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Kaum noch Strom aus der Steckdose

Kaum noch Strom aus der Steckdose

Das Wirtschaftsministerium hat ein Jahr lang den Erwerb von Stromspeichern für die heimische Solaranlage finanziell unterstützt. Jürgen Matthes aus Ottweiler ist einer der Pioniere, die an dem Programm teilnehmen. Eine schwarze Null schreiben und der Umwelt helfen – das war für ihn ausschlaggebend.

Jürgen Matthes sitzt auf seiner schattigen Terrasse. Es ist 10 Uhr, die Morgensonne brennt schon satt vom Himmel. So ist es dem Rentner am liebsten. Die Solaranlage auf dem Dach seines Ottweiler Hauses kommt jetzt richtig auf Touren. Der Strom, den sie produziert, geht dabei nicht nur direkt in den Hausverbrauch oder ins öffentliche Netz, im Keller steht auch eine große Batterie, die Energie sammelt. Matthes ist einer von rund 300 Saarländern, der an dem Energiespeicher-Förderprogramm des Wirtschaftsministeriums teilnimmt. Stromproduzent ist der 65-Jährige erst seit Ende vergangenen Jahres. Photovoltaik-Anlage und Lithium-Ionen-Speicher waren zusammen eine Investition von rund 25 000 Euro. Die Förderung ist zweigleisig: Neben dem Geld über das Programm des saarländischen Ministeriums bezieht der Ottweiler Bürger einen günstigen Kredit bei der KfW-Bank.

Im Keller des Hauses läuft die Waschmaschine. Ein paar Schritte weiter steht der Energiespeicher auf dem Boden. Die Batterie ist so groß wie eine Umzugskiste. An der Wand hängen zwei Kästen, die das Ganze steuern. Um sich die technischen Daten anzuschauen, muss der 65-Jährige aber nicht die Treppenstufen nach unten nehmen. Nach dem kurzen Blick auf die Anlage erläutert er auf der kühlen Terrasse an seinem Smartphone, was seine Anlage bringt. 4,2 Kilowattstunden (kWh) Strom sind an diesem Morgen schon produziert, die Batterie ist zu 43 Prozent gefüllt. Mit der Solaranlage von 8,3 Kilowatt Spitzenleistung (32 Module) hat Matthes im August 1106 kWh Strom produziert. Auf dem Display seines Smartphones lassen sich die Energieströme über die tägliche Kurzmitteilung der Solarfirma genau verfolgen. Ein Beispiel: Am 31. Oktober stammten von 14,7 kWh Tagesbedarf knapp 3,9 kWh vom Stromanbieter, 6,6 kWh gingen direkt vom Dach in die Verbrauchsgeräte des Hauses, weitere 4,2 kWh flossen in die Batterie. Die gibt den eingespeisten Strom wieder ab, wenn vom Dach zu wenig kommt. Wie lange ein voller Speicher hält, hängt ganz von den angeschossenen Gerätschaften ab.

Matthes Smartphone zeigt farbig abgesetzt, wie sich die Batterie am Abend beim Strombedarf zuschaltete und in den frühen Morgenstunden wieder an den Bezug vom Energieanbieter abgab.

80 Prozent seines Verbrauchsstromes selbst zu produzieren, hat für Matthes einen wirtschaftlichen und einen ökologischen Aspekt. Investitionskosten auf der einen und Einsparung/Stromverkauf auf der anderen Seite, erläutert er, halten sich beim aktuellen Strompreis ungefähr die Waage. Das Thema hatte ihn schon länger interessiert, aber erst mit niedrigen Zinsen und Förderung war für ihn der passende Zeitpunkt gekommen. "Man muss sich natürlich ein bisschen für die Umwelt interessieren", sagt der Rentner: "Es gibt Leute, die keine Atomkraft wollen, aber darüber hinaus kommt bei ihnen der Strom aus der Steckdose und damit ist es gut." Er hat im Haushalt mit seiner Partnerin jetzt 80 Prozent Strom-Autarkie erreicht. Das heißt, von seinem Energielieferanten bezieht er nur noch 20 Prozent in Vergleich zu dem, was er in seinem persönlichen Vor-Solar-Zeitalter eingekauft hatte.

Um diese 80 Prozent Selbstversorgung zu erreichen, müsse man aber auch "mitdenken", sagt Matthes. Das heißt: Die Waschmaschine läuft, wenn die Sonne scheint, auch das Kochen wird in die hellen Stunden des Tages gelegt. Und wenn der Geschirrspüler am Abend voll ist, kann der Spülgang auch bis zum nächsten Vormittag warten. Wenn man dabei gemütlich auf der Terrasse sitzen kann, ist das ja auch in Ordnung.