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Im und um den Käfig nix als Narren

Im und um den Käfig nix als Narren

Für die Narren ist die Welt jetzt so richtig in Ordnung. Gestern standen sie auch in Ottweiler im Mittelpunkt des Stadt-Geschehens. Vormittags tagte das erbarmungslose närrische Gericht, abends wurde die Verwaltung restlos entmachtet.

Alleh hopp! Ottweiler ist seit gestern in den Händen der Narren. Viele "Weiber", einige in Hexen- und Kätzchenkostümen, und auch männliche Faasendboozen feierten am Fetten Donnerstag ausgelassen. Erst ging es im Schlosstheater rund, am Abend trieben es die Narren dann ziemlich toll vorm und im Ottweiler Rathaus.

Der jüngste Feierwütige war Luke Wilhelm. Der sechs Tage alte Junge ist erst vergangenen Samstag auf die Welt gekommen. "Ich wollte eigentlich zur Prunksitzung, aber lag dann mit Wehen im Krankenhaus", erzählte seine Mutter Daniela Wilhelm lachend. Sie ist selbst aktiv Fastnachterin bei Saarlands ältesten Karnevalsverein, den Ottweiler "So war noch nix".

Bürgermeister Holger Schäfer musste sich am Vormittag dem närrischen Gericht stellen. Zuvor wurde der als Zirkusdirektor eingekleidete Rathauschef den Faasenachtern auf dem Vorplatz des Schlosstheaters zur Schau gestellt. Auch die übrigen Rathausmitarbeiter kamen im Zirkusoutfit - an Giraffen, Zauberern und Clowns fehlte es an diesem Morgen nicht. In einem blauen Käfig wurde der Bürgermeister vom Rathaus bis zum närrischen Gericht gekarrt, wo sich Schäfer vor den Richtern Gnadenlos, Fallbeil und Schlagmichtot verantworten musste. Er wurde unter anderem des Facebook-Missbrauchs angeklagt. Schäfer würde bei Facebook ständig nur an Events teilnehmen, deren Erreichbarkeit im Unmöglichen liege. "Wir vermuten, dass Sie sich beamen", scherzte Richter Gnadenlos. Und auch noch andere Straftaten gehen auf Schäfers Kosten. "Die Dame in ihrem Vorzimmer wird immer dünner, daher sind wir der Auffassung, dass sie ihr die Süßigkeiten wegfuttern", witzelte Ralf Thilmany, Richter Gnadenlos. Außerdem habe Schäfer, trotz seines einschlägigen Namen, die Schafe im Rathaus nicht alle im Griff. "Mit den Roten haben Sie noch etwas zu kämpfen", so Thilmany. Der Bürgermeister gelobte Besserung und wurde auf ein Jahr Rathaus auf Bewährung verurteilt.

Auch ein Schreiber der Saarbrücker Zeitung musste sich vor dem närrischen Gericht behaupten. SZ-Mitarbeiter Andreas Detemple wurde unter anderem beschuldigt, während der Fastnachtszeit die Saarbrücker Zeitung und nicht die Großmaul-Zeitung gelesen zu haben. Außerdem solle er mehr über die "So war noch nix" berichten.

Bei der Stadterstürmung am gestrigen Abend war neben dem ältesten Karnevalsverein des Saarlandes - der "So war noch nix" - auch die KV Bürgergarde Ottweiler (BGO) mit von der Partie.

Fotos vom Rathaussturm in Neunkirchen