Pogrom-Nacht : Gedenkfeier im Fornarohof

Die Reichspogromnacht ist nicht vergessen. 100 Menschen erinnerten sich in Ottweiler.

Dass der 9. November kein zur Beliebigkeit erstarrter Gedenktag geworden ist, bewiesen am Samstag in Ottweiler wieder gut 100 Menschen, die in den Fornarohof gekommen waren, dorthin, wo bis 1938 die Ottweiler Synagoge stand. Heute erinnert ein Gedenkstein in Form eines Davidsterns nicht nur an die Ereignisse jenes 9. Novembers, sondern auch an das jüdische Gotteshaus. Angesichts der Angriffe Rechtsradikaler auf Politiker und auf die Synagoge in Halle, sei es heute umso wichtiger, an die Verbrechen des Naziterrors von mehr als 80 Jahren zu erinnern, sagte die evangelische Pfarrerin Christina Wochnik beim Gedenken an die Pogromnacht. Beigeordneter Johannes Schmitt fragte, wie es möglich sei, dass so viele Menschen aus den furchtbaren Geschehnissen in der Zeit der Nationalsozialisten offenbar nichts gelernt hätten. Diakon Peter Munkes von der katholischen Kirche sagte, dass eine rechte Partei, deren Vorsitzender in Thüringen laut Gerichtsbeschluss als Faschist bezeichnet werden dürfe, fast ein Viertel der Wählerstimmen erreichen konnte, sei skandalös.

Die Ottweiler Bürgerinnen und Bürger gedachten der Ereignisse vor nunmehr 81 Jahren und zitierten aus der langen Liste der Restriktionen und Schikanen, denen die Menschen jüdischen Glaubens damals ausgesetzt waren. 1938 wurde den Juden jede Tätigkeit in Handel, Gewerbe, Rechtswesen und Krankenpflege verboten; ihre Reisepässe werden eingezogen; der Erhalt von neuen, mit einem „J“ versehenen Pass, wurde erschwert. Juden wurden gezwungen, ihre Vornamen mit „Sara“ beziehungsweise „Israel“ zu ergänzen.

Das Attentat eines jüdischen Jugendlichen auf den deutschen Gesandtschaftssekretär in Paris nahmen die Nationalsozialisten zum Anlass, am 9. und 10. November Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung zu organisieren. „Reichskristallnacht“ nannten die Nazis die verbrecherische Aktion. Mehrere tausend Menschen wurden in ganz Deutschland Opfer der mörderischen Übergriffe alleine in dieser Nacht, die Synagogen gingen in Flammen auf, Menschen wurden auf offener Straße ermordet. Gedenken bleibe wichtig, für alle, die diese Zeit nicht erlebt haben, und dass so etwas nie wieder geschehe, aber auch „wehret den Anfängen“, so Pfarrerin Wochnik.

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