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Boedecker-Kreis
Ottweiler Schüler geben der Lyrik eine Chance

Schauspieler lesen den Schülern an der Anton-Hansen-Schule politische Lyrik vor und beziehen sie mit ein.
Schauspieler lesen den Schülern an der Anton-Hansen-Schule politische Lyrik vor und beziehen sie mit ein. FOTO: Foto: Katja Strauß-Zeller
Ottweiler. An der Anton-Hansen-Schule lasen Schauspieler des Theaters Überzwerg aus Saarbrücken mit den Schülern lyrische Texte.

„Gebt der Lyrik eine Chance!“ So formuliert Reinhold Rolser, Schauspieler am Theater Überzwerg, das Anliegen, das er und sein Kollege Gerrit Bernstein mit dem „Erlebnis Lyrik“ verbinden. In Zusammenarbeit mit dem Friedrich-Bödecker-Kreis bieten sie Schulen an, politische Gedichte, die saarlandweit in diesem Schuljahr verbindliches Prüfungsthema sind, lebendig vorzutragen und Zehntklässlern dadurch eine besondere Begegnung mit einem schwer zugänglichen Thema zu ermöglichen. 33 Gedichte zu Themen wie Krieg, Tod, Hungersnot, aber auch Demokratie und freie Meinungsäußerung trugen die beiden Schauspieler auf eine lebendige und anschauliche Art vor, inszeniert als Verhör mit nur zwei Schreibtischlampen auf einem Tisch in einem abgedunkelten Raum. Dass die Schüler dabei aktiv miteinbezogen wurden und zum Beispiel im Chor sich wiederholende Zeilen mitsprechen sollten, kam bei vielen gut an.


„Ich finde es gut, dass Politik nicht nur im Fach Gesellschaftswissenschaften ein Thema ist, sondern auch in Deutsch. Es ist wichtig, dem verbreiteten Desinteresse unter Jugendlichen auf verschiedene Arten entgegenzuwirken“, sagt Domenik, Schüler der Klasse zehn, der gerne über das aktuelle Geschehen auf dem Laufenden ist. Sein Mitschüler Robin stimmt ihm da gleich zu: „Im normalen Politikunterricht kommen Themen oft etwas trocken rüber. Wenn aber Politik mit Satire zusammen in Gedichte verpackt wird, hat man einen besseren Zugang dazu.“ Auch Leon findet interessant, dass Kunst schon lange als Medium zur freien Meinungsäußerung dienen kann.

Rolser und Bernstein waren zwar zunächst skeptisch, als sie hörten, dass sie den Schülern ausgerechnet politische Lyrik näherbringen sollten, sind jedoch beide der Überzeugung, dass der Inhalt der Texte nach wie vor gültig ist, wie es in der Pressemitteilung heißt. „Die Texte, die teilweise 300 Jahre alt sind, sind auch heute noch aktuell – immer noch gibt es Krieg und damit verbundenes Leid, nur damals war es gefährlich, mit solchen Themen an die Öffentlichkeit zu gehen“, erklärt Rolser. Um den Schülern zu zeigen, wie sehr Lyrik auch ihren Alltag eigentlich prägt, verweist er auf die Musik und Lieder gerade auch deutschsprachiger Sänger, die die Jugendlichen tagtäglich hören. Dennoch freut er sich schon auf das „Erlebnis Lyrik“ im nächsten Jahr, denn dann steht Erich Kästner auf dem Lehrplan.