Museen im Saarland: Schulmuseum in Ottweiler zeigt Schulgeschichte

Schulmuseum Ottweiler : Wie in der Schule: Mitmachen zählt

Vor 25 Jahren ist das saarländische Schulmuseum in Ottweiler eröffnet worden. Es zeigt 1000 Jahre Schulgeschichte auf drei Etagen.

Dieses Museum ist etwas ganz Besonderes. In vielerlei Hinsicht. Aber vor allem in einer. Hier ist Programm, was in anderen Museen in der Regel gar nicht gern gesehen ist: Anfassen bitte, ausprobieren, testen. „Wir wollten hier ganz bewusst ein Mitmach-Museum haben“, sagt Stiftungsvorstandsvorsitzender Hans-Heinrich Rödle. Der ehemalige Ottweiler Bürgermeister hat sich gemeinsam mit Initiator Professor Horst Schiffler Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre um die Gründung des Museums verdient gemacht. Mit seinem Amtsantritt 1991 wurde die Museumsgründung für Rödle zur Chefsache. Unterzeichnung der Stiftungsurkunde für den Träger, die Stiftung Saarländisches Schulmuseum, war im November 1991. Am 26. März 1993 schließlich war es so weit: In dem sanierten Gebäude aus dem Jahr 1800 — ursprünglich Wohnhaus, dann Mädchen-Haushaltsschule — in der Goethestraße 13, am Rande der Ottweiler Altstadt, feierte das „Kleinod im südwestdeutschen Raum“ (Rödle) Eröffnung.

In der Goethestraße 13 am Rande der Ottweiler Altstadt wurde am 26. März 1993 das Saarländische Schulmuseum eröffnet. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1800, wurde als Wohnhaus gebaut. Foto: Jörg Jacobi

Bis heute sitzt Rödle dem Stiftungsvorstand vor (siehe Info). Ideen­geber Professor Horst Schiffler ist mittlerweile 80. Er hat den Stab, sprich die ehrenamtliche Museumsleitung, weitergegeben an Ralf Hoffmann. Dritte im festen Bunde der Musuems-Engagierten ist eine pädagogische Mitarbeiterin, die dafür vom Schuldienst beurlaubt wurde. Bettina Heisel macht Führungen mit allem Drum und Dran, organisiert, sichtet und lässt sich immer wieder was Neues einfallen, um das Museum attraktiv zu machen. Ganz neu in 2018: Der Actionbound für eine digitale Schnitzeljagd. Gemeinsam mit dem saarländischen Museumsverband wurde das Programm entwickelt. Über den Gast-Wlan-Zugang des Museums, ausgerüstet mit Smartphone oder Tablett, kann man den QR-Code am Eingang scannen – und los geht es mit Fragen und Aufgaben quer durch die drei Stockwerke des Museums bis unters Dach. Etwa eine halbe Stunde dauert der Spaß.

Das Harmonium gehörte früher ganz selbstverständlich zur Einrichtung im Klassenzimmer. Die pädagogische Mitarbeiterin Bettina Heisel weiß es zu spielen und gibt auch bei Führungen gerne mal eine Kostprobe. Foto: Jörg Jacobi

Die Führungen für Schulklassen oder solche, die es mal waren, oder alle, die einfach so vorbeikommen, dauern etwas länger. Zumindest, will man die Mitmachstationen so richtig auskosten. Gleich zu Anfang kann, wer mag, nochmal in der Schulbank Platz nehmen, im Klassensaal mit Einrichtungen aus dem Jahren 1920 bis 1950. Gerne darf man hier auch mal die Seiten wechseln und mit Stock und Lehrergewand den Professor machen. Mit Schiefertafel und Griffel ausgestattet kann der Besucher schreiben üben. „Die Kinder mögen es, wenn sie ihren Namen in Sütterlin-Schrift schreiben“, weiß Rödle. Auch ein Harmonium steht hier. Wenn man Glück hat, spielt Bettina Heisel was. Im Zimmer nebenan darf dann gepuzzelt werden, Sätze kann man sich hier zusammendrehen (siehe Foto). Riesen-Rechenschieber und Abakus sowie eine im Dritten Reich erfundene Rechenmaschine als dessen Konkurrenz wollen gerne getestet werden. Hier wie überall in den Vitrinen: Jede Menge Materialien – die dann allerdings nur zum Gucken – rund ums Schulleben aus 1000 Jahren. Ganz stolz ist man auf eine Tafel, die die Römer schon mit Hilfe eines Knochens als Notizbuch verwendet haben. Oder das älteste unter den Museumsbüchern. Von 1760 stammt es, ist wie sein Vitrinennachbar von 1835 ein „orbis pictus“, ein Lehrbuch mit Text und Bild, in dem einfach alles steht. Was unartigen Gymnasialschülern früher blühte, kann man in einem Carcer nachempfinden. Rund ums Schulleben dreht es sich im Obergeschoss. Puppenstuben, musische Bildung, Naturwissenschaften – natürlich wieder jede Menge Mitmach-Möglichkeiten – ergänzen hier Informationen: allgemeine und über Ottweilers Schulleben im Besonderen. Wer die letzten Stufen erklommen hat, der wird besonders belohnt. Denn hier erfährt man nicht nur einiges über Lehrerbildung, hier gibt es noch einen Klassenraum: Eine Lehrstube um 1850 inklusive Esel und separaten Ohren, gern genommene Bestrafung in jener Zeit. Da tut es gut, zu sehen, dass trotz allem Lernen und der rauen Lehrmethoden auch durchaus im Freien mehr oder weniger Entspannung möglich war. Hinterm Museum liegt ein Schulhof. Das Wetter ist gut, die Umgebung nett und Ralf Hoffmann ganz schön fit. Der Schwung am fast 200 Jahre alten Barren klappt noch. Hier enden in der Regel die Führungen. Als Belohnung gibt’s ein Fleißkärtchen.

