Schauen, staunen, selber machen

Auch in diesem Jahr gab es beim mittlerweile traditionellen Leinblütenfest überwiegend Handgemachtes und Handwerkliches. Aber auch Neuheiten wie die Fellnasendrops oder Außergewöhnliches wie Cornhole.

"Schön weiter drehen", sagt Dietmar Hennchen. Gerade wird wieder eine vierfach gespannte Sisalschnur von einem fleißig kurbelnden Kind zu einem (Spring-) Seil verdrillert. Zu Hause macht man das an der Türklinke, hier auf der großen Wiese zwischen Werns Mühle und Oster mittels einer 80-jährigen zahnradbetriebenen Maschine. "Ich spring das noch ein", meint Jürgen Hennchen anschließend und tut es prompt. Bezahlen lassen sich Vater und Sohn aus Oberalben/Kusel nur das Material. Ihnen liegt das Brauchtum am Herzen: "Langsam geht dieses Wissen verloren."

Nebendran dreht auch Thomas Martin unverdrossen eine Kurbel. Der Frohnhofer und seine Drehorgel gehören längst zum "Inventar" des Leinblütenfestes, das seinen Charme "Überzeugungstätern" wie den Dreien verdankt. Oder Peter Stoll. Dessen 15-er Deutz, keine zwei Meter lang und deshalb liebevoll "Knubbel" genannt, war das älteste Stück der Traktorausstellung der Oldtimerfreunde Ostertal 2012. Anders als viele Kollegen ist der 65 Jahre alte Winzling noch im Einsatz - mit Seilwinde und Kreissäge zum "Holzmachen". Ein "dankbares Fahrzeug und unkaputtbar", schwärmte Stoll, der Kinder gern auf dem Fahrersitz Platz nehmen ließ.

So kennen und lieben die Gäste das Leinblütenfest. Diese Mischung aus Schauen und Staunen, neues Altes entdecken, selber ausprobieren, Gespräche führen und ruhig mal zum Kaufen verführen lassen. War doch das Angebot der 40 Aussteller so kunterbunt wie originell: ob Bärlauchbutter, Schmuck aus altem Silberbesteck, Leindotter-Salz (eine Weltneuheit), geschnitzte Kleinkunst, Strohhüte oder Korbwaren - überwiegend Handgemachtes und Handwerkliches, bei den Lebensmitteln nur Regionales, wechselte den Besitzer. Erstmals dabei war Patricia Reinshagen aus Wiebelskirchen mit ihren "Fellnasendrops": selbst kreierte Leckereien für Vierbeiner, darunter "Gefillde mit Lewwerworscht" oder Rhabarber-Drops. Endlich nach Fürth brachten Uwe Thome und Mathias Puhl das Sacklochwerfen. Die amtierenden deutschen Cornhole-Meister stellten drei Holzkästen mit Loch auf, in die man die mit Granulat statt Mais gefüllten Säckchen ("sonst quillt es bei Nässe") zu werfen hatte - ein Riesenspaß.

"Pflicht" war ein Besuch der Ölmühle, wo rote Walnüsse zu aromatischem Öl gepresst werden und wo Willi Wern geduldig den Unterschied zwischen Pseudo- und echtem kalt gepresstem Öl erklärte. Nur das Wasserrad lief nicht - dem Niedrigstand der Oster geschuldet. Für die Schifffahrt reichte es aber allemal: Fröhlich ließen die Kids ihre Massivholzschiffe vom Stapel. Gebaut werden konnten die tollen Unikate umsonst beim Fürther Schreiner Patrick Blug - auch so ein Überzeugungstäter!