1. Saarland
  2. Neunkirchen
  3. Ottweiler

Fünffingerstein am Fünffingerweg in Heiligenwald

Fünffingerstein Heiligenwald : Sie krallt sich kraftvoll in den Felsen

Kunst muss sichtbar sein. Das Paradoxe an der „Kunst im öffentlichen Raum“ ist, dass sie deutlich sichtbar ist, und sie dennoch unsichtbar bleibt, denn kaum jemand nimmt Notiz von ihr. In einer Serie stellen wir Kunstwerke im öffentlichen Raum im Kreis Neunkirchen vor. Heute: Fünffingerstein am Fünffingerweg in Heiligenwald.

Die steinerne Hand, die am Beginn mehrerer Waldwege zwischen Heiligenwald und Merchweiler sich kraftvoll in den Felsen zu krallen scheint, ist ein ganz besonderes Kunstwerk. Spätestens seit Joseph Beuys, „jeder Mensch ist ein Künstler“, wissen wir, dass nicht nur Künstler Kunst produzieren.

Die Gemeinde Schiffweiler erteilte vor gut elf Jahren der Qualifizierungsgesellschaft Neue Arbeit Saar (NAS) den Auftrag, den „Fünffingerweg“ irgendwie kenntlich zu machen, zu verschönern. Was damals vielleicht als Landschaftsmöblierung gedacht war, ist ein veritables Kunstwerk geworden.

Unter der Anleitung des Kunstpädagogen Bernd Strässer von der NAS erschufen Menschen, zum Teil seit Jahren arbeitslos und ohne Berufsausbildung, die 1,8 Tonnen schwere Hand aus Pfälzer Sandstein. 200 Stunden, so schätzte Strässer bei der offiziellen Einweihung damals, dauerte die Arbeit. Keiner der Beteiligten hatte jemals Derartiges gemacht. Und jetzt sind wir wieder beim Kunstprofessor Joseph Beuys. Jeder Mensch sei verantwortlich, wie wir zusammenleben und zusammenarbeiten. Das tägliche Schaffen wirke auf alle anderen.

Für ihn bedeutet Kunst in seinem erweiterten Kunstbegriff die Gestaltung der „Sozialen Plastik“. Und genau so eine soziale Plastik ist der „Fünffingerstein am Fünffingerweg“ geworden. „Jeder Mensch ist ein Künstler“, jeder wirke an der „Sozialen Plastik“ mit und übernehme damit Verantwortung für die Gestaltung unserer Gesellschaft. Beuys Statements haben mit der Schaffung des Fünffingersteins Eingang in der Gemeinde Schiffweiler gefunden.

Kunst sei eine sehr freie und schöpferische Tätigkeit, so die Erkenntnis des Professor Beuys. Es stehe dem Künstler stets frei, sich an Regeln zu halten oder sie zu brechen. In jedem Fall müsse er sie kennen. Denn Kunst finde nie im luftleeren Raum statt. Es gilt eine Reihe von Regeln zu befolgen, um andere zu brechen und Neues zu erschaffen. Das scheint mit „Fünffingerstein am Fünffingerweg“ unter Mitwirkung vieler unterschiedlicher Beteiligter gut gelungen.

Die präzise ausgearbeitete Skulptur erfreut heute die vielen Wanderer, die im früheren Bergbaugebiet unterwegs sind und zudem noch etwas lernen möchten über die Geschichte der Region. Denn der Stein markiert eine Wegkreuzung, von der aus die Orte Heiligenwald, Merchweiler, Wemmetsweiler, Bildstock und Friedrichsthal schon vor Jahrhunderten zu Fuß erreichbar waren. Auch die in den umliegenden Ortschaften wohnenden Bergleute, die „Hartfüßler“, benutzten die Wege bis ins frühe 20. Jahrhundert, um zu ihren Arbeitsplätzen in den verschiedensten Bergwerken zu gelangen. Abgesehen von der kunstgeschichtlichen Betrachtung ist der Fünffingerstein auch eine Hommage an das harte Leben der Bergleute an der Saar.