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Nie klangen die Glocken süßer als heute

Nie klangen die Glocken süßer als heute

Dank der Evangelischen Kirchengemeinde Dörrenbach und des Heimat- und Kulturvereins Fürth ertönen im historischen Turm von Fürth drei Glocken. Gestern waren sie das erste Mal zu hören.

. "Achtung, jetzt: Ohren zuhalten! Nein . . . doch noch nicht." "Aber jetzt! Oder? Nein, doch noch nicht." Gespannt lauschte man im Glockenstuhl des historischen Turms in Fürth den Worten von Pfarrer Marcus Bremges und versuchte herauszuhören, wann dieser endlich das Knöpfchen drücken würde. Bremges hielt unten eine Messe mit Taufe, der ersten Taufe seit 200 Jahren am Fuß des Glockenturms einer spätmittelalterlichen Kirche, die nach Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg abgerissen worden war. Der Glockenturm hat die Zeiten überdauert und darf seit gestern sogar wieder seine Funktion erfüllen. Drei Glocken beherbergt er, voll automatisch steuerbar, per Funk bis in ein Kilometer Entfernung.

Plötzlich setzte die größte der drei Glocken sich - erst etwas behäbig, dann mit zunehmendem Schwung - in Bewegung. "Rund 200 Kilo wiegt sie!", betonte Herbert Kremp vom Heimat- und Kulturverein Fürth . Ein volles, dunkles "Dong!", ertönte, kurz darauf das helle Geläut einer kleinen Glocke, dann das einer mittleren. Die beiden größeren Glocken, gegossen 1970 und 1971, stammen vom Glockenturm der Evangelischen Kirche Fürth , der Anfang des Jahres wegen statischer Mängel hatte gesprengt werden müssen. Die Evangelische Kirchengemeinde Dörrenbach , zu der Fürth gehört, hat im historischen Turm einen nagelneuen Glockenstuhl aus Eichenholz errichten und sie darin installieren lassen. Die kleine Glocke von 1920 hing schon länger hier, sie ist die einzige, die außer automatisch auch noch von Hand bedient werden kann. Der Heimat- und Kulturverein Fürth hat dabei für die Holztreppe gesorgt, die zum Glockenstuhl hochführt. An dieser war man sowieso bereits am Arbeiten, denn der Kulturverein kümmert sich bereits seit 25 Jahren um den Erhalt des Architekturdenkmals. Seit Jahren veranstaltet er auch das Turmfest, das man gestern als Rahmen zur Einweihung des Glockenstuhls nutzte.

Herbert Kremp behielt die Glocken während ihres ersten Geläuts an ihrem neuen Platz genau im Auge: "Zwei sitzen nicht ganz richtig, die schlagen nur einseitig!" Doch das ist kein Problem, da muss nur ein wenig nachjustiert werden. Unten auf dem Vorplatz sang noch einmal der Gesangverein Liederkreis Führt, bevor die Messe beendet war und man zum lockeren Festtreiben überging. Wer wollte, konnte nun den neuen Glockenstuhl in Augenschein nehmen und dabei noch die eigens für den Festtag hergerichtete Ausstellung über den Turm selbst sowie über die Fürther Mühlen besichtigen. Der Heimat- und Kulturverein hat sein Ziel erreicht: "Unser Anliegen ist es, den Turm für den Ort zu erhalten und die Leute hier zusammen zu bringen.", so der Vorsitzende Willi Wern. Und auch Pfarrer Marcus Bremges war zufrieden: "Wir hätten auch einen neuen Glockenturm bauen können, doch das wäre erstens teurer gewesen und zweitens verdient es dieser historische Turm einfach, in seiner Funktion erhalten zu bleiben."