Holger Schäfer, Bürgermeister von Ottweiler, im Interview vor seiner zweiten Amtszeit

Holger Schäfer vor der zweiten Amtszeit : Zum Tourismus-Glück fehlen Unterkünfte

Der Ottweiler Bürgermeister geht mit großer Zustimmung der Bürger in seine zweite Amtszeit.

Ottweiler hat Sie, Herr Schäfer, mit einem Traumergebnis im Amt bestätigt (71,3 Prozent bei zwei Mitbewerbern). Gehen Sie jetzt mit einem anderen Gefühl ins Rathaus?

Holger Schäfer: Selbstverständlich ist ein solches Wahlergebnis etwas Besonderes für mich. Es bestätigt meine Person und meine Arbeit. Da ich mit meiner Art und Weise weiter machen werde, ändert sich daher aber nicht das Gefühl.

Welches Projekt möchten Sie jetzt vordringlich realisieren?

Schäfer: Die vordringliche Realisierung von Projekten hängt nicht von mir persönlich ab, sondern von der Tatsache, welche externe finanzielle Unterstützung bereitgestellt wird und bis zu welchem Termin wir damit fertig sein müssen. Ich gehe davon aus, dass die millionenschweren, mit EU-Mittel geförderten Projekte wie Sanierung der Sport- und Markthalle sowie das Bahnhofsgebäude in diesem Jahr fertig werden und wir uns dann konzentriert um die Sanierung der Schulgebäude kümmern werden, da auch hier die finanzielle Förderung nur zeitlich begrenzt verfügbar ist.

Der historische Stadtkern ist sicher ein Pfund, mit dem Ottweiler wuchern kann. Ließe er sich noch besser entwickeln?

Schäfer: Ich denke, man kann immer etwas besser entwickeln. Es stellen sich dabei aber die Fragen: Wohin soll der historische Stadtkern entwickelt werden? Sind andere Projekte aufgrund der finanziellen Situation nicht wichtiger? Wie stehen die Anwohner und das Gewerbe dazu?

Hätten Sie denn eine persönliche Vorstellung, was im Stadtkern verändert werden sollte oder könnte, was ihm noch fehlt? Oder sagen Sie: Wir haben einen tollen Stadtkern mit guten Geschäften und sollten daran nicht herumexperimentieren.

Schäfer: Spontan gesagt, könnte ich mir zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität tatsächlich einen Brunnen wie in Neunkirchen auf dem Stummplatz vorstellen.

Tourismus war landauf landab vor der Kommunalwahl ein beliebter Begriff. Ist das Potenzial groß genug, dass für alle Kreis-Kommunen da etwas abfallen kann?

Schäfer: Zum Tourismuspotenzial des Landkreises Neunkirchen müsste unser Landrat eine Antwort geben. Für Ottweiler gibt es gute Ansätze. Wir können mit sanftem Tourismus wie Wandern, Radfahren und für Wohnmobilisten sicherlich einiges bieten. Es fehlt aber an Unterkünften.

Im Wahlkampf lautete ein zentraler Vorwurf an Sie, das Verwalten stünde zu stark im Vordergrund. Jetzt zeichnet sich eine Entspannung bei den Finanzen ab. Lässt Sie das auch mal überlegen, vielleicht mehr zu gestalten, als dies in den Vorjahren möglich war?

Schäfer: Das ist doch ein alter Hut. Wenn man nichts anderes findet, dann lautet der Vorwurf, man würde verwalten. Die Damen und Herren wissen genau, dass aufgrund der finanziellen Situation nicht mehr geht. Und bei mir kommt zuerst die Pflicht und dann die Kür. Wie beim Eiskunstlauf. Und dass dies die Wähler verstanden haben, zeigt ja das Wahlergebnis. Von daher kann man diesen Vorwurf als lächerlich bezeichnen und ignorieren. Es gibt keine Entspannung bei den Finanzen. Wir konnten unsere finanzielle Situation verbessern. Wir halten die Vorgaben ein und genießen so die Vorzüge weiterer finanzieller Unterstützung aus dem Kommunalpakt und demnächst aus dem Saarlandpakt.

Sie sind seit 2012 Bürgermeister Ottweilers und haben jetzt ab 1. Oktober weitere zehn Jahre vor sich. Genügt das, oder würden Sie sagen, mit dann Anfang 60 haben Sie als Rathaus-Chef „noch lange nicht fertig“?

Schäfer: Mit Ende meiner zweiten Amtszeit werde ich 61,5 Jahre alt sein. Mir stehen dann mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Was ich dann tun werde, ist für mich aber noch nicht absehbar. Lassen sie mich zunächst einmal die kommenden zehn Jahre für unsere Stadt arbeiten. Dann sehen wir weiter, ob und wie es weitergeht.

Mehr von Saarbrücker Zeitung