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Märkte im Kreis Neunkirchen: Mehr als Obst, Gemüse und Fleischwaren

Märkte im Kreis Neunkirchen : Mehr als Obst, Gemüse und Fleischwaren

Die Stammkunden schätzen die familiäre Atmosphäre und das frische Angebot auf dem Ottweiler Markt.

Ein Wochenmarkt ist mehr als eine Einkaufsgelegenheit. Wie sehr er Teil des sozialen Lebens ist, zeigt sich an diesem Samstagmorgen an einem Textilstand auf dem Ottweiler Rathausplatz. Die Frau hinter dem Tisch hat gerade einer 82 Jahre alten Ottweilerin eine Bluse verkauft. Zwei ebenfalls schon betagtere Damen kommen vorbei und grüßen freundlich. Alle sind per Du. Eine der Frauen drückt der Händlerin aus Saarlouis etwas Geld in die Hand, bedankt sich und geht weiter - ohne etwas mitzunehmen. Die Textilverkäuferin klärt den neugierigen Zeitungsmann auf: „Sie hatte vor Kurzem kein Geld mehr, um sich etwas zu essen zu kaufen. Ihre kleine Rente war noch nicht auf dem Konto. Ich habe ihr etwas geliehen.“

Es ist frisch am Morgen, das kleine Marktrund in Ottweiler vom Pauluseck über den Rathausplatz zum Schlosshof hat viele Löcher, oder umgekehrt nur eine überschaubare Zahl an Ständen. Gemüse, Oliven & Schafskäse, Fleisch & Wurst, Bekleidung, Taschen & Gürtel - das Angebot ist schnell überblickt. Und dennoch ist es in der historischen Altstadt gemütlich und heimelig. Die Käuferschar ist größtenteils im gesetzten Alter. Man kennt sich, sowohl über den Tresen hinweg als auch unter den Marktbesuchern. Hanne Lang wohnt in der Stadt und bestätigt den Eindruck: „Ich kaufe hauptsächlich samstags hier ein. Ich hoffe dann, auch jemanden zu treffen.“ Und es sind nicht nur Ottweiler, die hier ihre Einkäufe machen. Eine Frau aus St. Wendel erzählt, da bei ihr zu Hause nur donnerstags Markt sei, komme sie mit ihrem Partner lieber samstags nach Ottweiler. „Das machen wir eigentlich immer“, sagt die 56-Jährige. Frischere Lebensmittel, vieles aus der Region - man müsse die kleinen Anbieter auch unterstützen. „Ich fände es schade, wenn das verloren geht“, sagt die Frau mit Blick auf die wenigen Stände, die an diesem Novembertag in der Altstadt aufgeschlagen sind. Sie selbst habe lange in Tübingen gelebt. Dort habe es drei Mal die Woche Markttreiben gegeben.

Wie auf anderen Märkten in der Region ist auch in Ottweiler die Melancholie nicht fern. Herbert Welsch steht mit seinem üppigen Gemüseangebot seit über drei Jahrzehnten hier. „Vorher war mein Onkel hier, Hansi Welsch.“ Es sei ja nicht mehr viel, meint der Mann. Er sieht das Interesse am Markt mit frischen Produkten schwinden. Die Lebens- und Essgewohnheiten der Menschen hätten sich verändert, im Sommer verkaufe man noch Pflanzen, da sei etwas mehr los als jetzt in der kalten Jahreszeit. In Ottweiler sei nicht mehr viel los, die Geschäfte zögen raus aus dem Zentrum, das nehme auch die Kundschaft weg. „Ich mache das noch bis zur Rente“, sagt er lakonisch. Mit 62 Jahren ist die Sache für ihn absehbar. Seine Tochter ist mit am Stand. Sie ist noch Schülerin, will Abitur machen. „Ich bin schon als kleines Kind mit auf den Markt“, erzählt sie. Aber wenn sie die ganze Arbeit sieht, die für ihre Eltern dahinter steht, ist es nicht ihr Ziel, den Laden zu übernehmen. Zugleich sei der Gedanke daran, irgendwann aufzuhören, „schon traurig.“ Da fällt ein großer Teil der Woche weg.

Am Olivenstand von Massud Kerimi packt Kurt Schütz seinen Plastikbehälter aus. Er kaufe eigentlich immer in St. Wendel auf dem Markt bei Kerimi. Da er ihn diesmal verpasst hat, ist er kurzerhand nach Ottweiler gefahren. Kerimi freut sich über das Kompliment. Es gibt bei ihm erst einmal eine Runde Oliven zum Probieren. Sein treuer Kunde stammt aus Ottweiler, lebt heute in Dörrenbach im Kreis St. Wendel. Kerimi ist mit dem Geschäft in der Stadt ganz zufrieden. Sicher, im Sommer sei deutlich mehr los, aber „es geht, es geht“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. Mit frischen Eiern in der Tasche ist auch Klaus Gerhardt unterwegs. Auch das Ottweiler Stadtratsmitglied betont den gesellschaftlichen Aspekt des Markttreibens. Immerhin habe die Stadt das Marktrecht schon 1552 von Kaiser Karl V erhalten. „Wir wollen unseren Markt behalten“, betont der Kommunalpolitiker. Im Sommer seien die Parkplätze rundum dicht, der Markt in der Stadt sei ein Zentrum, das auch Leute von außerhalb anziehe. Als sich vor längerer Zeit Anwohner wegen fehlender Durchfahrtsmöglichkeiten an den Markttagen beklagt hatten, gab es eine Bürgerversammlung im Feuerwehrgerätehaus. „Die Leute standen die Treppen hinunter, so groß war das Interesse. Das Votum war eindeutig pro Wochenmarkt.“

Ein kleiner, feiner Markt, mittwochs und samstags von 8 Uhr bis um die Mittagszeit, auch die Ottweiler Stadtverwaltung will ihn halten. Dafür haben Bürgermeister Holger Schäfer und sein Vorgänger Hans-Heinrich Rödle schon gemeinsam den Kochlöffel geschwungen, Bands spielten, um mehr Menschen anzuziehen. Letztlich ist es das Kaufverhalten der Bürger, das die Überlebenschancen des Marktes bestimmt. Die alten Damen, für die der Markt mehr als eine Einkaufsgelegenheit ist, würden ihn sicher gerne noch lange behalten.