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Musik und Literatur in familiärer Atmosphäre

Musik und Literatur in familiärer Atmosphäre

Henry Purcell, Richard Wagner und Georges Bizet trugen den Gesangsabend im Witwenpalais mit Angela Fellini. Begleitet wurde sie von Pianist Thomas Layes. Guido Jung trug ausgewählte Lyrik vor.

Hätte, wäre, würde: Warum am Freitagabend im Witwenpalais viel zu viele Plätze leer blieben, kann man nur spekulieren. Vielleicht war der Tag schlecht gewählt. Vielleicht ist "Musik und Literatur" auch einfach nicht das Ding vieler Zeitgenossen.

Aktuell belegt Angela Fellini mit ihrem Titel "Blume der Zeit" bei SWR4 Rheinland-Pfalz Platz eins der volkstümlichen Hitparade. Künstlerisch zu Hause ist die in Neunkirchen lebende Mezzosopranistin mit deutsch-italienischen Wurzeln ganz woanders. Sowohl an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf als auch in Saarbrücken und Freiburg studierte sie klassischen und Jazz-Gesang. Dabei belegte Fellini unter anderem Meisterkurse bei Professor Inge Möller, Mirella Freni, Grace Bumbry und Prof. Arthur Janzen. Bei Opernprojekten der Deutschen Oper am Rhein arbeitete sie unter der Dramaturgin Emily Rawlins-Struckmann und dem international bekannten Regisseur Prof. Gregor Horres.

Dass ihr neben Jazz auch Pop nicht unbekannt ist, zeigte der letzte Teil des dreigeteilten Konzertes im historischen Saal, das zunächst ganz klassisch mit der schwermütigen Arie der Mignon begonnen hatte: "Connais-tu le pays" - "Kennst du das Land, in dem die Zitronenbäume blühn?" Die Künstlerin verstand es, ihr Publikum sofort in ihren Bann zu ziehen. Dazu trug Pianist Thomas Layes nicht unerheblich bei. Obgleich der Steinway-Flügel mit seinen sonoren, tragenden Bässen, der klanglich üppigen Mittellage und dem schmeichelnden Diskant ein gleichberechtigter Partner gewesen wäre, verwies ihn Layes in die Rolle des unterstützenden Kavaliers. Umso mehr konnte Fellini brillieren: Mit ihrer reifen, voluminösen und damit durchaus eines großen Opernhauses würdigen Stimme interpretierte sie unter anderem Henry Purcell , Richard Wagner und Georges Bizet in den Rollen der Dido, Erda und Carmen.

Professor Guido Jung präsentierte eine Auswahl an Lyrik zwischen den Arien. Etwas beliebig wirkte die Auswahl der Gedichte, darunter "Der Panther" von Rilke, Mörikes "Auf eine Lampe" oder "Selige Sehnsucht" von Altmeister Goethe, die Jung, der selber gern dichtet und davon auch eine Kostprobe gab, mit Sachverstand und sichtlichem Vergnügen rezitierte.

Zur familiären Atmosphäre des Abends trug auch der Umstand bei, dass die Familie der Sängerin integriert war: Der Opa fotografierte, der Vater filmte und Mutter Judith moderierte das Programm. Zum Abschied beschenkte Angela Fellini ihre begeisterten Zuhörer noch mit "Dust in the wind" der amerikanischen Rockband Kansas - ein eher stilles, schlichtes Lied.