Mehr Leben für die Innenstadt

Die Innenstädte sind im Kommen, glaubt Markus Tressel. Unter dem Motto „Ich kauf in Ottweiler“ hatten die Grünen zu einer Info-Veranstaltung mit dem Bundestagsabgeordneten in den Zwinger eingeladen.

. Es ist noch gar nicht so lange her, da konnte man in Ottweiler Musikinstrumente kaufen. Man konnte unter Dutzenden Sorten losen Tees wählen, aktuelle Bestseller in die Hände nehmen und beim Durchblättern entscheiden, ob man sie kaufen will, Schönes und Nützliches aus Bernstein entdecken, Uhren reparieren lassen und und und. Glaubt man Markus Tressel, Bundestagsabgeordneter der Grünen und Sprecher für Tourismuspolitik und ländliche Räume, waren die Menschen hinter diesen Angeboten möglicherweise einfach nur ihrer Zeit voraus. Prophezeit er doch "eine Renaissance der Innenstädte". Und das nicht ohne Grund, wie Tressel einer kleinen, handverlesenen Gruppe Interessierter im kuschelig-winzigen Nebenraum des Zwinger-Restaurants darlegte.

Doch erst einmal nannte er Zahlen und Fakten, die belegen, dass und warum Innenstädte immer mehr veröden. Hochrechnungen zufolge wird der Einzelhandel von 2012 bis 2020 bis zu 30 Prozent Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Was viel mit dem demografischen Wandel und veränderten Kaufgewohnheiten zu tun hat. Dazu passt, dass die Bäckerei Schaefer Ende des Jahres die Filialen im Schlosstheater und in Hirzweiler wegen Unrentabilität schließen muss, wie Claudia Schaefer bedauernd mitteilte. "Der Edeka hatte früher 1000 Kaufkunden am Tag, heute sind es 300 in der ganzen Innenstadt."

Doch es gibt Hoffnung. Denn, so Tressel, alles wandelt sich, angefangen vom Mobilitätsverhalten: "Das Fahrrad wird wichtiger", kaum jemand wird in Zukunft noch weite Wege zum Einkaufen fahren wollen. Dass die Gesellschaft altert, hat für Kleinstädte wie Ottweiler ebenfalls Vorteile: "Viele Ältere verkaufen ihr Haus und ziehen in die Innenstädte", erklärte der gelernte Jurist, der aus einer Bouser Metzgerei-Familie stammt. Chancen sieht Tressel in Multifunktionalität, wie sie in Stadtteilen Berlins längst gelebt wird: "Einkaufen plus Wohnen plus Kultur und Bildungsangebote." Wichtig sei auch die Aufenthaltsqualität: "Es muss sauber sein, schön und sicher." Und, nicht ganz unerheblich: "Gründer und Innovation müssen ins Stadtzentrum." Was alles nur funktioniere, wenn "privates und politisches Engagement Hand in Hand gehen".

Ein erster Schritt wäre in jedem Fall schon mal, das wertzuschätzen, was da ist: Diese einzigartige Kulisse der historischen Ottweiler Altstadt einerseits und das immer noch breite Angebot an Gastronomie, Handel und Dienstleistung andererseits. Denn noch kann man sich in der alten Residenzstadt die Haare schneiden und eine Brille anfertigen lassen.

Man kann lernen, wie man Cupcakes backt, man wird hervorragend beraten im Fachhandel, ob Sport, Spielzeug oder Mode. Man kann handwerklich gebackene Brötchen und elektrische Geräte kaufen, sich mittelalterlich ausstatten oder für die eigene Hochzeit, täglich frische Biolebensmittel kaufen oder Schuhe reparieren lassen. Bis jetzt noch.