1. Saarland
  2. Neunkirchen
  3. Ottweiler

Martin Schedler aus Ottweiler gewinnt Extremlauf

Extremsport : 58 Kilometer laufen – und danach ein Spaziergang

Martin Schedler aus Ottweiler hat zum achten Mal über die Lang-Distanz beim RAG Hartfüssler Trail gewonnen.

„Etwas nervös bin ich schon. Es ist eine sehr starke Konkurrenz am Start und keiner weiß im Corona-Jahr so richtig, wo er steht“, sagt Martin Schedler aus Ottweiler im Stadtwald in Saarbrücken. Es ist Sonntagmorgen kurz vor 7 Uhr. In wenigen Minuten beginnt der 58 Kilometer lange 9. RAG Hartfüssler Trail. 200 Teilnehmer sind am Start. Alle haben Masken an bis es losgeht und starten wegen Corona in kleineren Gruppen und in Drei-Minuten-Abständen. Martin Schedler hat den Hartfüssler Trail in Saarbrücken bereits sieben Mal gewonnen. Er ist der Favorit. Läuferinnen und Läufer aus ganz Deutschland, Frankreich und der Schweiz sind am Start. „Wir sind vor zwei Tagen angereist. Wir freuen uns, dass wenigsten ein paar Läufe in diesem Jahr stattfinden“, sagt Tanja Volm, die mit ihrem Mann aus der Schweiz ins Saarland kam, um das schöne Gruben- und Halden-Flair während des Laufes zu genießen. 58 Kilometer am Sonntagmorgen laufen und dabei noch die Gegend genießen – für viele scheint das unvorstellbar. „Das macht richtig Spaß und ist ein tolles Erlebnis. Es geht nicht darum, schnell zu sein“, versichert Martin Simon aus Saarbrücken. Er läuft seit fünf Jahren diese ultralangen Läufe. „Ich bin in den Alpen einen Marathon gelaufen und das hat mir so gut gefallen, dass ich mehr von solchen Läufen wollte“, berichtet der 58-Jährige. Für Martin Schedler geht es allerdings schon auch um die Zeit. Er will gewinnen – und das möglichst schnell.

An zwei Tagen richtete der Verein Hartflüssler am vergangenen Wochenende seinen 9. Lauf aus. Am Samstag ging es über 14 Kilometer (180 Teilnehmer) und am Sonntag über 58 (200 Teilnehmer) und über 30 Kilometer (330 Teilnehmer). „Normalerweise haben wir noch eine 7,5 Kilometerstrecke und eine Nordic Walking Strecke. Die haben wir wegen Corona weggelassen. Wir sind mit 40 von unseren 100 Mitgliedern im Einsatz“, erklärt Hendrik Dörr, der Vorsitzende des Vereins. Um Punkt sieben Uhr machten sich die 200 Läufer auf die 58-Kilometer-Strecke. Und für Schedler lief es wie am Schnürchen. Nur zwei Läufer konnten das Tempo des Ottweilers zunächst mitgehen. Doch einen konnte Schedler bei Kilometer 25 abschütteln und den anderen bei Kilometer 39. „Ich hatte während des ganzen Laufes keine Krise und hatte sogar Zeit, um das wunderschöne Panorama zu genießen. Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut laufen würde“, sagte der 39-Jährige, als er nach 4 Stunden und 47 Minuten als Erster ins Ziel kam.

Martin Simon war zu diesem Zeitpunkt noch mehr als zwei Stunden auf der Strecke – und trotzdem zufrieden. „Es war klasse und es lief super. Vor der Halde Lydia war ich aber kurz geschockt. Dort wurde die Strecke geändert und es ging nach 45 Kilometern fast kerzengerade nach oben. Das war ziemlich anstrengend“, berichtet Simon. Tanja Volm aus der Schweiz kam nach 6 Stunden und 7 Minuten ins Ziel und freute sich über den 1. Platz bei den Masters-Frauen. Alle drei zusammen hatten nach 58 Kilometern ein breites Grinsen im Gesicht, unterhielten sich mit anderen Läufern und zeigten überhaupt keine Anzeichen von Erschöpfung. „Wenn du ins Ziel kommst und bist völlig ausgepumpt, hast du etwas falsch gemacht. Es geht um das Laufen an sich. Allerdings braucht man dazu auch das richtige Training“, erklärt Simon, der am Mittag noch etwas mit seiner Familie unternahm. Martin Schedler ging mit seiner Familie spazieren und Tanja Volm machte sich mit ihrem Mann wieder auf den Weg in die Schweiz. Alle drei waren seit vier Uhr in der Früh auf den Beinen und hatten einen 58-Kilometer-Lauf zurückgelegt. Und irgendwie scheint so ein Ultralauf für die drei dann doch das Normalste der Welt zu sein.