Kein Sitzplatz im Bus

Kreis Neunkirchen. 86 Jahre alt ist Herbert Jung aus Lautenbach und zu 100 Prozent behindert, teilt er mit. Ein eigenes Auto habe er nicht mehr in Betrieb, er sei den Vernunft-appellen an ältere Autofahrer gefolgt, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Dabei packt den Lautenbacher Senior aber mitunter der Frust

Kreis Neunkirchen. 86 Jahre alt ist Herbert Jung aus Lautenbach und zu 100 Prozent behindert, teilt er mit. Ein eigenes Auto habe er nicht mehr in Betrieb, er sei den Vernunft-appellen an ältere Autofahrer gefolgt, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Dabei packt den Lautenbacher Senior aber mitunter der Frust. Er müsse trotz seines Alters und seiner gesundheitlichen Handicaps im Bus oft stehen - bis zur Hanauer Mühle, wenn er von Neunkirchen komme, beklagt Jung. Für Behinderte sei kein Platz reserviert, es stehe auch kein jüngerer Fahrgast auf, schildert SZ-Leserreporter Jung seine Erfahrungen. "Wir Alten sind heute Schrott", so seine bittere Schlussfolgerung.Lassen wir Höflichkeit und Mitgefühl jüngerer Zeitgenossen, was das Anbieten eines Sitzplatzes im vollbesetzten Bus betrifft, mal dahin gestellt. Längst umgesetzt ist aber Herbert Jungs Wunsch, "ein bis zwei Sitzplätze zu reservieren" für Leute wie ihn. "Die beiden Sitze hinter dem Fahrer sind für Schwerbehinderte reserviert und das ist auch gekennzeichnet", bestätigt Gerhard Schmidt, Technischer Leiter der Neunkircher Verkehrsgesellschaft. Wenn dort "normale" Fahrgäste säßen, müssten sie den Platz für Inhaber eines Behindertenausweises räumen. Wenn sie dies nicht tun, oder wenn der behinderte Fahrgast sich nicht durchsetzungsfähig genug fühle, könne er die Hilfe des Busfahrers in Anspruch nehmen, versichert Schmidt.

Als Möglichkeit bleibt Rentnern eventuell auch, fahrgast-ärmere Zeiten zu nutzen. Denn dass die Linie 304, die Herbert Jungs Strecke bedient, so voll ist, das Leute stehen müssen, kann sich der Technische Leiter nur zu Spitzenzeiten, etwa bei Schulschluss, vorstellen. gth