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Kinder gegen die Sucht stark machen

Kinder gegen die Sucht stark machen

Ottweiler. Blitzschnell greift Jonas Guth nach den Bausteinen, denn er will so viele Figuren wie möglich bauen, bevor die Zeit abgelaufen ist. Zögerlich gehen ein paar Hände nach oben, als Pascal Dörr von der Polizeibezirksinspektion Neunkirchen fragt, wer denn schon einmal Alkohol probiert hat

Ottweiler. Blitzschnell greift Jonas Guth nach den Bausteinen, denn er will so viele Figuren wie möglich bauen, bevor die Zeit abgelaufen ist. Zögerlich gehen ein paar Hände nach oben, als Pascal Dörr von der Polizeibezirksinspektion Neunkirchen fragt, wer denn schon einmal Alkohol probiert hat. Sichtlich geschockt sind die Mädchen, als sich die Hauptdarstellerin eines kurzen Films mittels ihres Fingers mehrfach erbricht. Unterschiedlicher können die Szenen eines Vormittages wohl kaum sein und doch verbindet sie alle eins: Zur ersten Suchtpräventionswoche starteten an den Ottweiler Bildungseinrichtungen gestern Morgen zahlreiche Veranstaltungen, Vorträge, Projekte, Ausstellungen oder einfach nur spielerisches Erleben, die allesamt aufklären, und laut der Initiatoren noch viel wichtiger, stark machen sollen. "Wir kommen nicht in die Schule, um mit erhobenem Zeigefinger vor etwaigen Folgen Angst zu machen. Wir wollen aufklären und mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen", erklärte Pascal Dörr. Er informierte mittels Präsentation und Film die Jungen und Mädchen der Klassenstufe acht über die Gefahren, die Alkoholkonsum mit sich bringen kann. Da bereits ab 14 Jahren Jugendlichen der Konsum von Bier und Wein in Begleitung Erwachsener erlaubt ist, haben schon einige Jugendliche in dieser Klassenstufe erste Erfahrungen gemacht. Aus seinem Berufsalltag weiß er, dass die Jugendlichen immer jünger und der Missbrauch von Alkohol immer extremer wird. Ebenso wie Birgit Schmidt-Sersch, Biologielehrerin an der Erweiterten Realschule Ottweiler und zugleich Ernährungsberaterin wünscht er sich, dass sich die Erwachsenen ihre Vorbildfunktion bewusst machen. Sie war am Vormittag für ihre Schülerinnen Ansprechpartnerin zum Thema Essstörungen. Zunächst einmal erarbeitete sie mit den Mädchen des achten Schuljahres, was sie unter zu dünn, zu dick, was sie als schön oder gesund verstehen. Der Film "Dick und Dünner" von Claudia Boysen erzählte eine einfühlsame Geschichte zweier junger Menschen, deren Gewicht völlig aus dem Ruder geraten ist. "Natürlich spielt auch das Elternhaus eine Rolle, denn viele Menschen ernähren sich immer ungesunder und greifen zu Fertigprodukten. Das ist für die Jugendlichen dann ganz schwierig," so Schmidt-Sersch. Zu gerne mit ins Boot genommen hätte auch Christine Eisenbeis, Lehrerin an der Grundschule Neumünster, die Eltern. "Mir wäre es wichtig, gerade die Eltern mit dem Thema zu konfrontieren. Denn Computerspiele können sehr früh süchtig machen. Und was nutzt es, wenn im Regal die schönsten Brettspiele stehen, aber keiner sie mit den Kindern auch gespielt", so Eisenbeis.