Polizei erläutert auf Präventionsveranstaltung in Lautenbach, wie es um Einbruchsrisiko und Trickbetrug bestellt ist

Kostenpflichtiger Inhalt: Präventionsveranstaltung in Lautenbach : Wenn der Enkel gar nicht dran ist

Polizei stellte auf Veranstaltung Fakten vor zu Themen wie Einbruch und Trickbetrug.

Das hört man gern: „Aus polizeilicher Sicht ist die Welt hier völlig in Ordnung. Es ist fast das Paradies.“ Damit begrüßte Landespolizeipräsident Norbert Rupp die rund 30 Besucher der Veranstaltung „Fraktion in der Region“, zu der die CDU-Landtagsfraktion im Allgemeinen und der Eppelborner CDU-Landtagsabgeordnete Alwin Theobald im Besonderen in die Begegnungsstätte eingeladen hatte. Mit im Podium saßen zudem Thomas Dräger-Pitz, Leiter der Polizeiinspektion Neunkirchen, und Reiner Both von der Abteilung für Prävention und Opferschutz im Landespolizeipräsidium (LPP).

Auch wenn die meisten genau deshalb gekommen waren, „mein Hauptproblem ist nicht die Einbruchssituation“, betonte Rupp. Viel mehr Sorge bereitet den Ermittlern das organisierte Verbrechen am Telefon, Stichwort Enkeltrick. Doch dazu später. Zum Aufwärmen gab’s ein paar aufschlussreiche Einblicke in die Statistik: 2018 verzeichnete die Polizei in Ottweiler 511 Delikte, 17,5 Prozent weniger als 2017. Mit dieser Häufigkeitszahl liegt Ottweiler auf Platz 35 von 52 Kommunen, was das saarländische Ranking anbelangt. Aufgeklärt wurden 55,6 Prozent der Delikte, eine überdurchschnittlich hohe Quote, so Rupp. Von den ermittelten 236 Tatverdächtigen waren 209 Deutsche und 27 Nichtdeutsche. Auf die Frage ins Publikum, wie viele Einbrüche und versuchte Einbrüche wohl jährlich in Ottweiler geschehen, fielen die Zahlen 200 und 50. Tatsächlich passierte es 2018 aber nur zwölf Mal.

Wird tatsächlich irgendwo eingebrochen, „dann sind wir selbst schuld“, meinte Reiner Both. Wobei es „nur über die Zeit geht“. Sprich, je mehr Widerstand Fenster und Türen bieten, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein Dieb unverrichteter Dinge wieder abzieht. Die magische Grenze liege bei fünf Minuten. Dumm nur, dass in Deutschland bis zu 80 Prozent aller Fenster keinen Einbruchschutz haben. „Mit einem Schraubenzieher ist man da in einer Minute drin“, weiß Both. Im Gegensatz zu Aluminium-Rollläden bieten solche aus Kunststoff keinen nennenswerten Widerstand: „Die werden einfach mit dem Cuttermesser aufgeschlitzt.“ Durchaus hilfreich erweist sich dagegen die Außenbeleuchtung – eine vergleichsweise günstige Schutzmaßnahme: „Wenn man eine 8,5 Watt-Lampe 365 Tage jede Nacht brennen lässt, fallen dafür heute keine zehn Euro Stromkosten an.“ Ein „toller“ und dabei völlig kostenneutraler zusätzlicher Einbruchschutz ist eine „wachsame Nachbarschaft“. Kurz ging Both auch auf technische Spielereien wie Fernseh-Simulator, Schattenwerfer oder die Weiterleitung der Sprechanlage an der Haustür aufs Handy ein. Psychologie pur kommt bei den bereits erwähnten kriminellen Telefonanrufen zum Einsatz. „10 000 Euro Beute sind da keine Seltenheit“, in Saarbrücken sei eine Dame sogar schon mal um 200 000 Euro gebracht worden. Vor allem zwei Maschen kommen zur Anwendung. Bei der einen werde eine Notlage im engsten Familienkreis vorgegaukelt und „Angst und Schrecken erzeugt, etwa mit einem angeblichen schweren Verkehrsunfall“. Bei der anderen gehe es oft um technische Pannen bei der Bank, die eine „Sicherstellung“ des Vermögens erfordere.

„Die Täter sitzen in Call-Centern in der Türkei und sprechen akzentfrei deutsch“, erklärte Rupp. Es sei heute technisch ein Klacks, bekannte Nummern auf den Displays der Anrufempfänger zu spielen wie die der Hausbank. Hier sollte man genauer hinschauen, denn die Vorwahl verrate den Betrug. Die Polizei selbst, so Rupp, rufe auch nie über die 110 an.