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Mainzweiler
Freude über das Gemeinschaftshaus

Mainzweiler. Ob für Vereinsfeste, Jugendtreffs oder kulturelle Events – das Mainzweiler Gebäude wird für Veranstaltungen rege genutzt. Von Heinz Bier

Hinter der Vereinsbezeichnung „Mainzweiler Gemeinschaftshaus e. V“ verbirgt sich vieles, was dem Gemeinwohl des Ortes zugutekommt. Auslöser für die Vereinsgründung im November 2016 war ein Presbyteriumsbeschluss der evangelischen Kirchengemeinde Ottweiler von 2015, das evangelische Gemeindehaus in Mainzweiler an einen noch zu gründenden Verein zu übereignen.


Der MGH, so das Vereinskürzel, hatte es sich daraufhin zur Aufgabe gemacht, das Gemeindehaus zu erhalten und der Bevölkerung für unterschiedliche Anlässe zur Verfügung zu stellen. Vorsitzender Johannes Wilhelm erinnert sich: „Ursprünglich wollte die Kirchengemeinde den gesamten Gebäudekomplex verkaufen. Dann gab es aber Anregungen aus der Bevölkerung, das Gemeindehaus auszugliedern und als Dorfgemeinschaftshaus beizubehalten, auch vor dem Hintergrund, dass es schon zu diesem Zeitpunkt im Ort keine Möglichkeit mehr gab, um Veranstaltungen abzuhalten.“ Ortsvorsteher Udo Zägel nahm Kontakt mit Pfarrer Jörg Heidmann auf, der Ortsrat wurde eingebunden und es wurden erste Gespräche zur Vereinsgründung geführt, bis schließlich im Herbst 2016 die konstituierende Sitzung stattfand. Die Satzung regelt unter anderem Art der Veranstaltungen, Nutzungsausschlüsse und das Nutzungsentgelt. So steht das Haus beispielsweise für private Anlässe, für Vereinsfeste, kulturelle Veranstaltungen oder Jugendtreffs zur Verfügung. Im Untergeschoss trainiert die Mainzweiler Fastnachtsgarde, es gibt eine Mutter-und-Kind-Krabbelgruppe und Möglichkeiten etwa für Gesundheitskurse.

„Vereinsmitglieder zahlen für die Nutzung einen Sondertarif, Nichtmitglieder sowie Personen oder Vereine von außerhalb zahlen etwas mehr“, erklärt Schriftführer Eberhard Bohlander. Reinigungskosten sind im Entgelt enthalten. Seit 2017 hat der Verein die Verfügungsgewalt, Anfang 2018 wurde die Immobilie erworben. 961 Euro hat der Verein als symbolischen Kaufpreis bezahlt. Das entspricht einem Euro pro Einwohner des Ortes. „Wir haben 2017 mit 23 Veranstaltungen kalkuliert, am Ende waren es über 40, und es kommen immer mehr Anfragen“, freut sich der Vorsitzende über die Auslastung.



Der Verein hat insgesamt 258 Mitglieder, die sich auch um die Pflege der Außenanlagen des Gebäudekomplexes kümmern. Die Bewirtschaftungskosten bestreitet der Verein aus den Nutzungsentgelten bei Vermietungen und den Einnahmen bei Veranstaltungen, aus Spenden und Beiträgen der 124 zahlenden Mitglieder, erläutert Kassiererin Gisela Bleymehl. Sie ist unter Telefon (0 68 24) 12 07 auch Ansprechpartnerin für Nutzungsanfragen.

Die Übernahme des komplett eingerichteten und barrierefreien Gemeindehauses war aber nur der Anfang. Schon bald zeigte der Verein Interesse, auch die benachbarte Kirche zu erwerben, um den Gebäudekomplex als Einheit zu erhalten. Im April 2018 wurde in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Kauf des Kirchengebäudes beschlossen. Die Kirche sollte ursprünglich an einen privaten Interessenten veräußert werden, „aber das ist Gott sei Dank gescheitert“, sagt Vorstandsmitglied Peter Bäumchen. Noch im Juli sollen konkrete Gespräche mit der Kirchengemeinde und der Landeskirche geführt werden, und dann wäre „Ende dieses Jahres ein realistischer Termin für den Kaufabschluss“, glaubt Vereinschef Wilhelm. Zuvor muss noch über den Kaufpreis gesprochen werden, „aber wir werden das als Verein bewältigen“, ist sich Eberhard Bohlander sicher.

Über die künftige Nutzung der Kirche mit etwa 150 Plätzen gibt es durchaus schon konkrete Vorstellungen. Kleinkunstveranstaltungen, Ausstellungen, aber auch Schulungen oder Seminare von Unternehmen werden genannt. Der Vorstand will auch Gespräche mit der Stadt Ottweiler führen, um die vor zwei Jahren entwidmete Kirche möglicherweise für standesamtliche Trauungen zu nutzen, „und dann könnte im Gemeinschaftshaus nebenan ja gleich gefeiert werden“, zeigt sich Vorstandsmitglied Peter Bäumchen als Pragmatiker.

Nicht einmal zwei Jahre nach der Vereinsgründung sieht sich der Vorstand des Vereins Mainzweiler Gemeinschaftshaus in seiner Arbeit bestätigt. „Es ist seither viel passiert und es hat sich alles positiv entwickelt“, bestätigt der Vorsitzende und das sei auch Motivation für die weitere Arbeit. Wilhelm und seine Vorstandskollegen sehen ihr Engagement in Mainzweiler zudem auch als Pilotprojekt und als ein Beispiel für ähnliche Überlegungen in anderen Orten.