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Kunst als Form der Nächstenliebe

Kunst als Form der Nächstenliebe

Vorurteile abbauen und gegenseitige Akzeptanz fördern, das möchte eine Gemeinschaftsausstellung syrischer und deutscher Künstler. Eröffnet wurde der „Dialog der Kulturen“ am Donnerstag im Landratsamt Ottweiler im Beisein vieler Vertreter der engagierten Flüchtlingshilfe im Landkreis.

"An hellen Tagen, Herz welch ein Schlagen. Fa la la", tönte es Donnerstagabend fröhlich durch die weit geöffneten Fenster des Historischen Sitzungssaals in die Wilhelm-Heinrich-Straße. Mit diesem alten italienischen Tanzlied von Giovanni Giacomo Gastoldi eröffnete der deutsch-syrische Chor mit dem herrlichen Namen "An die Freude" unter Leitung von Osama Fathy die Vernissage zu einer ganz besonderen Ausstellung.

Wieder hell sind die Tage für Omar, Khaled und Reham erst seit Kurzem. Mitte des vergangenen Jahres fand die Odyssee der beiden Brüder und der jungen Frau, die alle drei aus Daraa in Syrien stammen, in Deutschland ein glückliches Ende. Heute leben sie in Kirkel und tun das, was sie am liebsten tun: sich mit Kunst kreativ zu äußern. Ihre Arbeiten gehören zum "Dialog der Kulturen" im Landratsamt.

Tatsächlich entwickeln die Exponate ein Wechselgespräch - untereinander und mit dem Besucher. Omar und Khaled Al Mouqdad geben mit "Faces of us" den Helfern, die sie in Limbach mit offenen Armen empfangen haben, mit Text und Bild Gesicht und Stimme. Reham Al-Nojoom zeigt unter anderem eindrucksvolle Gemälde zwischen Schönheit und Schmerz. Zu den Dreien gesellen sich Nour Jaafar mit seinen Gemälden sowie Ralf Jenewein und Astrid Hilt mit Skulpturen in Holz und Stein.

"Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen", zitierte Landrat Sören Meng in seiner Begrüßung Altmeister Goethe. Womit Kunst auch Kulturen verbindet. Meng dankte zum einen den Künstlern für ihren Mut, "den es kostet, anderen etwas von sich preiszugeben". Zum anderen dankte der Landrat den Initiatoren der Ausstellung, der IG Metall Saarbrücken und der Arbeitskammer des Saarlandes, für die die Arbeiten der Künstler jenseits ihres künstlerischen Wertes vor allem eines sind: ein Zeichen für ein weltoffenes, willkommen-heißendes Deutschland. "Mich begeistert dieser Ansatz", betonte Meng, "denn Kunst macht uns alle gleich".

Thomas Otto, Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer, erinnerte daran, dass im Schatten der Willkommenskultur auch ein negatives Stimmungsbild wächst und gedeiht: "Viele Menschen haben Angst", benannte Otto die Hauptursache. Angst um ihre Existenz, um ihre Zukunft. "Aber kann man die eigene Angst über die Not der anderen stellen?" Ganz ohne war es auch für Bildhauerin Astrid Hilt nicht, als sie den Flüchtlingen das erste Mal gegenüber stand, erinnerte sie sich in ihrer emotional mitreißenden Ansprache. Heute sind die damals Fremden Mitglieder ihrer Familie, sie arbeitet und singt mit ihnen und empfindet für dieses künstlerische und menschliche Miteinander eine große Dankbarkeit. "Kunst ist Liebe", erklärte ihr Kollege Nour Jaafar, der aus Damaskus stammt und seit 14 Jahren im Saarbrücken lebt. "Wir wollen unsere Liebe mit euch teilen."

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Auf einen Blick Zu besichtigen ist die Ausstellung bis 19. August im Landratsamt Ottweiler , Wilhelm-Heinrich-Straße 36. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 8.30 bis 18 Uhr, der Eintritt ist frei. Ab 26. September wird der "Dialog der Kulturen" dann in der Landesvertretung in Berlin zu Gast sein. nig