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Grundschule Lehbesch
Märchenhaftes aus Tausendundeiner Nacht

Für die Musical-Fassung von „Kalif Storch“ hatten sich die Viertklässler der Grundschule Lehbesch im Ottweiler Schlosstheater mächtig ins Zeug gelegt. Das Publikum war begeistert.
Für die Musical-Fassung von „Kalif Storch“ hatten sich die Viertklässler der Grundschule Lehbesch im Ottweiler Schlosstheater mächtig ins Zeug gelegt. Das Publikum war begeistert. FOTO: Anja Kernig
Ottweiler. Im Ottweiler Schlosstheater führten die Viertklässler der Grundschule Lehbesch das Märchen vom Kalif Storch als Musical auf. Von Anja Kernig

„Mein Mausebärchen, wo bist du?“, gurrt der imposante Turbanträger (Sachar Petrov) von seiner Sänfte herunter. „Das ist der unglaublich dicke Sultan. Ich soll ihm eine Geschichte erzählen“, instruiert Scheherazade (Amelie Allenbacher), ein Versteck suchend, das Publikum. Eintausend Mal war sie ihm schon zu Diensten, „jetzt fällt mir nichts mehr ein“. Doch der Sultan findet sein Mausebärchen und nötigt die wunderschöne Sklavin, ihm auf den Seidenpolstern Geschichte Nummer 1001 zu erzählen. „Sonst ...“ grinst der gemeine Kerl und macht eine eindeutige Handbewegung am Hals. Also improvisiert Scheherazade: „Es war einmal eine Stadt aus purem Gold. Da regierte ein freundlicher Kalif. Die Leute liebten ihn und seinen Großwesir, denn er war gütig und lachte furchtbar gern.“ Zu schön um wahr zu sein? Genau! Denn „...dann sind die bösen Mächte leider nicht mehr fern“.


Wow! Schon der Auftakt im Schlosstheater hatte es in sich. Doch das Beste daran war: Mit genau diesem Witz, Esprit und einer unglaublichen Spielfreude ging es die ganze Vorstellung weiter. Mit ihrem „Kalif Storch“, einer von Uwe Heynitz adaptierten Musical-Fassung des gleichnamigen Märchens von Wilhelm Hauff, haben die 26 Mädchen und Jungen aus den Klassen 4.1 und 4.2 unter Leitung von Susanne Müller einen Volltreffer gelandet. Aller zwei Jahre bringt die Grundschule Lehbesch ein Stück auf die Bühne. Wobei der Aufwand immens sei, wie Rektorin Sylvia Beaurepére mit Blick auf Gebühren, Zeit und Mühe betont. Ohne Herzblut und viele Helfer und Sponsoren ist so etwas jedenfalls nicht zu stemmen. Besonders zu erwähnen sind Uschi Nawrath Emmler, die für die Kostüme und das Bühnenbild im Stil eines orientalischen Marktplatzes zu Fußen des schillernden Palastes zuständig war, sowie Danny Jung für die akustische Bearbeitung und Betreuung der Technik. „Es war nicht immer einfach“, meinte die Schulleiterin rückblickend auf die während des ganzen Schuljahrs laufenden Proben. Aber „die Kinder haben dabei was fürs Leben gelernt“. Dass es sich nämlich durchaus lohnen kann, Durststrecken durchzustehen und die Zähne zusammenzubeißen.

Das, oder vielmehr die Schnäbel, mussten auch der Kalif und sein Großwesir, die mittels eines Zauberpulvers Storchgestalt erlangten. Dummerweise vergaßen sie über einem Lachanfall das Zauberwort „Mutabor“ und konnten sich nicht mehr zurückverwandeln. Hilfe nahte schließlich in Form einer kleinen Eule, deren Tipp zur Spionage beim Widersacher Kaschnur den gewünschten Erfolg zeitigte. Alle wurden wieder menschlich, die Eule zur Prinzessin Ajdina (Lena staub). Heiratsantrag. Happy End. Plus vier Zugaben. Mitwirken war übrigens völlig freiwillig. „Da muss eine Leidenschaft
fürs Theaterspielen da sein“, begründete das Sylvia Beaurepére. „Zwang wäre kontraproduktiv.“ Gut möglich, dass dies ursächlich für die großartige Leistung war.



In Erinnerung bleiben werden garantiert Kalif Chasid (Daniel Zimmer) und sein Großwesir Mansor (Tim Nöll), die sich gegenseitig die Stichworte wie Bälle zuwarfen und unbeeindruckt von den 400 Augenpaaren, die ihnen folgten, herzerfrischend rumalberten. Man müsste eigentlich jeden nennen, die musikalischen Störche (Amira Strempel, Oliver Mai und Paul Koch), die eine irre Polka tanzten, den Zauberer Kaschnur (Stina Schröder), der, die Rockermähne ekstatisch schüttelnd, auf der Luftgitarre abrockte, oder den so weisen wie halbnackten Selim (Jordan Favia), der immer wieder für Lacher sorgte. Wie meinte Sylvia Beaurepére gerührt am Schluss: „Ihr habt uns alle verzaubert. Ihr Kinder ward wunderbar!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.