Herzblut für die Ölmühle Wern

Fürth. Wer über Hangard ins Ostertal fährt, kommt zwangsläufig an einem markanten Punkt der Region vorbei: Im Ottweiler Stadtteil Fürth liegt direkt an der Straße kurz nach dem Ortseingang die Ölmühle Wern, besser bekannt als "Werns Mühle". 1841 erbaut, kamen nach und nach weitere Gebäude dazu, Stallungen und ein Wohnhaus

Fürth. Wer über Hangard ins Ostertal fährt, kommt zwangsläufig an einem markanten Punkt der Region vorbei: Im Ottweiler Stadtteil Fürth liegt direkt an der Straße kurz nach dem Ortseingang die Ölmühle Wern, besser bekannt als "Werns Mühle". 1841 erbaut, kamen nach und nach weitere Gebäude dazu, Stallungen und ein Wohnhaus. Seine heutige Form hat der Gebäudekomplex bereits seit 1877. Willi Wern, dem das Anwesen zusammen mit seiner Schwester Ilse Knab gehört, stellt bereits die zehnte Wern-Generation dar, die hier lebt. Bei einem Rundgang durch die Ölmühle erläuterte er den Ablauf der Öl-Herstellung vom Schroten der Ölfrüchte Raps oder Mohn bis zum Pressen und Abfüllen. Vorwiegend Raps wurde als Ölfrucht verwendet, aber auch Mohn, und vor allem in den Kriegsjahren Bucheckern. "Wir waren in den fünfziger Jahren die größte Ölmühle des Saarlandes, wurden etwa Zulieferer des großen saarländischen Margarine-Herstellers Fauser", erzählt Wern. Pro Schicht waren etwa fünf, sechs Leute mit der Ölherstellung betraut. Die Mühle wurde im Jahr nur zwei, drei Monate betrieben - in der Zeit nach der Rapsernte. "Was die Besucher der Mühle heute zu sehen bekommen, ist in den vergangenen 100 Jahren original belassen. Wir haben bewusst auf Effekthascherei verzichtet und das Wasserrad eben nicht per Motor betrieben", so Wern. Den 64-jährigen studierten Betriebswirtschaftler plagen Sorgen um die Zukunft des Anwesens. Seit einiger Zeit schon liegt die Gastronomie dort brach. Im Jahr 2002 noch konnte man 100 Jahre Gasthaus Werns Mühle feiern. Nach dem Zweiten Weltkrieg machten Werns Eltern aus der Gastwirtschaft ein über die Grenzen des Landes bekanntes Ausflugs-Ziel. "Wir sind schon am Suchen nach einer Lösung für den Gastronomiebereich", sagte Willi Wern, dem klar ist, dass es ein schwieriges Unterfangen werden wird, im Gespräch mit der SZ. "Wir hatten es leichter als unsere Vorfahren, es gab zahlreiche Aufs und Abs. Die finanzielle Unabhängigkeit für das Anwesen haben wir nicht erreicht. Generationen haben alles getan, um den Standort zu erhalten", sagte der 64-Jährige. Man suche nach einem Partner, um Investitionen tätigen zu können. Pro Jahr besuchen 1500 bis 2000 Menschen die Mühle, und der Hausherr erzählt ihnen gerne die Geschichte des Hauses. Mit dem Tag X 1959, mit der wirtschaftlichen Rückgliederung des Saarlandes an Deutschland, hat die Mühle, die bis zu 300 Liter Rapsöl pro Tag produzieren konnte, ihren Betrieb eingestellt. Denn an diesem Tag drängten die großen Ölkonzerne natürlich auf den Markt. "Wir verwenden viel Zeit darauf, das Objekt zu halten. Die Wohnungen im Haus sind vermietet. Wäre das nicht der Fall, hätten wir ein Problem", sagt Wern. Man merkt ihm an, wie viel Herzblut da im Spiel ist. "Wenn wir irgendwann gezwungen wären, das Anwesen zu verkaufen, würde das mit einem lachenden und einem weinenden Auge geschehen. Denn wenn man sieht, dass die Arbeit Früchte trägt, das gibt mir schon etwas", sagt Wern und räumt ein: "Die Mühle ist für unsere Familie schon etwas sehr Wichtiges." Glücklicherweise habe er Menschen, die ihm bei der Erhaltungs-Arbeit helfen. Wenn's aber trotzdem irgendwann kippen würde, und das Objekt wird verkauft, würde mich das schon sehr schmerzen."