Hymne für die Garde

Beim Ottweiler Karnevalsverein So war noch nix 1847 standen zum 170-Jährigen 100 Akteure auf der Bühne des Schlosstheaters

Traditionelles, aber auch zahlreiche neue närrische Einfälle gab es im Schlosstheater in Ottweiler zu bestaunen. Eingeladen hatte der Karnevalsverein So war noch nix 1847, der in dieser Session auf 170 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken kann. Damit ist der Verein der älteste an der Saar - entsprechend groß war der Andrang vor und auf der Bühne bei der Prunksitzung.

Vereinspräsident Thomas Jahn, der als Moderator durch den Abend führte, hatte sich zunächst eine Besonderheit nicht nehmen lassen: Bevor er die mehr als 100 Aktiven auf die Bühne rief, schmetterte Jahn selbst eine Lobeshymne auf den traditionsreichen Verein. Was sich dann auf der Bühne versammelte, sprengte fast die Möglichkeiten des Schlosstheaters. Die zahlreichen Garden des So war noch nix, Büttenredner und Funkenmariechen hatten Mühe und Not, alle einen Platz auf der Bühne zu finden. Besonders ins Auge stach dabei eine alte Fastnachtstradition: Die drei überdimensionalen Schwellköpfe sind seit je her das Markenzeichen des Vereins. Umso kreativer gestaltete sich bei den Narren in der diesjährigen Session die Repräsentation des Vereins durch sein Prinzenpaar. Statt der gewöhnlichen Konstellation hatte der Verein ein Dreigestirn zu bieten, das Vereinspräsident Jahn zuvor als "Bewahrer der Ottweiler Faasenacht" ankündigte: Prinz Frank, Jungfrau Dominik und Bauer Steffen hatten bei ihrer Rede vor den Narren die Lacher auf ihrer Seite.

Die drei skurrilen Repräsentanten schwadronierten gewitzt über das hochkomplizierte Auswahlverfahren, durch das sie letzten Endes als Dreigestirn des Vereins auf der Bühne stehen durften. Behütet wurde das närrische Trio wie üblich von der Löffelgarde. Die feiert in dieser Session "zwölf mal elf"-jähriges Bestehen, was mit einer eigenen Hymne zum Rhythmus des Voxxclubs-Hits "Rock mi" bedacht wurde. Gardenmitglied Thomas Ringeisen hatte den Song eigens für das besondere Ereignis geschrieben. Jede Menge musikalische und vor allem tänzerische Unterhaltung boten auch die anderen Garden des Vereins.

Die gut gelaunten Tänzerinnen der Prinzengarde hatten sich den tosenden Applaus ihrer Zuschauer mit ihrem perfekt abgestimmten Auftritt redlich verdient. Doch auch die jüngsten Vereinsmitglieder des So war noch nix hatten sich gut vorbereitet auf ihren großen Moment. In knalligen Neonfarben stürmte die Jugendgarde die Bühne. Die 15 Tänzerinnen entführten die Narren im Schlosstheater mit 90er Jahre Popmusik und Nenas Kulthit "99 Luftballons" in die Disko - eine Rakete war ihnen nach diesem Auftritt natürlich sicher.

Mit zahlreichen Büttenreden wurden in Ottweiler auch die Lachmuskeln nicht geschont. Während Marie Thull in ihrer Rede souverän und fantasievoll darüber philosophierte, wie schwer es sein kann, die eigene Oma mit moderner Technik vertraut zu machen, trat auch Landrat Sören Meng als Büttenredner "De Landrat" in Erscheinung. Die Tollitäten des 1847 So war noch nix sorgten bei den vielen Gästen im Schlosstheater für eine ausgelassene Stimmung. Bei den zahlreichen Akteuren auf der Bühne scheinen die nächsten 170 Jahre für den Verein dann auch kein Problem zu sein.