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katja Bohlander-Sahner las in Mainzweiler in der Kirche

Lesung in Mainzweiler : Katja Bohlanders Helden sind ganz nah

Die Autorin erklärte bei ihrer Lesung in Mainzweiler, dass ihr Roman durchaus auch im selben Ort spielen könnte.

Der Verein Mainzweiler Gemeinschaftshaus hatte unter dem Motto „Kultur in der Kirche“ zu einer Autorenlesung in die ehemalige evangelische Kirche eingeladen, wie Stefan Blasius für den Verein in einer Pressemitteilung schreibt. Florian Kunz vom Veranstalter zeigte sich hocherfreut über die Resonanz auf die erste Kulturveranstaltung während der Pandemie. Sie soll der Auftakt zu einer Reihe weiterer Veranstaltungen im einstigen Gotteshaus oder im benachbarten Gemeinschaftshaus sein. In die Freude über den Anfang mischte sich aber auch Wehmut, denn die steigenden Inzidenzen könnten die kulturelle Bereicherung in Mainzweiler ins Stocken bringen, so Kunz.

Die aus Mainzweiler stammende Autorin Katja Bohlander-Sahner las aus ihrem beachtenswerten Roman „Vom Schwimmen in freien Gewässern“. Zunächst skizzierte die seit etwa 20 Jahren in Hirzweiler beheimatete Autorin den Inhalt des Romans und verriet etwas über ihre Motivation zu schreiben. Ein bequemer Lesesessel mit Lampe, daneben ein flauschiger weißer Läufer bilden die Kulisse. Das Vorlesen sei sie gewohnt, erzählt die Autorin auf dem gemütlich hergerichteten Podest. Ihren inzwischen acht und zwölf Jahre alten Kindern habe sie früher oft Geschichten vorgelesen.

Jetzt liest sie einem erwachsenen Publikum ihre eigenen Geschichten vor. Zwei ihrer Hobbys, das Schwimmen und Italienreisen, verarbeitet sie in ihrem bereits im letzten Jahr veröffentlichten Werk.

Sie erzählt darin vom Protagonisten Rolf, 59, Witwer, der in Hirzweiler lebt, viel schwimmt und sich nicht vorstellen kann, sich nach dem tragischen Unfalltod seiner Frau jemals wieder zu verlieben. Aber genau das passiert, als er die viel jüngere Elaine kennenlernt, die seine Alltagsroutine gehörig durcheinanderwirbelt und ein Geheimnis hütet.

Im weiteren Verlauf der Lesung erfährt das Publikum, dass „Vom Schwimmen in freien Gewässern“ kein reiner Liebesroman sei. In einer zweiten Handlungsebene steht Rolfs Sohn Jerôme im Blickpunkt, der nach einem Vorfall, der sein Leben verändert, mit 16 von zu Hause ausreißt und sein Glück in Italien zu finden versucht. Das Publikum hat sichtlich Vergnügen, als sie schildert, wie sich Jerôme am Illinger Bahnhof mit dem Fahrrad nach Süden aufmacht, zunächst noch mit unbekanntem Ziel. Das Ende verrät die Autorin natürlich nicht, nur so viel: Am Schluss werden beide Handlungsstränge zusammengeführt. Was trieb den Jungen von zu Hause fort, kehrt er wieder zu seiner Familie zurück und hat die Beziehung zwischen Rolf und Elaine trotz des großen Altersunterschiedes eine Zukunft?

Um dies herauszufinden, hatten die Gäste nach der Lesung die Möglichkeit, den Roman zu erwerben, den die Autorin auf Wunsch gern signierte. Dabei plauderte die Autorin, dass der Roman zwar in Hirzweiler spiele, aber die Ereignisse sich genauso gut in Mainzweiler hätten zutragen können.

Aufgelockert wurde die Lesung mit schwarzem Kaffee, allerdings nicht in flüssiger Form. Das Jazzquartett Black Coffee lieferte in den Lesepausen den passenden Soundtrack. Textlich oder stimmungsvoll fügten sich die zurückhaltenden Stücke in Katja Bohlander-Sahners Lesehäppchen ein. Nach einer nachdenklichen Passage erklang auch mal der Blues.

Am verkaufsoffenen Sonntag am 1. Advent wird Katja Bohlander-Sahner in St. Wendel bei Bücher Bastuck in der Dom-Galerie von 14 bis 17 Uhr ihren aktuellen Roman „Wiesbacher Sinfonie“ signieren. Inzwischen habe sie bereits mit dem nächsten Roman begonnen, verrät die emsige Autorin.