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Gesund geht vor
An der Schule wird Gesundheit gelehrt

An der Anton-Hansen-Schule in Ottweiler wird das Fach Gesundheit angeboten. Unser Bild zeigt Sportlehrerin Nina Mühlum mit Schülern der Klassenstufe 9 beim Ergometertraining.
An der Anton-Hansen-Schule in Ottweiler wird das Fach Gesundheit angeboten. Unser Bild zeigt Sportlehrerin Nina Mühlum mit Schülern der Klassenstufe 9 beim Ergometertraining. FOTO: Andreas Engel /
Ottweiler. In Klasse 7, 8 und 9 lernen Anton-Hansen-Schüler, was alles zu einer gesunden Lebensführung gehört. Dafür sorgt das reguläre Schulfach „Gesundheit“ – ein Novum im Saarland. Von Anja Kernig

Will man das exotischste Alleinstellungsmerkmal der Anton-Hansen-Schule kennenlernen, geht das eigentlich nur montags in der sechsten Stunde. Die nämlich ist für alle Siebt-, Acht- und Neuntklässler der Gesundheit vorbehalten – in Form eines hochoffiziellen Schulfachs. Welches es so sonst nirgendwo anders im Saarland gibt. „Ich bin stolz und froh, dass wir das genehmigt bekommen haben“, strahlt die Initiatorin, Vize-Schulleiterin Katja Strauß-Zeller. „Und so schnell.“


Eigentlich habe sie nur reagiert – im August letzten Jahres, als der Präsident der Ärztekammer des Saarlandes, Dr. Josef Mischo, in der SZ die Einführung eines solchen Fachs forderte (wir berichteten). Natürlich sah und sieht sich die Pädagogin, gerade auch bei den Kollegen an anderen Schulen, mit der Mutter aller Ängste konfrontiert: Kriegen wir trotzdem den Lehrstoff durch? Immerhin ersetzt „Gesundheit“ je nach Klassenstufe entweder eine Wochenstunde Chemie, Biologie oder Physik. Für Strauß-Zeller keine Frage: „Ich denke, dass Lebenskompetenz so viel wichtiger ist. Dafür investiere ich gern Stunden.“ Nachdem die Schulkonferenz grünes Licht gegeben hatte, musste ein eigener Lehrplan erstellt werden: eine respektable Herausforderung. Wobei das Rad nicht neu erfunden werden musste. Konnte man doch zum Teil auf „Kompetenzen“ gemäß den Lehrplänen Sport und Naturwissenschaften/Biologie zurückgreifen.

Gedrittelt ist das Fach pro Klassenstufe in je einen Block Theorie, Bewegung und Ernährung, was jeweils etwa 13 Unterrichtsstunden entspricht. Zu den Inhalten der „Theorie“ gehören Klassiker wie „Sucht-Prävention“, „Medienkonsum“ und „Diätwahn“, aber auch „Zusatzstoffe in der Nahrung“, ein Überblick über „Label“ (wie Light oder Bio), Methoden zum Vermeiden von Kopfschmerzen bis hin zu „Körpergeruch/-hygiene“. Dass „Ernährung“ noch einen Tick beliebter ist, erklärt sich bei der Stippvisite in der Lehrküche von selbst. „Wraps leicht gemacht“ steht heute auf dem Programm. Einige Schüler schnippeln Paprika, andere braten Teigfladen in der Pfanne oder bereiten wie Mia Dips aus Frischkäse und Tomatenmark zu. „Gesundheit interessiert mich mehr als viele andere Fächer“, erklärt die 15-Jährige. Und wie sehen ihre Eltern diese Neuerung? „Die finden das richtig gut.“



Anders als im Fach Hauswirtschaft gehe nicht primär darum, „ein Rezept auszugeben und nachzukochen“, betont Katja Strauß-Zeller. Handlungsorient ja, aber mit Blick auf Sinnesbildung und dem „Entdecken von und Experimentieren mit Lebensmitteln“.

So lernen die Schüler etwa verschiedenste Obstsorten kennen oder probieren aus, wie frische Kräuter im Gegensatz zu getrockneten schmecken. Das Highlight bisher? Waren die Frikadellen, grinsen Emely und Joline. Ihnen macht das Zubereiten von Mahlzeiten „Spaß; das ist immer sehr lecker“. Generell haben die beiden 14-Jährigen das Gefühl, hier viel „fürs spätere Leben“ mitzunehmen.

Fehlt noch „Bewegung“. Die ist ähnlich vielgestaltig angelegt: Yoga, Radfahren und allgemeine Fitnessübungen/Zirkel-Training stehen zur Wahl. Zusätzlich ist jeder Schüler angehalten, sich mindestens an zwei Tagen pro Woche privat zu bewegen und das in einem „Fitnesstagebuch“ zu dokumentieren, erläutert Sportlehrerin Nina Mühlum. Dafür lernen sie auch, ihren eigenen Puls zu ermitteln.

„Negatives habe ich noch nicht gehört“, freut sie sich über die bisher durchweg positive Resonanz. „Die Schüler strengen sich an und machen gut mit.“ Sicher auch, weil dieser „Lehrstoff“ für sich spricht: „Nach Yoga fühlt man sich entspannt und sorgenfrei“, erzählt Cheyenne (13). Mitschülerin Ronja nickt: „Man ist danach mega gelassen.“