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Klinik der Marienhaus-Unternehmensgruppe in Ottweiler vor Schließung

Kostenpflichtiger Inhalt: Aus wirtschaftlichen Gründen : Klinik in Ottweiler vor der Schließung

Marienhaus-Unternehmensgruppe plant Umzug der medizinischen Fachabteilungen bis Ende 2021 nach St. Wendel.

Spekulationen und Gerüchte, dass sich die christliche Marienhaus-Unternehmensgruppe von ihrem Krankenhausstandort in Ottweiler verabschieden will, machen bereits seit Monaten die Runde. Besorgte Kommunalpolitiker in der 15 000 Einwohner zählenden Stadt wurden zuletzt im Dezember in einer Ratssitzung mit dem Hinweis, es gebe keine Beschlusslage für die Schließung der Klinik in der Hohlstraße, vertröstet. Eine Standortgarantie wollte Dr. Klaus-Peter Reimund, Chef der Marienhaus GmbH, damals aber ausdrücklich nicht abgeben. Aus gutem Grund. Denn nach zuverlässigen Informationen unserer Zeitung laufen hinter den Kulissen der Gesellschaft bereits intensive Planungen, die Klinik aus wirtschaftlichen Gründen bis Ende 2021 zu schließen.

Aktuell wird demnach an einem sogenannten „Medizinplan“ gefeilt. Die medizinischen Abteilungen, Innere Medizin (Schwerpunkt Kardiologie), Chirurgie (Schwerpunkt Gefäßchirurgie), operative Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Anästhesie, sollen von Ottweiler an das St. Wendeler Marienhaus verlagert werden. Dieses Konzept, das auch den Umzug medizinischer Großgeräte beinhaltet, soll bis Ende März fertig sein. Auf dessen Basis wird, so war zu erfahren, anschließend ein Zeitplan für den Umzug und die Eingliederung in die St. Wendeler Klinik (derzeit 248 stationäre Betten in sieben Fachabteilungen) erstellt. In St. Wendel zählen 738 Beschäftigte (insgesamt 241 Vollzeitstellen) zur Marienhaus-Belegschaft. Am Standort Ottweiler mit etwa 150 Planbetten arbeiten 365 Mitarbeiter (241 Vollzeitstellen). Sie sollen nach St. Wendel wechseln.

Ein Sprecher der Marienhaus-Gruppe, die zu einer von der Ordensgemeinschaft der Waldbreitbacher Franziskanerinnen gegründeten Stiftung gehört, wollte diese Pläne „weder kommentieren, noch dementieren“. Fakt ist, dass das Vorhaben bereits wiederholt in Mitarbeiterkreisen thematisiert wurde. Die Belegschaft soll in diesen Tagen informiert werden.

Zudem stehen beide Krankenhäuser gemeinsam mit der Klinik St. Josef (Neunkirchen-Kohlhof) im Verbund Saar-Ost bereits unter der gemeinsamen kaufmännischen Leitung von Rainer Kropp. Auch die ärztlichen Direktoren Dr. Martin Bier und Dr. Robert Liszka sind für alle drei Standorte in der Verantwortung. Zuletzt wurden der Ottweiler Chefarzt Dr. Patrick Müller-Best und sein Neunkircher Kollege Dr. Vincent Zimmer zusätzlich zu Chefärzten der Inneren Medizin in St. Wendel berufen.

Das Klinikum in Ottweiler gehörte bis 2008 dem Landkreis Neunkirchen, wurde dann von der Marienhaus-Gruppe übernommen. In dem riesigen Komplex mit teilweise über 100 Jahre alter Bausubstanz und mehreren Anbauten gibt es einen großen Investitionsstau. Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling (CDU) erklärte auf Anfrage, dem Ministerium sei kein Beschluss des Klinikträgers bekannt, das Haus in Ottweiler zu schließen. Im aktuellen Krankenhausplan sei der Standort bis 2025 berücksichtigt. Ein Finanzgutachten gehe dort von millionenschweren Sanierungsbedarf aus. Kolling: „Wir haben zur Kenntnis genommen, dass der Träger bislang keinen Antrag auf Sanierung und entsprechende Zuschüsse des Landes gestellt hat.“

Ein Konzept für die Weiternutzung der Immobilie in Ottweiler existiert wohl noch nicht. Die Krankenhaus-Schließung soll offenbar nach dem Modell Dillingen folgen. Dort wurden die Abteilungen 2019 nach Saarlouis verlegt. Zuvor war bereits der Standort Wadern geschlossen worden. Zur Marienhaus-Gruppe gehören 14 Krankenhäuser, davon im Saarland die Kliniken St. Wendel, Ottweiler, Neunkirchen, Saarlouis und Losheim. Für Losheim gibt es bis 2022 eine Bestandsgarantie.