1. Saarland
  2. Neunkirchen
  3. Ottweiler

Schöne Gärten im Landkreis Neunkirchen - Teil 3: Paul Spreier aus Lautenbach

Gartenserie : Die Frösche im Teich, die Enkel im Pool

Der Tag der offenen Gartentür fiel in diesem Jahr wie so vieles andere aus. Wir wollen den Lesern aber trotzdem zeigen, welch schöne Gärten es im Kreis gibt. Heute mit dem Garten von Familie Spreier aus Lautenbach.

„Das gelbe Haus mit dem Kandinsky“, beschreibt Paul Spreier den Weg. „Den hab ich auch selbst gemalt.“ Tatsächlich lässt sich das Anwesen der Spreiers in Lautenbach kaum verfehlen. Vor dem top sanierten Schmuckstück an der Hauptstraße begrüßt den Gast die „Kranichinsel“: Der Dreiklang aus fachgerecht verlegten/aufgeschütteten Steinen, blühenden Pflanzen und Handwerkskunst gibt schon mal eine Kostprobe davon, was einen auf der Rückseite erwartet.

Das Gebäude selbst atmet Geschichte. Ein historisches Foto weist es als „Speckhandlung Ludwig Meyer“ aus, aufgenommen um 1900. So alt das Haus, so jung der Garten, Teile davon sogar nagelneu. Denn Paul Spreier ist ein Schaffer, einer, der gestalten muss, nicht zwanghaft, aber hochmotiviert und mit Ideen noch und nöcher. Kein Wunder, im ersten Beruf war er Dekorateur, danach ging er zur Polizei und blieb 36 Jahre. Jetzt, im Vorruhestand, kann Spreier seine Kreativität noch mal voll ausleben – soweit das die Bandscheibe zu lässt.

Generell lautet sein Motto für den Garten: „So wenig Arbeit wie möglich.“ Zwei Drittel der Fläche sind gekiest oder gepflastert. Grün wird der Garten zum einen durch überschaubare Rasenflächen und Mini-Beete, zum anderen durch eine ganze Reihe Pflanzgefäße – vom Blumentopf bis hin zum Hochbeet, angefertigt aus einer alten Industriewanne auf einem Klapptisch. Die Schnecken, die das Grundstück samt Haus regelmäßig heimsuchen, haben damit kaum eine Chance. In luftiger Höhe gedeiht der Salat prächtig in aufgeschnittenen Rohren. Zum gärtnerischen Erfolg trägt das Spezialsubstrat bei: mit Pferdemist angereicherte Erde. „Wenn ich reiten gehe, hole ich immer was mit.“ Wobei dieser Superdünger keinesfalls zu frisch ausgebracht werden darf, weiß Spreier aus Erfahrung. Einmal sind ihm im Sommer alle Pflanzen kaputt gegangen. Besser „vier Wochen liegen lassen“, dann klappt es. 50 bis 60 Köpfe Salat aller Art kann er übers Jahr verteilt ernten – und das, „ohne einen Gemüsegarten zu haben“. Für die Kohlrabi hat er ein mit Gittergewebe abgedecktes Häuschen gebaut. Sonst würden die gefräßigen Raupen des Kohlweißlings nicht viel übrig lassen vom Knollengemüse. Zu ernten gibt es außerdem Tomaten, Erdbeeren, Lauchzwiebeln, Kräuter. Aus letzteren setzt der Polizist a.D. gern seinen Spezial-Kräuter-Essig an. Überall im Garten blüht es punktuell, da eine Rose, dort eine schwarzäugige Susanne und Petunien. Sein ganzer Stolz sind die beiden winterharten Kakteen, eine mit gelben, die andere mit rosa Blüten, und die Palmlilie, „die Urform der Yucca-Palme“, die alle gerade blühen.

