Frisches gegen Fressfallen

Kinder und Jugendliche mit starkem Übergewicht schleppen nicht nur viele Pfunde, sondern auch jede Menge Sorgen in Form von Mobbing mit sich herum. Ein Therapieprogramm des Roten Kreuzes setzt auf eine Reduktion des Gewichts und eine langfristige Stabilisierung.

. Mmhh. Der Basilikum riecht so gut. Die knallroten Paprikaschoten lachen einem ins Gesicht. Und die Aprikosen werden nach dem Fototermin gleich in den Mund gestopft. Marina Schulz, Adipositas-Referentin beim DRK-Landesverband Saarland, muss die Anwesenden beim Besuch in der Neunkircher Lokalredaktion nicht lange überreden. Frisches Obst und Gemüse stehen bei den Kollegen täglich auf dem Speiseplan.

Mehr Überzeugungsarbeit müssen Schulz und ihre Mitstreiter beim DRK-Therapieprogramm für übergewichtige Kinder und Jugendliche leisten. Im April 2009 wurde die erste Gruppe unter dem bundesweit geschützten Namen "Moby Dick" im Saarland eingeführt. Mittlerweile gibt es insgesamt fünf, eine davon in Eppelborn.

Eine neue Gruppe, die sich ein Jahr lang jeweils dienstags von 16 bis 18 Uhr in der Nachmittagsbetreuung der Grundschule Lehbesch trifft, wird nun in Ottweiler aufgebaut. "Hier können sich Kinder und Jugendliche aus dem gesamten Kreis Neunkirchen und darüber hinaus melden", betont Margarete Schäfer-Wolf, die Vizepräsidentin des DRK Saarland.

Der Einstieg ist jederzeit möglich. Angesprochen sind Jungen und Mädchen zwischen acht und 16 Jahren, die mit professioneller und wirksamer Hilfe ihr Gewicht langfristig stabilisieren können.

Konzipiert ist das Angebot als "Drei-Säulen-Programm", informiert Claudia Ruppert, die beim DRK-Landesverband Ansprechpartnerin für Gesundheitsförderung ist. Die Kinder sollen ihr Verhalten ändern, sich bewusster und damit gesünder ernähren und sich regelmäßig bewegen. Fressfallen umgehen und Frustessen vermeiden - das sind zwei Dinge, die Betroffene bei üblichen Diäten ohne Anleitung meist nicht hinbekommen.

Beim Thema Bewegung ist es ganz wichtig, erst mal ein Körperbewusstsein aufzubauen und nach und nach Kraft und Ausdauer zu trainieren. "Kinder sollen Spaß haben, ob beim Sport oder beim gemeinsamen Kochen", betont Marina Schulz, die die neue Gruppe in Ottweiler leiten wird. Sie freut sich bereits darauf, den Kindern und Jugendliche beim Kochen und Backen zu zeigen, wie lecker gesunde Lebensmittel sein können. "Bei uns gibt es auch Pizza, die wenig Kalorien hat oder den ernährungspsychologisch perfekten Döner", lacht die Adipositas-Referentin.

"Viele übergewichtige Kinder, die in der Schule oder im Verein gehänselt werden, haben in unseren Gruppen das erste Mal Freunde gefunden", weiß Schäfer-Wolf. Da die Eltern einbezogen werden etwa durch Familiennachmittage oder Elternabende, seien auch schon etliche Freundschaften entstanden. Außerdem arbeite man eng mit Vereinen zusammen, damit auch die Scheu vor einer Vereinsmitgliedschaft schwinde.

Das Therapieprogramm des DRK Saarland kann eine gute Erfolgsquote vorweisen. Nach einem Jahr Teilnahme am Programm konnten in der Regel rund 70 Prozent der Jungen und Mädchen ihr Ernährungs- und Freizeitverhalten erfolgreich verändern und dadurch ihre Gesundheit verbessern. Aus diesem Grund erstatten die meisten Krankenkassen auf Antrag des behandelnden Arztes einen großen Teil der Gebühren, die mit 150 Euro monatlich doch recht stattlich sind. Allerdings sei eine finanzielle Unterstützung für sozial schwache Familien durch das DRK möglich, betont Margarete Schäfer-Wolf.

Information und Anmeldung beim Deutschen Roten Kreuz, Marina Schulz, Telefon (0681) 5 00 42 39.