Mit einer schnellen Faust-Nummer der Überzwerge ging Spielstark Nr. 18 klassisch-crazy und dabei höchst unterhaltsam zu Ende

Spielstark : Ein Faust für zwei und ein Preis für eine

Mit einer schnellen Faust-Nummer der Überzwerge ging Spielstark Nummer 18 klassisch-crazy und dabei höchst unterhaltsam zu Ende.

Das hat die Welt noch nicht gesehen! „Sie erleben jetzt die dramaturgische Tarnkappe in Kombination mit der fokussierten Zeitlupe.“ Wie Peter Tiefenbrunner als Chef eines kurzfristig vom Dramenterzett zum -couplet geschrumpften Theaterensembles das ankündigt, könnte einen fast so etwas wie Ehrfurcht anschleichen. Hätte Gerrit Bernstein nicht eben jene dramaturgische Tarnkappe – eine von hinten oben vors Gesicht gespreizte Hand, die signalisieren soll: Ich bin gar nicht da – schon ein paar Mal widerwillig angewandt. Ergo geriet auch diese Szene, in der Faust den Bruder Gretchens, Valentin, mit dem Schwert meuchelt, zu einer brüllend komischen Slapsticknummer.

Im Original ist Goethes Faust vier Stunden lang und 57 Rollen schwer. Autor Albert Frank dampft ihn auf 80 Minuten und das absolut notwendigste Personal ein – eine theatralische Kampfansage, die nur von zwei mimischen Allround-Genies im Turbo-Gang zu meistern ist. So geschehen im Schlosstheater, wo das 18. Theaterfestival Spielstark mit „Fast Faust“ zünftig endete.

Eigentlich hätte Bob Ziegenbalg den André spielen müssen – krankheitsbedingt musste er seiner kongenialen Vertretung Tiefenbrunner von der leider nicht allzu dicht besetzten Tribüne aus zusehen. Voller Spielleidenschaft und -laune und mit stupender Wandlungsfähigkeit setzte das Duo die Komik des Stückes um: Tiefenbrunner als grantelnder Regisseur und – etwa als Faust - von sich selbst am meisten überzeugter Mime, Gerrit Bernstein – „unser Heiner“ – sowohl als kecker Mephisto, ironisch gebrochener, lispelnder Wagner, als auch in der Rolle des blond bezopften Gretchens. Im fliegenden Wechsel spielten sie die Zuschauer fast schwindelig, changierten mit sparsamst eingesetzten Kostümen und Requisiten von einer Rolle in die nächste – ein gar köstlich-kalauernder Klassik-Spaß.

Es waren „ausnahmslos sehr eindrucksvolle und zugleich völlig unterschiedliche Stücke“, die die Jury in diesen zwei Wochen Theaterfestival zu sehen bekam. Das betonte Jury-Mitglied Klaus Gerhardt bei der finalen Preisvergabe. Es sei „keine einfache Aufgabe“ für ihn und seine vier Mitstreiter gewesen, einen Sieger zu finden. Letztlich fiel die Wahl auf Schauspielerin Atischeh Hannah Braun und ihr Stück über Malala Yousafzai, die bisher jüngste Friedensnobelpreisträgerin. Geboren 1997 „am falschen Ort zur falschen Zeit, irgendwo in Pakistan, unter der grausamen Herrschaft der Taliban“, hatte sie als Mädchen eigentlich keine Zukunft. Bildung ist dort Männersache. Doch Malala begehrte dagegen auf, was zu einem Attentat führte, das sie schwer verletzt überlebte.

Bei der Aufführung ihres Stücks „Ein Mädchen wie Malala – oder: Ein Stift und ein Blatt Papier können die Welt verändern“ (Regie: Ingrid Badie Massud) fragte Atischeh Hannah Braun die anwesenden Neuntklässler, ob sie gern zur Schule gehen. Die Antworten reichten von „Keine Ahnung“ bis „Würde lieber zu Hause bleiben.“ Doch dann tauchte Malala auf und machte klar, dass freie Meinungsäußerung genauso wie das Recht auf Bildung alles andere als selbstverständlich und Lernen dürfen im Übrigen überaus kostbar ist. „Das alles wird grandios gespielt und umgesetzt von einer Schauspielerin, die sich mühelos in verschiedenen Rollen bewegt, authentisch und überaus glaubhaft….“, heißt es unter anderem in der Begründung der Jury.

„In einer Welt, in der für Kinder und Jugendliche oft nur mediengepuschte, inhaltsleere Vorbilder in Frage kommen“, haben Atischeh und Malala den Schülern die Augen geöffnet. „Herzlichen Dank für dieses wunderbare Theaterstück und diese kostbare Botschaft“, schloss Klaus Gerhardt und überreichte zusammen mit seinen „Kollegen“ Maria Pelzer, Björn Flackus, Dagmar Wiltz und Dietmar Kempf den mit 1000 Euro dotierten vierten Ottweiler Theaterpreis.

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