| 20:20 Uhr

Der 100. Blog des Landrats
Notizen, Nachrichten, Nachdenkliches

Sören Meng schreibt diese Woche seinen 100. Landrats-Blog. Freitagabend ist er online.
Sören Meng schreibt diese Woche seinen 100. Landrats-Blog. Freitagabend ist er online. FOTO: Screenshot
Ottweiler. Diesen Freitag erscheint der 100. Blog-Eintrag von Landrat Sören Meng. Bis zu 3000 Leute lesen inzwischen die wöchentliche Kolumne. Von Michael Beer

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ – mit dem Hermann-Hesse-Zitat hat Landrat Sören Meng vor über zwei Jahren seinen ersten Landrats-Blog überschrieben. Wenn diese Arbeitswoche endet, wird am Freitagabend, 18 Uhr, (so wie das Mengs Blog-Regel ist) der 100. im Internet auftauchen. In den Ferienwochen ruht das Projekt. Denn es handelt sich, betont Meng, um ein rein berufliches Internet-Tagebuch - oder in diesem Fall wohl besser Wochenbuch.


Blog, das ist ein noch recht junges Wort in der deutschen Sprache. Es ist die zusammengeschnurrte Form von Weblog, also Einträgen wie in ein Tagebuch, aber auf einer öffentlichen Webseite im Internet. Blogs erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, im Kreis Neunkirchen ist unter anderem Illingens Bürgermeister Armin König ein begeisterter Blogger.

Im Wahlkampf um den Posten des Landrates hatte Sören Meng angekündigt, für mehr Transparenz zu sorgen. Der Bürger solle unvermittelteren Zugang bekommen zu dem, was so ein Landrat und seine Verwaltung so treiben. Den Blog sah er dabei als gute Möglichkeit. „Es gab schon Stimmen, die gesagt haben, das hältst du nicht durch“, erinnert sich Meng. Aber er hat noch keine Woche geschmissen und sagt im Brustton der Überzeugung, das werde sich auch für den Rest seiner Amtszeit nicht ändern. Nun ist der Neunkircher Landrat ja auch als literarisch ambitioniert bekannt, zuletzt kam das Bändchen „Mei Geheischnis“ in der Edition Schaumberg heraus. Beim Landratsblog läuft der Schaffensprozess indes anders. Meng diktiert seine Gedanken zu den wichtigsten Ereignissen seiner Arbeitswoche auf Tonband. Seine Sekretärin tippt es ab und er schaut es sich noch einmal an. Das habe in den ersten Wochen etwas länger gedauert, bedeute für ihn heute aber bei all seinen Arbeitsstunden über das Normalmaß hinaus keine große Belastung mehr. Und Meng hat seine Besucher auf dem Blog: „Das fing klein an mit etwa 200, hat sich dann aber gesteigert.“ In der Regel schauten sich heute zwischen 1000 und 2000 Menschen seinen Wocheneintrag an, bei besonders interessanten Themen könne die Zahl bis auf 3000 steigen. „Ich liebe sowieso das Dokumentieren“, erklärt der Verwaltungschef, „es hilft mir beim Reflektieren. So hat das Ganze für ihn neben dem Wunsch nach Transparenz für den Bürger einen persönlichen Nutzen.

Zeitverschwendung, Selbstverspieltheit, die Arbeit für einen Landratsblog? Solche Vorwürfe habe er bislang noch nicht gehört, sagt Meng. Und betont, es ginge ihm bei der wöchentlichen Kolumne eben nicht um seine Person. Die Menschen im Kreis sollten einen Eindruck bekommen über die vielen Arbeitsgebiete und Aufgaben der Kreisverwaltung. Wenn Meng aus Aufsichtsräten oder anderen Sitzungen berichtet, könne dies aus Datenschutzgründen nur sehr eingeschränkt öffentlich werden. Aber wenn er zum Beispiel wie am Montagmorgen ein längeres Gespräch mit dem schulpsychologischen Dienst im Haus hat, dann entwickelten sich dabei auch Gedanken, die in den Blog gehören. Die Arbeit seiner Mitarbeiter lasse sich auf diesem Weg würdigen. Die Einträge wollen zudem nicht staatstragend daherkommen, neben der Arbeit der Verwaltung geht Meng auch schon mal auf die Sommeralm und die Fastnacht ein.

Das Internet als Informationsdrehscheibe werde für die Kreisverwaltung sowieso immer wichtiger, sagt Pressesprecherin Jasmin Alt. Als es zuletzt um das Thema Adoptiveltern ging, habe die Verwaltung über die sozialen Medien  Tausende Menschen erreicht. Der Beitrag hatte 96 288 Zugriffe und wurde 824 mal geteilt. Zugleich schloss sich eine intensive Diskussion um das Thema an. Und auch wenn die Aussagen in den Netzwerken nicht immer besonders reflektiert wirken – die Leute wurden aufmerksam. Das möchte Sören Meng auch mit seinem Blog erreichen.