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Jugendliche unterwegs zu Gott

Schiffweiler. Über sechs Stationen wanderten die Teilnehmer des ökumenischen Jugendkreuzwegs im Dekanat Illingen, von Schiffweiler nach Ottweiler. Die religiösen Impulse an den einzelnen Stationen wurden von den Jugendgruppen gestaltet. Anja Kernig

. "Gott, sperr' die Ohren auf, ich sage dir, was alles ungerecht ist." Freitagnachmittag in der katholischen Kirche Schiffweiler . Etwa 40 Jugendliche und ein paar Erwachsene sitzen vorn im Kirchenschiff. Die Frühlingssonne dringt durch die bunten Fenster herein und taucht die Szene am Altar in goldenes Licht. Hier beginnt der ökumenische Kreuzweg der Jugend, den das Dekanat Illingen alljährlich veranstaltet. 2015 führt der Fußmarsch von Schiffweiler nach Ottweiler . Sechs Stationen wird es geben, gestaltet von Jugendgruppen des Dekanats.

Die Mitglieder der katholische Jugend Schiffweiler spielen jene Szene aus den Evangelien nach, in der Jesus von Pilatus verurteilt wird. Warum war das Volk so ungerecht und hat den Mörder Barabas begnadigen lassen statt Jesus? Aus Unwissenheit, aus Verantwortungslosigkeit? Gemeinsam stimmt man "Da wohnt ein Sehnen tief in uns" an, das im Laufe des Abends noch fünf Mal erklingen wird.

17.31 Uhr: Abmarsch. Hinter dem schlichten Kreuz aus Birkenästen formiert sich der Zug. Erst geht es bergab durch den Ort, später den Naturerlebnisweg stramm bergauf, vorbei am Haselmaus-Nistkasten und Bergmannskuh Paula. Man spricht über Stress mit dem Prof, Party machen, Plastik fasten - so eine Wanderung löst die Zunge. "Soll ich wieder runter?", fragt der elfjährige Niklas seinen Träger, den sechs Jahre älteren Jens. Der meint "Nee, das geht schon" und erinnert dabei ein wenig an Christophorus, den Jesusknaben auf seinen Schultern tragend. Oben auf dem Strietberg wartet schon Dekanatsreferent Reiner Klein am Fuße des vierten Windkraftrads, dessen gigantische Rotoren montagebereit auf dem Boden liegen. "Das nehmen wir auf uns", wählten die Illinger Pfadfinder als Motto für ihre Station. In Vorbereitung auf den Kreuzweg hatten sie beim 22-stündigen Iron-scout-Lauf 2014 in Bad Orb mitgemacht. "Der Unterschied zwischen Jesus und uns? Wir haben die Strapazen freiwillig auf uns genommen."

Weiter quer übers Feld, hinunter zum Wilhelmsteich. Langsam verabschiedet sich die Sonne, Vögel stimmen ihr Abendlied an. Die jungen Männer vom Weihrauchcafe Eppelborn erörtern, was es heißt, etwas "mitzutragen". Etliche Schweiß treibende Höhenmeter weiter ist man schon in Ottweiler , bald schlägt es 19 Uhr. Am Friedhof ergreifen die Konfirmanden der örtlichen evangelischen Kirche das Mikro. "Das sehen wir", lautet ihr Credo, sie zeigen ein Foto einer gewöhnlichen Häuserfassade. "Es sieht aus wie tausend andere Häuser auch", bekräftigt Luca. Aber was steckt eigentlich dahinter? In diesem Ottweiler Gebäude wohnen zurzeit sechs junge, unter 18-jährige Männer aus Afghanistan und Äthiopien, erzählt Lea und Mette fordert: "Lasst euch nicht nur von dem leiten, was ihr im ersten Moment seht."

Leer liegt die Wilhelm-Heinrich-Straße, hinter einem Schaufenster wird Kampfsport geübt. In der katholischen Kirche haben die Messdiener ein "Heimspiel", sie "fühlen mit". Nur noch ein paar Katzensprünge, draußen ist es längst dunkel und kalt, und die Pilgergruppe betritt die evangelische Kirche. Was jetzt noch fehlt, ist Trost: "Nichts kann uns aus der Liebe Gottes holen", betonen die Merchweiler und Wemmetsweiler Messdiener. Ein Vaterunser, ein letztes Lied, dann beginnt der gemütliche Teil im Gemeindehaus.