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Neujahrsempfang
Neujahrsempfang mit Licht und Schatten

Ottweiler. Bürgermeister Holger Schäfer blickt positiv in die Zukunft, vergisst aber auch nicht die schwierige Vergangenheit. Von Anja Kernig

Um ein Haar wäre Brigitte Meister damit durchgekommen: „Sie kennen das ja von zu Hause. Frauen haben immer das letzte Wort“, leitete die Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins (HuVv), Bürgermeister Holger Schäfer neben sich am Rednerpult mit einem Lächeln bedenkend, zu ihrer Ansprache über. Schätzungsweise 400 Gäste waren der Einladung von Stadt und HuVv ins Schlosstheater gefolgt. Dort vollzog sich mit dem Segen der Sternsinger, rhythmisch untermalt von der Combo der städtischen Musikschule „Jazz for Fun“ unter Leitung Karl-Gerd Schäfers, der traditionelle Neujahrsempfang.



Als Hausherr und Verwaltungschef oblag Schäfer der rhetorische Löwenanteil. Wie nahe dem seit fünf Jahren amtierenden Bürgermeister die gegen ihn und den Stadtrat erhobenen Vorwürfe bezüglich des Windparks in Lautenbach gegangen sein müssen, zeigte, dass er seinen lokalen Rückblick genau damit begann: „Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken hat die Ermittlungen wegen Vorteilnahme im Amt eingestellt“, bilanzierte Schäfer, die Vorwürfe erwiesen sich bekanntlich als haltlos. Der Neubau der Fußgängerbrücke am Bahnhof für 1,3 Millionen Euro war das Top-Bauprojekt des Jahres. Daran und an viele weitere Höhepunkte erinnerte die Power-Point-Präsentation, für die Ralf Hofmann vom Amt für Öffentlichkeitsarbeit und Wirtschaftsförderung 120 Fotomotive aus dem Jahresverlauf zusammengestellt hatte.

Wobei der Blick nach vorn naturgemäß der spannendere ist: „Trotz aller Sparzwänge planen wir ab 2018, mit EU-, Bundes- und Landesfördermitteln runde fünf Millionen Euro an Investitionen in unsere Infrastruktur zu tätigen“, kündigte Schäfer an. Gleich fünf große Projekte will man insgesamt angehen: Die Sanierungen des Bahnhofgebäudes und der Sport- und Markthalle Im Alten Weiher. Dort stehen die finanziellen Mittel „seit wenigen Wochen endlich bereit“. Dazu kommen noch notwendige Sanierungsarbeiten in beiden Grundschulen und der Kindertageseinrichtung Lehbesch. „Eine Million Euro werden wir wieder in die Kanäle investieren sowie runde 800 000 Euro in den Brandschutz.“

Nicht hinterm Berg hielt Schäfer mit seinem Ärger über die Deutsche Bahn. So verschiebt sich der für 2018 geplante Bau der zwei geplanten Aufzüge für die Barrierefreiheit der Fußgängerbrücke bis ins Jahr 2020. Es hängt an ganzen 21 Zentimetern – ein „Wahnsinn“, der auf dem Bahnsteighöhenkonzept der DB fußt. „Alle Bahnstrecken, die in Fernverkehrsknoten münden, sollen bundesweit 76 Zentimeter Höhe aufweisen, da die Fernzüge diese Einstiegshöhe haben.“ Doch in Ottweiler, wie überall auf der sogenannten „Nahestrecke“, weisen die Bahnsteige nur 55 Zentimeter auf.

Mit seinem versöhnlichen Credo „Ottweiler – das sind wir alle!“ schloss der Bürgermeister die Neujahrsansprache: „Es geht auf kommunaler Ebene nur miteinander, und gemeinsam werden wir das Beste für unsere Stadt erreichen.“ Bevor die angeblich bereits durch die ganze Altstadt duftende Gulaschsuppe der Reservistenkameradschaft verkostet werden konnte, zog Brigitte Meister noch schnell Bilanz für den HuVv. Auf Wunsch der Bürger kümmere man sich auch um das Glockenspiel, dessen Klang nach der Renovierung des Wehrturms zu wünschen übrig lässt. „Es gab ein Treffen mit der evangelischen Kirchengemeinde, um Änderungen vorzunehmen.“ Sobald das größte Klangspiel des Saarlandes wieder in gewohnter Weise „hörbar“ ist, können sich die Bürger Wunschmelodien gegen eine Spende bestellen, sicherte Brigitte Meister zu.



Für den Sommer plant der Verein gemeinsam mit der Gastronomie am Rathausplatz einen Sonntagsfrühschoppen und einen „romantischen Abend“ mit Livemusik. Zudem wird es Rosenschnittkurse im Rosengarten geben. Noch einen Toast aufs neue Jahr, gute Wüsche und der gemütliche Teil des Abends hätte eröffnet sein können. Wäre Schäfer nicht schnell dazwischen gegangen. Mit „Das Buffet ist eröffnet und einen wunderschönen guten Abend noch“, reklamierte er, spitzbübisch grinsend, doch noch das letzte Wort für sich.