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Musikalische Reise ins Mittelalter

Musikalische Reise ins Mittelalter

Das letzte Konzert der Reihe „Sommer, Sonne, Ottweiler“ hat der Frauenchor Li(e)dschatten aus Illingen gestaltet. Im Biergarten des Cafés und Bistros Zwinger präsentierten sie mittelalterliche Klänge.

Schon immer hätten die Illinger nach Ottweiler kommen müssen, beispielsweise "zu Gericht", heute sei man jedoch zum Singen da, erklärte Andrea Berger. Im langen Rock, mit Schürze und Haube stand sie in der Reihe ihrer Kolleginnen vom Illinger Frauenchor Li(e)d schatten, allesamt in an mittelalterliche bis barocke Kleidung erinnernder Gewandung. Man hatte sich optisch angepasst, erstens der Musik, die man zum Besten geben wollte und zweitens der romantischen Kulisse des Konzertes: Im Biergarten des Cafés und Bistros Zwinger endete am Sonntagabend die Reihe "Sommer, Sonne, Ottweiler ", zwischen den alten Befestigungsmauern der Stadt und den sich daran anschmiegenden Fachwerkhäuschen.

"Eine frisch verheiratete, junge Frau liegt in ihrer Kemenate und langweilt sich. Da hört sie vor dem Tor Gesang, der so schön klingt, dass sie ihr Herz verliert", kündigte Berger ein altenglisches Stück an. In Originalsprache ging es auch zu "den Welschen", bei denen laut Berger "gar liederliche Sitten" herrschten, die die mitunter etwas schlüpfrigen Texte erklärten. Klar und harmonisch erklangen die neun Frauenstimmen in Sopran, Mezzo und Alt unter Leitung von Susanne Thewes.

Im Publikum waren längst alle Gespräche verstummt, man lauschte und spendete kräftig Applaus. Die Tische des Biergartens waren bereits bis auf den letzten Platz besetzt, doch immer noch kamen Besucher her geschlendert und lehnten sich an die alten Mauern. Das sah Ralf Hoffmann von der Stadt, die "Sommer, Sonne, Ottweiler " jedes Jahr zusammen mit den Gastronomen veranstaltet, um in den Ferien die Altstadt zu beleben, gerne: "Wir sind wirklich sehr zufrieden."

Wandernde Sängerinnen

Die Sängerinnen wechselten mehrmals die Position: "Wir wandern, auf dass alle im werten Publikum uns mögen hören", erklärte Berger. Von mitten zwischen den Tischen gab es so die Geschichte von Barbara Allen, die den schönen William liebte, jedoch zurückgewiesen wurde, zu hören. Tragischerweise musste der junge William vor Kummer sterben, als er sich später in Barbara Allen verliebte, die ihn nun ihrerseits zurückwies. Im zweiten Teil des Abends wechselten Li(e)d schatten vom mittelalterlichen bis barocken Programm in die Moderne. Bekannte Stücke wie "Bei mir bist du scheen" oder "Best of my Love" und "Bright Morning Stars" gab es zu hören und dazu ließ es sich nun sogar ein wenig tanzen. Zu denjenigen, die regelmäßig bei Konzerten der Reihe dabei sind, gehörten Besucherin Vera Rauschkolb aus Neunkirchen und ihr Mann: "In Ottweiler sind wir ja schnell und Musik in diesem Ambiente ist einfach etwas Schönes." Auch ein paar Jugendliche und junge Erwachsene waren im Publikum, so wie die Schwestern Lena und Julia Kümmel, für die die mittelalterliche Musik eine neue Erfahrung war: "Wir sind aber durchaus nicht abgeneigt. Und Chorgesang mögen wir sowieso sehr gerne."