Zum Museum gehört auch ein Schulhof. Unter anderem gibt es einen 200 Jahre alten Barren, an dem hier Museumsleiter Ralf Hoffmann ganz flott den Aufschwung probt, im Hintergrund die Altstadt. Foto: Jörg Jacobi

5300 Besucher hatte das Museum in 2017, darunter 147 Schulklassen. Die kommen auch aus der weiteren Umgebung, aus Hamburg, Berlin, München. Auch aus der griechischen Partnerstadt Vrilissia waren schon Kinder hier. Die Besuche sind allerdings längst nicht alles, was das Schulmuseum leistet. Immer wieder werden in Ottweiler Exponate angefragt. „Wir sind da im Austausch mit den großen Häusern. Aber auch für Forschungszwecke fragt man gerne in der Goethestraße an. Beispielsweise aktuell eine Saarländerin, die an der Münchner Uni eine Professur zum Thema Schulgeschichte schreibt. Woher die alle wissen, was es in Ottweiler zu holen gibt? Dafür ist Digi-Cult verantwortlich. Für den saarländischen Museumsverband war das Schulmuseum Pilotprojekt. „Fast alles ist dort mittlerweile erfasst“, freut sich Rödle. Fast alles, das sind über 5000 einzelne Objekte. Was die ebenso große Zahl von Schulbüchern, die im Museum lagern anbelangt, da macht sich gerade Heisel verdient. 3000 sind bereits gelistet. „Die kann man auch ausleihen – allerdings nur vor Ort“, sagt sie. Aktuell nutzt das Angebot eine Lehrerin des Hochwald-Gymnasiums in Wadern.

Mit solchen Tafeln dazugehörigen „Stiften“ aus Knochen haben sich schon die alten Römer Notizen gemacht (oben). Dieses Buch weiß alles — ein „orbis pictus“ von 1760.  Auf diese alte Ausgabe ist man im Museum ganz schön stolz. Erstmals herausgegeben wurde das Buch 1658. Foto: Jörg Jacobi

Ein großes Anliegen haben die Museumsleute: Wer dem Museum was geben will, bitte vorher erst anrufen. Knapp 20 Personen sind außer Rödle, Hoffmann, Heisel und Mitgründer Schiffler im Museum aktiv, als Hausmeister, Bürokraft, Reinigungskraft oder ehrenamtliche Führer. A propos Führung: Ab November bis im April, wenn wieder die Altstadt-Führungen losgehen, finden im Museum auch Führungen mit Hörkomfort statt. Zehn bis 15 Personen können mit den besonderen Verstärkern, die sonst für die Außenführungen genutzt werden, 1000 Jahre Schulgeschichte erfahren. Und wer nach dem Museumsbesuch noch nicht genug hat von den Schulen, der sollte sich die kleine Broschüre am Eingang mitnehmen und durch die Stadt spazieren, den Schulweg vorbei an den alten Schulen der Stadt.

Museumsserie - Schulmuseum Ottweiler. Foto: Jörg Jacobi. Foto: Jörg Jacobi
Mitmachstationen ziehen sich durchs komplette Gebäude. Ralf Hoffmann (links) am  Sätzepuzzle. Hans-Heinrich Rödle am Papiertheater. Foto: Jörg Jacobi
Museumsserie - Schulmuseum Ottweiler. Foto: Jörg Jacobi. Foto: Jörg Jacobi
Museumsserie - Schulmuseum Ottweiler. Foto: Jörg Jacobi

Serie Museen im Saarland: Die Saarbrücker Zeitung stellt wöchentlich ein Museum aus der Region vor. Folgende Beiträge sind erschienen: Teil 1: Interview mit Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor Weltkulturerbe Völklinger Hütte und Präsident Saarländischer Museumsverband (6. Juni), Teil 2: Saarland-Museum und Moderne Galerie (13. Juni), Teil 3: Ludwig-Galerie Saarlouis (20. Juni), Teil 4: St. Wendeler Museum im Mia-Münster-Haus (27. Juni), Teil 5: Uhrenmuseum Köllerbach (4. Juli), Teil 6: Historisches Museum Saarbrücken (11. Juli), Teil 7: Römermuseum Schwarzenacker (18. Juli), Teil 8: Saarland-Museum für Vor- und Frühgeschichte (25. Juli), Teil 9: Zeitungsmuseum Wadgassen (1. August), Teil 10: Altenkirch-Museum Rubenheim (8. August), Teil 11: Die Römische Villa Borg (15. August). Teil 12: Jean-Lurçat-Museum Eppelborn (22. August), Teil 13: Keramikmuseum Mettlach (29. August), Teil 14: Museum für Mode und Tracht Nohfelden (5. September), Teil 15: Theulegium Tholey (12. September), Teil 16: Glasmuseum Ludweiler (19. September), Teil 17: Städtisches Museum Saarlouis (26. September), Teil 18: Der Europäische Kulturpark Reinheim/Bliesbruck (2./3./4. Oktober). Teil 19: Erlebnisbergwerk Velsen (10./11. Oktober). Teil 20: Stadtmuseum Wadern (17. Oktober). Teil 21: Saarländisches Schulmuseum Ottweiler (24. Oktober). Teil 22: Heimatmuseen im Regionalverband (31. Oktober).

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