Ottweiler investiert in Kanalbau

Beim Neujahrsempfang im Ottweiler Schlosstheater hat Bürgermeister Holger Schäfer angekündigt, die Stadt wolle trotz knapper Kassen 2,5 Millionen Euro investieren. Alleine der Kanalbau verschlingt eine Million.

Erstaunlich kraftvoll beginnt das neue Jahr in Ottweiler . Natürlich hat Bürgermeister Holger Schäfer den annähernd 300 Gästen im Saal des Schlosstheaters an diesem Freitagabend einiges zu sagen. Doch so ein bisschen stiehlt ihm eine junge Dame der Anton-Hansen-Schule die Schau. Deren Band bringt nach den ersten Begrüßungsworten Schäfers Adeles Song "Hello" zu Gehör. Und das ist so gut, dass es mucksmäuschenstill im Raum wird. Vom Karnevalisten mit rot-weißer oder blau-weißer Mütze über Vertreter aus Politik und Wirtschaft bis hin zur Familie mit Kind lauscht jeder der Stimme von Shaylea Norried, einer der beiden Schulband-Sängerinnen.

Bürgermeister Schäfer verspricht zum Beginn seiner Rede, nicht jeden einzeln zu begrüßen. Aber alleine die Aufzählung der vielen Institutionen vom Kommunalpolitiker über den Vorstandsvertreter bis zum Ottweiler Sportler frisst schon einiges an Zeit. Dann kommt Schäfer auf die Flüchtlingssituation zu sprechen. Ottweiler habe mittlerweile 208 Menschen aufgenommen, die Schutz suchten vor Gewalt und Krieg. Gerade Kriegsflüchtlingen dürfe man nicht die Tür vor der Nase zuschlagen, das sei für ihn persönlich selbstverständlich. Dafür gibt es Applaus.

Humanitäre Verpflichtung

Schon vor einem Jahr habe er von einer humanitären Verpflichtung gesprochen, und zu dieser Aussage stehe er unverändert. In den Medien und speziell in den sozialen Netzwerken werde das Thema Flüchtlinge seit Monaten unerbittlich diskutiert: "In diesen Tagen muss unsere Demokratie besonders viel aushalten. Die Flüchtlingsdebatte, auch noch angefeuert durch die Zwischenfälle in Köln, wird uns auch in diesem Jahr intensiv beschäftigen." Über die Ankömmlinge in Ottweiler könne er nur positives berichten. Keine Übergriffe, keine Straftaten seien ihm bekannt. Er verstehe die Verunsicherung in der Bevölkerung nach den jüngsten Ereignissen, aber dennoch stehe für ihn fest: "Jeden Flüchtling unter Generalverdacht zu stellen ist falsch." In diesem Zusammenhang dankt er den Menschen, die sich für die Neuankömmlinge stark machten und sie unterstützten.

Schäfer geht auch auf Veränderungen in der Stadt ein, erwähnt die neuen Windräder zwischen Steinbach und Fürth, den Augassendurchstich an der B 41. Und er wagt einen Ausblick auf 2016. Die Gemeinde plane "trotz der Sparzwänge" Investitionen von rund 2,5 Millionen Euro in die Infrastruktur. Dabei werde alleine eine Million Euro in den Kanalbau fließen. Zudem sei geplant, alle städtischen Einrichtungen an das Nahwärmenetz in Fürth anzuschließen. Die Stadt wolle in den Straßenbau, in die Friedhöfe, Feuerwehr- und Bauhofausstattung, in die Grundschulen investieren. Auch die Sanierung des Bahnhofsgebäudes stehe auf der Agenda, wenn auch erst zum Jahresende. In den sanierten Bahnhof solle dann die Polizeidienststelle einziehen.

Mehr Bürgernähe

Schäfer tippt auch das Thema der Sanierung der Sport- und Markthalle (Im Alten Weiher) an. Die sei zwar raus aus der EU-Förderung, aber nun ins Städtebauprogramm aufgenommen. Gleichwohl stehe die Gesamtfinanzierung noch nicht. Schäfer: "Uns fehlt einfach das nötige Geld." Den Kontakt mit dem Bürger wolle er intensivieren. Anstelle starrer Sprechstunden stehe er künftig jederzeit nach Absprache zur Verfügung.

Neben der Stadt ist der Heimat- und Verkehrsverein Mitveranstalter des Abends. Dessen Vorsitzende Brigitte Meister macht es kurz: Sie kündigt für Ende Mai eine Comedy-Show an, deren Erlös in den Rosengarten fließen soll. Und erhebt ihr Glas aufs neue Jahr. Danach gibt's viele Gespräche - und noch etwas gute Musik.