Gradlinig und bodenständig

Ottweiler. "Die Mitarbeit im Stadtrat war eine lange Zeit, ein ganzes Arbeitsleben. Doch, wenn ich zurückblicke, kommt es mir gar nicht so lange vor, sonst wären es wohl auch keine 45 Jahre geworden", erinnert sich Wilfried Hopf bei seiner Verabschiedung aus dem Amt des ersten Beigeordneten der Stadt Ottweiler

Ottweiler. "Die Mitarbeit im Stadtrat war eine lange Zeit, ein ganzes Arbeitsleben. Doch, wenn ich zurückblicke, kommt es mir gar nicht so lange vor, sonst wären es wohl auch keine 45 Jahre geworden", erinnert sich Wilfried Hopf bei seiner Verabschiedung aus dem Amt des ersten Beigeordneten der Stadt Ottweiler. Diese ehrenamtliche Aufgabe hatte Hopf seit 1984 inne, doch seine kommunalpolitische Arbeit begann schon viel früher. Bereits 1964, lange Zeit vor der Gebietsreform, saß Hopf, gelernter Schriftsetzer, im Stadtrat. Drei Bürgermeister hat er in seinen 45 Amtsjahren miterlebt und nun, nach seinem 70. Geburtstag, hat er beschlossen, dass es an der Zeit ist, aufzuhören. Viel hat sich in der langen Zeit verändert, erklärt er, gerade der Umgang miteinander habe sich stark gewandelt: "Man hatte Respekt vor der Meinung eines anderen, und der Umgang war kameradschaftlich und ehrlich. Nach der Sitzung saßen die Fraktionen zusammen beim Bier und sind nicht wie heute in die verschiedenen Wirtschaften verschwunden." Doch auch Hopfs Anfänge im Stadtrat waren nicht einfach, fand er sich anfangs in der Rolle des Zuhörers, der noch viel lernen musste: "Mein Ziel war es damals, vielleicht auch eine zweite Wahlperiode durchzuhalten. Dass daraus 45 Jahre werden sollten, daran habe ich nicht gedacht." Einige richtungweisende Beschlüsse fallen Wilfried Hopf ein, wenn er zurückdenkt. "Wir Jungen haben damals viel verhindert", erklärt er und denkt dabei an den verhinderten Abriss des alten Rathauses oder die Straßenführung der Schlossstraße, die direkt an Hesse Haus gebaut werden sollte. Weniger Glück hatte er mit dem Erhalt des letzten Ottweiler Stadttors, das, nachdem die Gelder bereits gesammelt waren, in der Nacht nach dem Ottweiler Altstadtfest zusammenstürzte und nicht mehr gerettet werden konnte. Doch nicht nur die Rettungsmaßnahmen, wie zuletzt auch die Sanierung des Wehrturms, für die sich Hopf in der Bürgerinitiative an vorderster Front eingesetzt hatte, auch Maßnahmen, die schon vor Jahrzehnten angedacht wurden, sind ihm im Gedächtnis geblieben. Vor allem auch deshalb, weil sie, wie der Bau der Augasse schon viele Jahre den Stadtrat beschäftigt haben, doch noch immer nicht realisiert wurden. Und dann fallen dem scheidenden Beigeordneten auch Momente ein, die schmerzten. "Es hat wehgetan, dass eine Handvoll Bürger und ein Gericht es verhindern wollen, dass ein großer Markt gebaut werden darf und der Einkaufstourismus in die Nachbarstädte gebremst wird." Für die jungen Ratsmitglieder kann Hopf, der durch "Gradlinigkeit, Bodenständigkeit, Gemeinsinn", wie Bürgermeister Hans-Heinrich Rödle in seiner Rede zum Ausscheiden seines Stellvertreters erklärte, ein sehr gutes Vorbild sein. Mehr Zeit für seine Familie, die trotz der vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten immer an erster Stelle stand, will Hopf jetzt haben. "Wir Jungen haben damals viel verhindert."Wilfried Hopf