzen, wie einem der Schnabel gewachsen ist

Schwätzen, wie einem der Schnabel gewachsen ist

Eine etwas andere Lesung war der Abend mit Autor Arno Meiser im historischen Sitzungssaal im Landratsamt – wie es der Untertitel „Autorenlesung mit Gedächtnistraining“ bereits andeutete. Das Publikum hatte seinen Spaß, der Autor ebenfalls.

Wenn Dichter ihre Werke vortragen, kann man oft gegen Ende eines Verses das Reimwort bereits erahnen. Während viele Poeten es sicher nicht mögen, wenn das Publikum laut ihre Sätze vollendet, hat Arno Meiser am Mittwochabend im historischen Sitzungssaal im Landratsamt in Ottweiler genau dazu aufgerufen - und hatte dabei sichtlich genauso viel Spaß wie sein Publikum.

Doch Reime vorauszusagen ist nicht nur unterhaltsam, es ist, wie Meiser erklärte, auch ein super Training für die grauen Zellen. Deshalb stand der Abend auch unter dem Titel "Autorenlesung mit Gedächtnistraining" und richtete sich insbesondere an Senioren. "Ich lese sehr oft in Seniorenheimen Gedichte zum Mitreimen und selbst Menschen mit Demenz steigen da sehr gerne ein", berichtete Meiser. Anne Westhofen, die in einem Seniorenzentrum arbeitet, wähle für ihn gezielt Themen aus, die ältere Menschen ansprächen. Zwei Mitreim-Bücher haben Meiser und Westhofen herausgebracht. "Nach einem solchen Gedicht bräuchte ich eigentlich nicht mehr weiterzulesen. Die Leute sind aktiviert und plötzlich wird geschwätzt." Auch am Mittwochabend wurde viel "geschwätzt" und zwar so, wie einem der saarländische Schnabel gewachsen ist: So waren es beispielsweise Begriffe wie "Wäschbitt", "Hinggel" und "Kliggerte", die man sich bei einem Gedächtnisspiel merken sollte. In einer lockeren freundschaftlichen und sehr herzlichen Atmosphäre herrschte ein reger Austausch zwischen Publikum und Autor.

Letzterer las natürlich auch aus seinem Hauptwerk, seinen beliebten "Heiterkeitzeit"-Bänden. Mit diesen ist der Habacher, der übrigens auch viele Bütten- und andere humorvolle Reden schreibt, bekannt geworden. "Hast du den lieben langen Tag schon irgendwas gemacht? Wohl kaum, ein Mensch von deinem Schlag hat selten was vollbracht", zitierte er "die Schwiegermutter".

Doch diese erhielt kurz darauf die Quittung für ihre Unfreundlichkeit, denn der angeblich so faule Schwiegersohn hatte gerade eben die Gartenbank frisch gestrichen - die, auf der sie saß. Auf eine Leinwand projizierte Zeichnungen der komischen Situationen (von Armin Spaendl) sorgten stets für Extra-Lacher.

"Es ist bemerkenswert, wie Arno Meiser Menschen mit seinen Büchern Freude macht", erklärte Landrat Sören Meng, warum man ihn an diesem Abend zu Gast hatte. Besonders toll sei sein Engagement in Senioreneinrichtungen.

Wie Ulrike Hoffmann von der Leitstelle "Älter Werden" des Kreises zu Beginn erklärt hatte, war die Veranstaltung Teil der Vitalwoche: In dieser werden kreisweit verschiedenste Aktionen rund um das Thema Gesundheit angeboten.