Auch wenn der Garten nicht wirklich Biotop-Charakter besitzt: Es gibt hier mehr Tiere, als man denkt. Auf der Wildblumen-Insel summt und brummt es, im kleinen Teich finden Frösche und Molche Unterschlupf, wo früher der Sohn seinen Hasenstall hatte, haben Hummeln ein Nest gebaut. Aber primärer Nutzer dieses 15 mal 20 Meter großen Gartens ist natürlich der Mensch – und dem wird einiges geboten. Gleich vorn liegt die „Qualm-Alm“ – ein überdachter Raucherplatz mit Stehtisch und Kombinutzung. Hier kann aus zehn Meter Entfernung mit dem Bogen auf die Zielscheibe geschossen werden. Gegrillt wird mit Gas, 20 Gäste bringen die Spreiers locker unter.

Der ganze Hang ist terrassiert, auf der obersten Terrasse steht ein altes Stahlfass. Mit Holz beheizt, gibt das in Herbst und Winter einen urigen Platz zum Glühweintrinken. Gleich daneben hat eine Sauna Einzug gehalten im Ex-Gartenhäuschen. Dass der Urlaub diesen Sommer coronabedingt ausfällt, trägt das Ehepaar mit Fassung. Haben die Spreiers doch vor Ort so ziemlich alles, was man für entspanntes Ferien-Feeling braucht. Inklusive Pool. Der war ursprünglich gar nicht geplant, weil zu teuer und aufwändig. Als der Nachbar den Bagger auf seinem Grundstück hatte, nutzte Spreier diese Chance. Es wurde eine Grube ausgehoben, für die Einfassung bewegte die Maschine große Felsblöcke. Sogar einen kleinen Wasserfall hat Spreier integriert. Fürs Erwärmen sorgt die Sonne: „Letzten Sommer hatten wir 31 Grad Wassertemperatur.“ Am meisten freuen sich die Enkelchen über diese Planschmöglichkeit bei den Großeltern. Dass ihr Opa 30 Jahre lang Pferde gehalten hat, davon zeugen ganze Heerscharen schmiedeeiserne Objekte. „Ich fertige die aus alten Hufeisen“, wobei der Phantasie kaum Grenzen gesetzt sind. So hat Spreier in die Kerzenleuchter künstliche Hüftgelenke geschweißt – kleine halbrunde Kapseln, in die ein Teelicht perfekt rein passt. Ein dekorativer Neuzugang ist der „Wächter“: eine unheimliche Figur neben dem kleinen überbrückten Froschteich. Aufmerksam geworden war der Hausherr im Fernsehen auf die Skulptur. Die relativ simpel herzustellen ist: Man muss ein Holzgestell zimmern und darauf nasse, mit Beton getränkte Leinentücher drapieren. Fertig.

Statt der Fackel hat der gelernte Dekorateur seiner Figur kurzerhand eine Sense verpasst. Ein bisschen makaber? Und wenn schon. Dazu passt der Grabstein seines Vaters, der zur Sonnenuhr umfunktioniert wurde. Humor ist Trumpf, soviel ist sicher. Sonst würde man kaum auf die Idee kommen, einen Alligator ins Wasser zu setzen oder Bierflaschen in ein winziges Beetchen zu „pflanzen“ und das Ganze Biergarten zu nennen. Das hochprozentige Gegenstück dazu ist der „Kräutergaade“.

Etliche Tierchen fühlen sich in den Blumeninseln und -stöcken wohl. Foto: Anja Kernig
Keine Panik: Das Krokodil im Teich ist nicht echt. Oder etwa doch? Foto: Anja Kernig
Schöne Idee: der eigene Biergaade. Dort wachsen sogar Bierblumen. Foto: Anja Kernig
Dank Spezialdünger wächst und gedeiht vieles im Garten der Spreiers. Foto: Anja Kernig

Gern gibt Paul Spreier Auskunft, wie er was bewerkstelligt und Tipps fürs Nachmachen. Sein nächstes Projekt? Ein Hexenhäuschen für die Enkel, aber in deren Garten. Hier hinterm Kandinsky-Speck-Haus ist im Grunde alles getan: „Es reicht jetzt“, findet der Gastgeber. Richtig überzeugend klingt es nicht.