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Porträts von Gebäuden

Helmut Weigerding zeigt auf eines seiner Bilder, das er besonders mag: „Winter in den Ardennen“.
Helmut Weigerding zeigt auf eines seiner Bilder, das er besonders mag: „Winter in den Ardennen“. FOTO: Anika Meyer
Mainzweiler. Helmut Weigerding malt nicht einfach nur Häuser. Seine Gebäude haben ein Eigenleben. Jetzt sind die Werke des Polizeihauptkommissars im Ruhestand in einer Ausstellung in Mainzweiler zu sehen. Anika Meyer

Zwar zeigen die meisten von Helmut Weigerdings Bildern Gebäude, doch dem Hobbymaler aus Wiebelskirchen liegt es fern, sie als Haus- oder Stadtansichten zu bezeichnen. "Porträts" seien es, sagt er: "Jedes Haus hat ein Leben, eine Geschichte, in der bestimmte Dinge passiert sind. Spuren, beispielsweise in Form von Verletzungen in der Außenhaut, zeugen davon." Und wie ein guter Porträtist fängt Weigerding nicht nur das "Antlitz" eines Modells ein, sondern auch seine Ausstrahlung, sein Wesen.

Häuser trotzen der Winterkälte

In der Ausstellung "Alle Jahre wieder" in der Alten Schule in Mainzweiler sind zurzeit ganz viele seiner "Charakterköpfe" zu sehen: Häuser aus dem Saarland, aus der Pfalz oder etwa auch aus Venedig. Einer von Weigerdings eigenen Favoriten ist der "Winter in den Ardennen" - das Bild zeigt eine unbefestigte, verschneite Straße, an die sich vor einem grauem Himmel Wohngebäude und eine kleine Kirche schmiegen.

"Ich finde, es stahlt so richtig die Winterkälte aus, der die Häuser zu trotzen versuchen." Eine ganz andere Wirkung hat ein Gässchen an der Weinstraße: Es grünt, der Himmel ist hellblau, die Luft scheint sommerlich warm. Oder Venedig: Die Sonne zaubert Farbenspiele an die Häuserfassaden.

All das malt der 73-Jährige ausschließlich in Aquarell.

"Die Technik hat zwar den Nachteil, dass man nicht korrigieren kann, aber mir gefällt, wie das Wasser die Farben fließen lässt." Angefangen zu malen hat Weigerding vor 16 Jahren, als er, ehemaliger Polizeihauptkommissar, in Ruhestand gehen musste. Inzwischen hat er zahlreiche Ausstellungen zu verzeichnen, allein in der Alten Schule ist er zum sechsten Mal zu Gast. "Es fühlt sich inzwischen an, wie nach Hause kommen", sagte er bei der Vernissage am Freitagabend.

Blick für das Besondere

Die recht zahlreich erschienenen Gäste wurden im Namen der Veranstalter - Kreis-VHS und Ortsrat - vom VHS-Vorsitzenden Hans-Jürgen Schäfer und Ortsvorsteher Udo Zägel begrüßt. Die Laudatio hielt Landrat und Kunstliebhaber Sören Meng, der Weigerding einen "Blick für das Besondere" zuschrieb: "Er versteht es, Stimmungen einzufangen." Regelrecht "Kultstatus" hätten seine Engel, so Meng, die der Künstler vor allem für seinen beliebten Engelkalender malt.

Bengelchen statt Engelchen

Ganz besondere Gesellen sind das und meist eher Bengelchen als Engelchen. Die Kalender sowie Engel-Karten können in der Ausstellung erworben werden können, die Einnahmen gehen an die Eric-Carle-Schule für Kinder mit geistiger Behinderung.

Besucher dürfen sich übrigens über eine besondere Atmosphäre in der alten Schule freuen, denn Weigerding und seine Frau haben die Räume weihnachtlich dekoriert.

Die Ausstellung "Alle Jahre wieder" kann an den kommenden beiden Sonntagen, 4. und 11. Dezember, zwischen 15 und 18 Uhr besucht werden.

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