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Schulstandort Fürth
Fürth hat einfach zu wenig Kinder

Ottweiler. Die Schule in Fürth wird kommendes Schuljahr als Nachmittagsbetreuung dienen, aber nicht komplett schließen. Von Michael Beer

Sylvia Beaurepère ist nicht zu beneiden. Die Leiterin der Ottweiler Grundschule Lehbesch steht seit Jahren vor der Situation, dass es für die Dependance der Schule in Fürth kaum noch genug Kinder gibt. Über Sondergenehmigungen blieb die Einrichtung im Ottweiler Stadtteil offen. Im kommenden Jahr wird es nun keine erste Klasse im rund neun Kilometer entfernten Fürth geben (die SZ berichtete), alle verbleibenden Kinder sollen an den Hauptstandort wechseln. Beaurepère weiß, dass darüber viele Eltern aus dem Stadtteil sehr enttäuscht sind. Das muss sie als Leiterin aushalten. Aber letztlich ist es eine simple Frage der Zahlen.



Die Lehbeschschule hat 190 Kinder, sie kommen aus Ottweiler, Fürth, Mainzweiler und Lautenbach. In der Zweigstelle unterrichten die Lehrer aktuell eine vierte Klasse mit 18 Kindern und eine zweite Klasse mit 14 Kindern. Die Anmeldezahlen für das nächste Schuljahr liegen bei 13 bis 15, sagt die Leiterin. Ganz fix ist das nicht, es gibt Kann-Kinder – die vom Alter her nicht unbedingt eingeschult werden müssen – und Ausnahmeanträge – wenn Eltern aus wichtigen Gründen nicht am zuständigen Standort bleiben können. Aber für eine Klasse seien es nach derzeitigem Stand zu wenige, so viel steht fest: Wenn es keine erste Klasse in Fürth gibt und die Viertklässler dann im kommenden Sommer ihre Grundschulzeit beenden, bliebe nur noch eine Klasse im Gebäude. Das erlaubt das Ministerium nicht. Deshalb soll die verbleibende Klasse an den Hauptstandort nach Ottweiler wechseln. Beaurepère betont: „Im Moment spricht man nicht davon, den Standort Fürth zu schließen, sondern die Dependance ruht.“ Und das ist nicht nur eine sprachliche Feinheit. Würde Fürth schließen, erläutert sie, könne es dort keine Nachmittagsbetreuung mehr geben. Und die soll erhalten bleiben, so lange genügend Kinder dafür angemeldet sind.

Verlässt die Grundschule den Ort, dann ist das für jedes Dorf eine bittere Pille. Die Schule ist wie der Kindergarten ein zentrales Ausstattungsmerkmal. Junge Familien dürften meist einen Bogen um ein solches Dorf machen, die Einwohnerzahlen sinken weiter, Kindergarten, Bäckerei und alles, was man gerne vor der Haustür hat, gehen verloren. Der Stadtrat Ottweiler hatte sich unter anderem Mitte Juni intensiv mit dem Thema befasst.

Schulleiterin Beaurepère ist im sechsten Jahr Chefin von Lehbesch und Fürth. Die Sorge um die Zweigstelle ist älter, sagt sie. Und das wirke sich auch auf Eltern im Ort aus: „Wir haben in den vergangenen Wochen, Monaten, ja sogar Jahren zunehmend gespürt, dass die Eltern bezüglich der Einschulung an unserer Schule verunsichert waren. Viele äußerten den Wunsch, man möge ihnen möglichst frühzeitig mitteilen, an welchem Standort ihr Kind eingeschult wird.“ Diesem Wunsch habe die Schule seit Jahren nicht gerecht werden können. Jetzt haben die Eltern Planungssicherheit. Beaurepère erläutert weiter, die Schulkonferenz habe einen „insgesamt schwierigen und emotionalen“ Entscheidungsprozess gehabt. In den Vorjahren habe es vielfältige Bemühungen gegeben, die Dependance zu erhalten. Spielevormittage für Neulinge, Einladungen zu Veranstaltungen, Kooperation mit den Kitas zählt Beaurepère auf. Mehr Schüler habe dies aber nicht gebracht.

Im kommenden Schuljahr sollen jetzt alle Kinder an der Lehbeschschule Unterricht bekommen. Schon heute sind in einigen Klassen Fürther Kinder. Es gibt einen eigenen Schulbus, sie müssen nicht etwa in einen Linienbus steigen. Beaurepère will das beste aus der Situation machen. Angebote wie Theater-AG, Mediation, klassenübergreifender Unterricht seien möglich. Und mit der Nachmittagsbetreuung vor Ort bleibe der Schule der Standort erhalten.