Projekt "Mitfahrerbänke in Münchwies" und Online-Mitfahrer-Atlas Saarland

Mobilität im ländlichen Raum : Mitfahrerbank bewegt wenige Menschen

Ein landesweiter Online-Mitfahrer-Atlas soll die Projekt-Idee für mehr Mobilität im ländlichen Raum beleben. SZ-Ortstermin in Münchwies.

Vor einem Jahr startete das Projekt „Mitfahrerbänke Münchwies“, initiiert von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe im Saarland (KISS). Ein Angebot zur Mobilität im ländlichen Raum (siehe „Info“). Wenn Auto und öffentlicher Bus fehlen, sollen so Nachbarorte und deren Infrastruktur erreichbar sein. Parallel zum Aufstellen der Mitfahrerbänke begann der Aufbau einer Online-Mitfahrer-Zentrale.

Noch hat sich das Angebot nicht durchgesetzt, stellt KISS-Projektleiterin Beate Ufer vor Ort beim Bilanz-Gespräch im Nieselregen mit unserer Zeitung fest. Die Bereitschaft, Mitfahrer mitzunehmen, sei hoch. Die Zahl der Mitfahrwilligen bleibe gering. Das lässt sich auch aus den Ergebnissen einer Fragebogenaktion vom März 2019 ablesen. Gefragt wurde, wie die Mitfahrerbänke von Münchwies eingeschätzt und genutzt werden. Bei den offenen Antworten heißt es da etwa: „Die Idee ist gut gemeint, wird aber leider im Dorf nicht angenommen. Vermutlich klappt die Nachbarschaftshilfe in unserem Dorf sehr gut.“ Warum sie die Wartebank nicht nutzen, begründen zwei von drei Fragebogen-Ausfüller mit „habe ein Auto und möchte unabhängig sein“. Andere argumentieren mit unbestimmter Wartezeit, unsicherer Rückfahrt oder ihrem Zögern, zu Unbekannten ins Auto zu steigen.

550 Fragebögen flatterten als Hauswurfpost in die Briefkästen der 1100-Seelendorfes. 46 Fragebögen erhielten die Projekt-Initiatoren zurück. Die Absichtserklärung, die Bänke in Zukunft zu nutzen, sei gegenüber der ersten Befragung im Sommer 2018 von 46 Prozent auf 63 Prozent gestiegen, sagt Beate Ufer: „Diese Tendenz lässt stark vermuten, dass das Projekt der Mitfahrerbänke ein langfristiges Projekt ist. Akzeptanz und Nutzung etabliert sich in der Bevölkerung über einen größeren Zeitraum hinweg.“

Im Regen stehen (oder sitzen) möchte Beate Ufer nicht mit dem Projekt „Mitfahrerbänke“ samt Online-Mitfahr-Zentrale. Beim Termin mit der SZ nimmt sie beschirmt Platz in Münchwies, Friedhofstraße, Fahrtrichtung Frankenholz. Foto: Claudia Emmerich

Inzwischen entstand im Rahmen des Projektes ein Online-Mitfahrer-Atlas“. Der soll das Projekt nachhaltig sichern und beleben. Für den Atlas wurden alle der KISS bekannten saarländischen Mitfahrerbänke in einer interaktiven Webseite veröffentlicht – www.treffpunkt-mitfahrerbank.de. Diese 58 Bänke erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Mehrheitlich, so Ufer, sind die Bänke von Gemeinderäten/Ortsräten auf den Weg gebracht worden, vereinzelt von Vereinen und eben dem KISS-Projekt.

„Ich bin schon ein bisschen traurig“, räumt Beate Ufer ein, weil sich bei ihrem Projekt noch so wenig bewegt. „Aber was wäre die Alternative gewesen?“ fragt sie weiter. Einen Bus nach Frankenholz (für die Münchwieser eine wichtige Verbindung) schaffe man nicht beim öffentlichen Nahverkehr.

Jetzt also soll die Online-Mitfahrer-Zentrale pushen. Bis Jahresende sagt Ufer, seien Auftritt und Pflege der Homepage gesichert. Bis dahin sollten die Nutzerzahlen steigen, um Geldgeber zu gewinnen. Schön wäre auch eine Image-Kampagne, wenn sie sich denn finanzieren ließe.

„Ich gebe das Projekt noch nicht auf“, sagt Beate Ufer weiter. Drei Aspekte sind ihr bei Mitfahrerbänken und Online-Mitfahrer-Zentrale besonders wichtig. Vernetzung: Durch die Zusammenarbeit aller saarländischen Mitfahrerbänke geraten die Einzelprojekte als Baustein eines Mobilitätskonzeptes erneut ins Gespräch. Nachhaltigkeit: Ist die Nutzung der Bänke erst etabliert, kann sich das Projekt über Generationen hinweg selbst tragen. Innovation: Im ländlichen Raum nimmt die Infrastruktur ab, es mangelt an einer grundlegenden Versorgung mit Supermarkt, Arzt, Apotheke und Bankfiliale. Solidarität hilft da den Menschen, die nicht in der Lage sind, die Strecken bis zu den nächsten Versorgungsmöglichkeiten selbstständig zurückzulegen.

„Es ist spannend, wie lange es dauert, bis die Bänkchen genutzt werden“, sagt Ufer. Ihre Hoffnung auf größere Akzeptanz: Nachkommende Generationen mögen offener sein, solch Mobil-Angebote ohne Scheu anzunehmen. Sie nutzen das Internet mit Selbstverständlichkeit. Und sie denken stärker an den ökologischen Fußabdruck.