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Neue Bürgerinitiative formiert sich

Ottweiler. Die geplanten Windkraftanlagen im Krokenwald bei Steinbach rufen Kritiker auf den Plan. Michael Beer

Im Ostertal wird das Klima für Windenergie offenbar ungemütlicher. Während die Bürgerinitiative in Lautenbach noch gegen den bereits genehmigten Windpark auf dem Höcherberg ankämpft, formiert sich in der Nachbarschaft neuer Widerstand. Diesmal geht es um den Krokenwald bei Steinbach. Das Unternehmen Abo-Wind ist mit zwei Anlagen im Genehmigungsverfahren des Landes. Ob zwei weitere Türme mit einer Gesamthöhe von je rund 200 Metern kommen werden oder nicht, dürfte sich wohl erst Richtung Jahresende klären. Die Wellen schlagen aber derzeit hoch. Vor zwei Wochen wollte Abo-Wind die Gemüter mit einer Info-Messe beruhigen. Doch über 250 Besucher diskutierten letztlich hitzig mit Unternehmen, Verwaltung, Gutachtern und dem Saarforst Landesbetrieb, dem Eigentümer des Waldes, in dem die Windtürme einmal stehen könnten. Abo-Wind übt sich in Transparenz: Unter der Adresse www.windpark-krokenwald.de hat es Informationen zusammengetragen, regelmäßige Einträge zur Entwicklung des Projektes sind versprochen. Die neue Gegenwind-Initiative aus Steinbach hat auf der Internet-Seite "gegenwind-ostertal.de" Kritikpunkte zusammengetragen. Ökologisch sinnvoll, heißt es dort, aber energiepolitisch und gesundheitlich zweifelhaft, nehme der Windkraft-Ausbau im Ostertal bedenkliche Ausmaße an: "Viele Steinbacher fühlen sich schon jetzt durch immer neue und immer höhere Windkraftanlagen längst nicht mehr nur in ästhetischer Weise belästigt. Die im vergangenen Jahr in unmittelbarer Nähe unserer Ortsgrenzen entstandenen Windräder sind für viele von uns zu einer akustischen Dauerbelastung geworden."



Yacine Boukhetouche von der Initiative berichtet, es gebe mittlerweile rund 100 Mitstreiter, auch aus Hangard und vom Ottweiler Betzenhübel. Die Initiative habe sich in den vergangenen zwei, drei Wochen formiert und sei auf "Konsens ausgerichtet". Steinbach habe lange Verständnis gezeigt für Fragen der Energiewende. Als die ersten Windtürme nördlich des Dorfes gebaut wurden, sei dies so gewesen, und dann auch bei den nächsten Anlagen im Nordosten. Schließlich bauten Firmen im Südosten (Richtung Münchwies) und kamen auf etwa 1,2 Kilometer Entfernung heran. Das habe sich schon beim Schattenschlag und der Geräuschkulisse ausgewirkt. Die beiden geplanten Energielieferanten im Krokenwald allerdings hätten noch einen Abstand von 800 bis 900 Meter zum Siedlungsrand. Und auch wenn die neue BI um ihren Sprecher Andreas Siegel einen konstruktiven Austausch mit den Entscheidern suche, kündigt Boukhetouche Aktionen an, mit denen die Steinbacher auf ihre Situation aufmerksam machen wollen.

Im Ortsrat gab es zwischenzeitlich eine Resolution, der Ottweiler Stadtrat hat einen juristischen Fragenkatalog zusammengetragen, den eine Saarbrücker Rechtsanwaltskanzlei beantworten soll. Die Fragen reichen von den Bedingungen, unter den der Flächennutzungsplan "Windenergie" geändert werden kann, über mögliche Schadensersatz-Forderungen, sollten sich Rat oder Stadt im Genehmigungsprozess quer stellen, bis hin zu der Frage, ob der Rat auch noch nachträglich Auflagen beschließen könne.

Ottweiler ist im Kreis Windenergie-Lieferant Nummer Eins. Am Hungerberg, im Himmelwald und Jungenwald - den von Boukhetouche beschriebenen Standorten - sind zehn Anlagen auf Ottweiler Bann in Betrieb. Sie kommen auf eine Leistung von über 25 Megawatt (MW). Beim Windpark Höcherberg (drei Türme auf Ottweiler, zwei auf Bexbacher Seite) laufen die Vorarbeiten. Das Gelände ist mittlerweile gerodet. Dort ist das Unternehmen Juwi im Boot, heftig attackiert von den Lautenbacher Gegnern. Die Steinbacher Windkraft-Kritiker schreiben auf ihrer Homepage: "Bisher haben wir duldsam und freundlich alle Einschränkungen, welche die neuen Windkraftanlagen mit sich gebracht haben, hingenommen." Damit soll jetzt Schluss sein.

www.windpark-krokenwald.de



www.gegenwind-ostertal.de