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"Ihre Leistungen sind unbezahlbar"

"Ihre Leistungen sind unbezahlbar"

Zum Dank und als Anerkennung für langjährige Pflege und Betreuung überreichte Sozialministerin Monika Bachmann jetzt im Landratsamt zwei Frauen und zwei Männern die Pflegemedaille des Saarlandes.

Ein roter Teppich wäre angemessen gewesen. Aber das hätte mit Sicherheit keiner der vier Personen gewollt, die im Historischen Sitzungssaal des Landratsamtes Ottweiler am Mittwoch von Sozialministerin Monika Bachmann mit der Pflegeme daille geehrt wurden. Derart im Rampenlicht zu stehen, ist ihre Sache nicht. Dabei dienen gerade sie der Gesellschaft in ganz besonderem Maße: "Ihre Leistungen sind unbezahlbar", betonte die Ministerin. "Pflegen, betreuen, umsorgen, das ist ihnen eine Herzensangelegenheit, oft rund um die Uhr."

Hausherr Sören Meng stellte die Bedeutung einer kompetenten Betreuung unserer älteren und gebrechlichen Mitmenschen heraus: "Sie gehört zu den großen Aufgaben unserer Zeit", gerade weil heute "Starke mehr Aufmerksamkeit erfahren als Schwache". Mit Blick auf den demografischen Wandel gewinne das Thema an Brisanz: "31 000 Einwohner in unserem Landkreis sind über 65 Jahre alt und brauchen jetzt oder in naher Zukunft Unterstützung im Alltag." Wobei der Verbleib in der vertrauten häuslichen Umgebung der Wunsch fast aller Betroffenen ist, betonte der Landrat.

Um das Augenmerk noch stärker auf den Einsatz pflegender Angehöriger zu lenken, zeichnet die Landesregierung herausragendes ehrenamtliches Engagement mit der Pflegemedaille aus. 39 Personen wurden bereits so geehrt, fünf weitere kamen am Mittwoch hinzu, als erster Gustav Dzewior aus Neunkirchen. Der 67-Jährige betreut seine Ehefrau Ute seit 14 Jahren. Die an Alzheimer erkrankte Frau ist ganz auf die Hilfe und Unterstützung ihres Mannes angewiesen. Er musste sein Leben völlig neu organisieren und frühzeitig mit erheblichen Abschlägen in Rente gehen. Vorgeschlagen hatte Dzewior einer seiner beiden Söhne.

Ganze 55 Jahre pflegt Anita Recktenwald aus Uchtelfangen nun schon ihre Tochter Heike. Seit einer Pockenimpfung im Alter von elf Monaten ist Heike schwer behindert, sie kann nicht sprechen und kaum gehen. Wirklich sicher und geborgen fühlt sich Heike nur zu Hause. Dass sie dort bleiben kann, hat sie bis zum Tod ihres Vaters vor drei Jahren ihren Eltern und jetzt ihrer Mutter zu verdanken. Ministerin Bachmann erinnerte Anita Recktenwald eindringlich daran, sich selbst nicht zu vergessen: "Sie müssen sich Auszeiten holen, auch sie brauchen das."

Selbst schon 76 Jahre alt, kümmert sich Anton Rothbrust aus Illingen seit 15 Jahren um seine Frau Gerda. Aufgrund ihrer Lungenerkrankung ist die 73-Jährige auf ein Sauerstoffgerät und eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung angewiesen. Selbstständig kann sie nicht mehr die einfachsten hygienischen Dinge erledigen. Er meistert die täglichen Herausforderungen in Eigenregie - im 55. Jahr ihrer Ehe.

Hannelore Zägel aus Heiligenwald war 16 Jahre permanent für ihre demente Mutter da. Als diese 2013 starb, brauchte der jetzt 90-jährige Vater nach einem Schlaganfall verstärkt Zuwendung seiner Tochter, die selbst zwei Kinder hat. Die Familie wohnt unter einem Dach, was die Hilfe für den auf den Rollstuhl angewiesenen Senior etwas erleichtert. Volles Verständnis bringt Heike Zägels Ehemann für ihr Engagement auf: "Früher waren die Eltern für uns da, jetzt können wir ihnen einiges zurückgeben." Mit Erika Bernhard gibt es noch eine fünfte Preisträgerin, die aber verhindert war. Die 73-jährige Neunkircherin pflegte bis Mai ihren Lebensgefährten.