Krippen aus dem Knast

St. Wendel. Die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem, fromme Szenen mit Maria und Josef und romantische Landschaften auf der einen Seite, unzählige Straftaten, Gerichtsverhandlungen und düstere Zeiten hinter Gittern auf der anderen. Passt denn so etwas zusammen? Wer sich das fragt, sollte in diesen Tagen einmal die St. Wendeler Volksbank besuchen

St. Wendel. Die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem, fromme Szenen mit Maria und Josef und romantische Landschaften auf der einen Seite, unzählige Straftaten, Gerichtsverhandlungen und düstere Zeiten hinter Gittern auf der anderen. Passt denn so etwas zusammen? Wer sich das fragt, sollte in diesen Tagen einmal die St. Wendeler Volksbank besuchen. Dort wird er die Antwort auf seine Frage erhalten. Und sie wird vermutlich positiv ausfallen, denn im Schalterraum werden Krippenarbeiten ausgestellt, die Häftlinge der Justizvollzugsanstalt (JVA) Ottweiler unter fachkundiger Anleitungen in Handarbeit gefertigt haben. "Kunst im Knast" heißt die Ausstellung, die in der Volksbank noch bis zum 15. Dezember zu sehen ist. Manfred Kost, der Leiter der JVA, erzählte bei der Eröffnung am Mittwochabend etwas von der Arbeit der Gefangenen, von denen keiner anwesend war. "Sie können sehr kreativ sein, obwohl sie eine dunkle Zeit hinter sich haben", sagte Kost. "Wenn man diese Krippen betrachtet, dann muss man sich erst einmal vergegenwärtigen, dass sie durch die Hände derer gelaufen sind, die Straftaten begangen haben. Aber wir wollen mit diesen Menschen arbeiten, die uns anvertraut sind." Der Krippenbau sei ein Bestandteil der therapeutischen und künstlerischen Maßnahmen, die in der Anstalt angeboten werden. Finanziell wird der Bau von Krippen durch den Förderverein für Kunst und Kultur im saarländischen Strafvollzug unterstützt. An diesen Verein fließen auch die Erlöse aus dem Verkauf. Darüber hinaus werde den Häftlingen eine breite Palette von Fortbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten bis hin zu Schul- und handwerklichen Berufsabschlüssen angeboten. Auch das Arbeiten in der Küche oder in der Wäscherei sei eine ganz normale Beschäftigung. "Alles das gehört zu unseren Bemühungen, die Rückfallquote zu senken, die im Moment noch bei etwa 70 Prozent liegt", sagte Manfred Kost.Vielseitige LandschaftenZentrales Element der neun im Schalterraum ausgestellten Krippen sind die Figuren, die von vielseitigen Landschaften umgeben sind. Dominant ist die saarländische Bergmannskrippe mit Förderturm, Waschhaus, Kirche und drei mit Kohlen gefüllten Kippwägelchen. Die Geburtsszene ist in einen Tagebaustollen verlegt. Tief verschneit zeigt sich die Krippe aus dem Schwarzwald mit ihren zwei Mühlrädern. In einer übergroßen mit Stroh gedeckten Scheune lebt die heilige Familie in der Krippe aus Niedersachsen. Neben der Winzerkrippe von der Mosel steht einladend eine Weinstube. Mit vielen Bäumen ist die Hochwaldkrippe umgeben, die gut als Blockhütte zu erkennen ist. In der oberbayerischen Krippe dominieren die hübschen barocken Figuren. Krippen aus dem Rheinland, aus dem Fichtelgebirge und aus Bayern ergänzen diese sehenswerte Ausstellung, deren Exponate gekauft werden können.