Kunst im Turm

Ansichten aus dem Ort, darunter auch der Turm selbst, waren am Sonntag im Alten Turm in Fürth zu bewundern. Erstmalig fand dort beim 21. Turmfest eine Kunstausstellung statt. Lioudmila Kotchneva zeigte 23 Bilder.

Seit mehr als 600 Jahren steht er nun schon in fast unveränderter Form an seinem Platz - einem alten Keltenplatz - und hat allen Widrigkeiten getrotzt: der Alte Turm, um dessen Geschicke sich der Heimat- und Kulturverein Fürth liebevoll kümmert. Jetzt, auf seine alten Tage, startet das Fürther Wahrzeichen noch einmal eine neue "Karriere" als Galerie. Zwar hatte das spätgotische, in Bruchsteinmauerwerk ausgeführte Bauwerk schon manche Ausstellung beherbergt. Allerdings waren das zumeist Dokumentationen gewesen. Die erste "richtige" Kunstausstellung konnte man am Sonntag anlässlich des 21. Turmfestes besichtigen.

Befestigt an Kupferrohren, präsentierte Lioudmila Kotchneva im urigen Ambiente des Turminneren 23 Bilder in Öl sowie einige Miniatur-Aquarelle. Die in St. Petersburg geborene Künstlerin, die schon in Brasilien und Finnland ausgestellt hat, lebt seit 1994 in Fürth und war damit die erste Wahl für diese Premiere. Dient ihr doch die neue Heimat als Inspirationsquelle und Motivgeberin. "In meinen Bildern findet sich die einfache Schönheit einer Landschaft oder eines alten, in sich ruhenden Hauses. Sensationen sind nicht angesagt, Interpretationen nicht notwendig", sagt sie selbst über ihre Arbeiten. Zu sehen gab es etliche Ansichten aus dem Ort, darunter auch den Turm selbst, die von den Besuchern, Holzstufe für Stufe erklimmend, mit Freude entdeckt wurden. Am liebsten malt Lioudmila Kotchneva Stillleben mit selbst gepflückten und arrangierten Wiesenblumen, auch davon gab es einige zu bewundern. Eigen ist der Künstlerin dabei ein sehr farbenfroher, naturalistischer Stil: "Ich male so, wie ich die Welt sehe." Beruflich im kaufmännischen Bereich tätig, gibt die Neufürtherin ihr Wissen und ihre Erfahrungen seit 18 Jahren als Dozentin der Kreisvolkshochschule weiter.

"Wir wollten neue Themen in den Turm bringen, um vielleicht auch mal andere, jüngere Leute anzusprechen", erklärte Willi Wern, Vorstandsmitglied des gastgebenden Heimatvereins. Als "relativ alte Truppe" sorge man sich mangels Nachwuchs schon etwas um die Zukunft, verriet Wern. So stelle die Ausrichtung des kleinen, gemütlichen Festes am Fuße des Turmes mittlerweile einen nicht unbedeutenden Kraftakt dar. Den man aber nicht zuletzt dank der tatkräftigen Unterstützung der Ehefrauen gut meistere.

Und nicht nur das: Eingeweiht werden konnten am Sonntag auch die neuen Foto-Tafeln im Erdgeschoss des Turmes. Auf ihnen hat der Heimat- und Kulturverein die Geschichte des Turmes informativ und optisch ansprechend zusammengefasst. Als Dauerausstellung bleiben die Tafeln nun vor Ort.