| 19:06 Uhr

Straßenmusik
Konkurrenz in allen Ecken der Altstadt

Elisa Kirsch wurde Preisträgerin bei der Jugend.
Elisa Kirsch wurde Preisträgerin bei der Jugend. FOTO: Carolin Merkel
Ottweiler. Die Juroren bei den 15. Ottweiler Straßenmusiktagen brauchten offene Ohren und gutes Schuhwerk. Dreimal zogen sie am Samstagabend rund, ehe sie ein Urteil fällten. Die Preisträger gaben da nochmal eine kleine Zugabe. Von Carolin Merkel

Auf einem kleinen, orientalischen Teppich hatten es sich Aline Caroli aus Ottweiler und Lukas Belser aus Walsheim gemütlich gemacht. Bewaffnet mit Gitarre, Cajon und Blockflöte waren sie als Duo Aluk Carbel auf Bühne zehn am Pauluseck angetreten, um sich ihr Publikum zu erobern. Mit georgischen Stücken, die sie von einer Reise mitgebracht hatten, unterhielten sie die Zuhörerschar. Ganz leicht war die Aufgabe, das Publikum am Samstagabend zu fesseln, zugebenermaßen nicht, die Konkurrenz in allen Ecken der Ottweiler Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen und kleinen Plätzen groß.


Angefangen von klassischem Gesang über Banjo-Musik bis hin zur mitreißenden Performance einer Rockgruppe, die Auswahl an Musikrichtungen war riesig. Mal wurde es ganz schön laut, mal beherrschten die leisen Töne die Auftritte, allein der Geschmack des Publikums entschied über die Größe der Menschentrauben, die verweilten. Auch bei Aluk Carbel blieben immer mehr Zuhörer stehen und belohnten das Paar mit viel Beifall.

Der war der Lohn der Mühen für alle Teilnehmer bei der inzwischen 15. Auflage der Straßenmusiktage. Denn, das betonte Ideengeber und Moderator des Abends, Hermann Brunnecke, ein Honorar wird keinem der antretenden Musiker in Ottweiler gezahlt. Das müssen sich die Musikerinnen und Musiker erst einmal erarbeiten, neben den zahlreichen Besuchern, die am Samstag in Scharen in die Altstadt strömten, vor allem auch die Jury von ihrem Können überzeugen. Die hatte neben offenen Ohren auch über ein gutes Schuhwerk zu verfügen, ging es gleich dreimal am Abend durch die komplette Altstadt, immer die Musik auf den insgesamt zehn Bühnen im Blick und im Gehörgang. Bereits nach der ersten Runde absolut von den Leistungen begeistert zeigte sich Horst Friedrich, zum zweiten Mal als Jurymitglied mit dabei.



„Es ist einfach die besondere Atmosphäre, die das Festival ausmacht. Und ich habe heute schon mehrere rohe Diamanten erlebt, bei genauem Hinhören erkennt man sehr viele junge Talente“, sagte der Musikfachmann.

Mit ihm auf den Weg gemacht hatte sich Chorleiterin Lena Schwarz, sie vertrat das weibliche Geschlecht in der Jury. „Ich finde, heute kann man richtig gut erleben, wie ehrliche Straßenmusik gemacht wird“, schwärmte sie. Ein paar Minuten Zeit hatten die beiden bei Sängerin Elisa Kirsch vor dem Modehaus Rennwald, dann ging es weiter in Richtung Gasthaus zur Sonne. Dort zeigten die vier Musiker der Gruppe Balon aus Schmelz, wie man dem Publikum richtig einheizt. Derweil hatte eine Gruppe, die gleich in der ersten Runde am Start war, schon ihre Instrumente eingepackt. Dass die Bühne am Zwinger nicht nur ihnen großes Glück bringen würde, konnten weder Rainer Andler und seine beiden Mitstreiter von Capricorn noch Jürgen Brill von der humorvollen Gruppe Brillant erahnen. Vielleicht verriet der immense Zulauf zum malerischen Innenhof, in dem es kaum noch einen Stehplatz zu ergattern gab, dass hier Favoriten aufspielten. Dichtes Gedränge herrschte am späten Abend an der Bühne vor dem Alten Rathaus. Da waren die Instrumente und Stimmen für einen Moment verstummt, die Spannung vor dem Ergebnis vor allem bei den Teilnehmern spürbar. Neben den beiden saarländischen Teilnehmern durfte auch die irische Gruppe Giff Gaffy jubeln.

Bejubelt wurde von den Zuhörern dann die kleine, überaus abwechslungsreiche Kostprobe der drei Preisträger, ehe sich das Straßenmusikfestival ins nächste Jahr verabschiedete.