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Junge Handwerker sind gesucht
„Schüler haben wieder Interesse am Handwerk“

Viel Interessantes rund um Berufe und Ausbildungswege gab es für die Schüler zu erfahren.
Viel Interessantes rund um Berufe und Ausbildungswege gab es für die Schüler zu erfahren. FOTO: Katja Strauß-Zeller/Schule
Ottweiler. Zahlreiche Firmen stellten sich am Tag der Berufsorientierung an der Ottweiler Gemeinschaftsschule vor.

Zufrieden räumen Ina Schindler und ihr Kollege Werner Ost die Beamer und Laptops weg, über die sich am Donnerstag in der Ottweiler Anton Hansen-Schule verschiedene Firmen den Acht- und Neuntklässlern präsentierten. Dass die Schule erst vor wenigen Monaten das Berufswahl-Siegel erhielt als Anerkennung für die herausragende Arbeit auf dem Gebiet der Berufsorientierung der Schüler, stellt für die beiden Lehrkräfte eine Verpflichtung dar, „das hohe Niveau auch zu halten“, wie Schindler formuliert.



Deshalb organisierten sie zusammen mit Alwis (Arbeits-Leben, Wirtschaft, Schule) den Tag der Berufe. Firmen wie Lidl, Möbel Martin oder die Barmer informierten die Schüler über ihre Betriebe, Ausbildungswege und beantworteten Fragen. „Die Schüler haben wieder ein erhöhtes Interesse am Handwerk“, bemerkte Ernst Zell von der Landesinnung der Elektrohandwerke. Diese Beobachtung macht auch Helmut Zimmer, der mit einem seiner Azubis den Beruf des Dachdeckers und Zimmerers vorstellte und dazu sein Video zeigte, das die Handwerkskammer unter „Mach dein Ding“ auf You Tube eingestellt hat. Viola Heckmann und Azubi Jan Wagner vom Globus Baumarkt spüren hingegen noch keinen Zustrom an handwerklich Interessierten. Darum nehmen sie gerne an solchen Veranstaltungen teil und organisieren auch selbst Erkundungen in ihrem Betrieb. Das erfährt auch das Team der Marienhausklinik und der Marienhaus Verbundschule. „Wir wollen den Schülern die Angst vor Pflegeberufen nehmen, die momentan eher negativ wahrgenommen werden.“, sagt Michael Schwenk. Anett Petry, Lehrerin an der Verbundschule, motivierte die Schüler deshalb zu Schnupperpraktika oder einem FSJ.

Christof Fery von der Firma Eberspächer hält den Tag der Berufe deshalb für sinnvoll, weil die Schüler so zielgerichtet informiert werden können, damit ihr Praktikum für sie auch nützlich ist. Deswegen bietet seine Firma Praktikanten an, sowohl in die Abteilung Elektro als auch Metall hineinzuschauen. Fery hält eine möglichst frühe Berufsorientierung für äußerst sinnvoll: „Anders als früher kennen Schüler heute kaum noch alltägliche Werkzeuge wie Hammer oder Feile. Es ist gut, wenn sie früh lernen, damit umzugehen“, weiß er aus Erfahrung. Um auch den Achtklässlern, die sich nun bald für ihr dreiwöchiges Betriebspraktikum bewerben müssen, Berührungsängste zu nehmen, hatte er extra eine weibliche auszubildende Elektronikerin mitgebracht.

Um das Lösen solcher Berührungsängste geht es auch Annica Weißmann und Lisa-Marie Backes, beide in Ausbildung bei der Sparkasse Neunkirchen. „Wir dürfen schon weit mehr als nur Geld auszahlen. Beratungstermine nehmen wir auch schon mal alleine wahr“, sagen sie und betonen damit, wie hilfreich es ist, früh ins kalte Wasser geworfen zu werden.

Neue Perspektiven eröffnete auch Reiner Hubertus von der ortsansässigen Druckerei den Schülern, denn Arbeitslosigkeit sei für Buchbinder kein Thema. Überraschend war bestimmt auch, dass der Beruf besonders für Mädchen interessant ist, da sie erfahrungsgemäß über sehr viel Fingerspitzengefühl verfügten, so Hubertus.



Robin aus der 9a freute sich auf den Tag der Berufe, den er für eine gute Gelegenheit hält, sich bei einem späteren Arbeitgeber einen Ausbildungsplatz zu sichern. Auch Gina aus der Parallelklasse fand den Tag gut: „Vielleicht findet man ja Interesse an einem Beruf, den man vorher gar nicht kannte.“, meinte sie. Kilian, ebenfalls 9b, sieht den Tag als hilfreiche Ergänzung zu seinen bereits absolvierten Praktika: „Es sind heute viele Firmen da, über die ich noch nichts weiß“, sagte er.

Anna Pranke von Alwis lobt das Engagement der beteiligten Betriebe. „Ein solcher Tag ist besser als eine Messe, weil sich die Schüler eher trauen, die Leute von den Betrieben anzusprechen.“