Mittelalterflair im Grünen

Dudelsackmusik lauschen, über Gaukler lachen, Bogenschießen, im Holzbottich baden: Das und vieles mehr konnte man am Wochenende beim Mittelaltermarkt, der sich erstmals Im Alten Weiher abspielte.

. "Was nicht passt, wird passend gemacht - Finger oder Ring", verspricht ein Schild an der Silberschmiede Eigen-Art. Es sind zum Glück keine menschlichen Gliedmaßen, die Janet Schmock in der Abenddämmerung bearbeitet: "Die letzte Lötung für heute", sagt die Schmiedemeisterin. Mit schneller Hand bestreicht sie das runde Medaillon und die Silberöse mit etwas Borax und bringt mit dem Lötbrenner beides zum Glühen. Das Lot schießt in die Fuge. Perfekt. Präzisionsarbeit, wie sie auch im Mittelalter nicht viel anders ausgeführt wurde.

Janet Schmock wohnt im brandenburgischen Plattenburg/Zichtow. Seit 30 Jahren im Geschäft, ist es für die Goldschmiedin der erste Ottweiler Mittelaltermarkt. Der Platz im Rhododendrongarten unter den alten Bäumen sei sehr schön, "leider war heute nicht viel los", meinte die Handwerkerin am Samstagabend. Ausgerichtet wurde der Markt von "Zeitreise Events" im Auftrag der Stadt erstmals in der Parkanlage "Im alten Weiher": "Es gab ein Problem mit den Gewerbetreibenden der Innenstadt", informierte Veranstalter Simon Heintz. Es ging dabei um die Schaufenster, welche durch die Stände verstellt gewesen seien. "Wir wurden quasi vertrieben." Neuer Ort, neues Glück? Man habe vor allem auf Qualität gesetzt, betonte Heintz. Etwa 600 Besucher honorierten das am Samstag, für Sonntag rechnete er mit der doppelten Zahl. Geboten bekamen die Gäste einiges: Man konnte zum Beispiel mit Pfeil und Bogen auf eindimensionale Wildschweine schießen, Geschichten im Hörspiel Zelt lauschen, Greifvögel streicheln, Wellness auf Mittelalterart im großen schottischen Badezuber zelebrieren oder bei einer kleinen Feldschlacht acht Kriegern beim Schwertkampf die Daumen drücken. Auch kulinarisch punkteten die Marktleute - mit lecker Speis und Trank von der Haxe übers Quarkbällchen bis zum Erdbeer- oder Kirschbier. Ganz früh hatte der Tag für Domenico von Habenichts begonnen, der daheim in Saarbrücken von 6 bis 8 Uhr morgens kiloweise süße Mandeln brannte. Gut an kam auch sein "Bärendreck" genanntes Magenbrot.

Schmiermittel für die Seele waren Songs wie "Narbenherz" oder "Es trügt der Schein", welche das Quartett Eulental mit Dudelsäcken, Laute und Trommeln begleitete.

"Wir sind jedes Jahr dabei", verriet Besucherin Edeltraut Ficher. Die "neue" Version im Grünen findet sie "nicht schlecht", wenn auch kein Vergleich zu jenem Markt in der City, als noch kein Obolus am Eingang gezahlt werden musste. Aber "fürs erste Mal war es schon richtig gut". Am besten gefallen haben Edeltraut Fischer die Musik und jener ulkige Gaukler, der Stunden lang quasi ohne Ermüdungserscheinungen mit Feuerbällen und -stäben spielte. "Die Hanffladen waren auch gut", ergänzt ihr Begleiter.

Franziska Thomes meinte: "Es ist schon schön hier, aber für das Geld zu wenig." Angekündigt seien 40 Stände gewesen, gezählt habe sie deutlich weniger. Vergessen war die Kritik beim nächtlichen Festumzug mit Flöten und Fackeln - ein Rausschmeißer der netten, so gar nicht mittelalterlich-ruppigen Art.