Erste Führung über den jüdischen Friedhof Ottweiler in 2019

Erinnerungskultur : Führungen beginnen wieder

Ab dem 12. Mai informieren Klaus Burr und Hans-Joachim Hoffmann wieder über Juden in Ottweiler.

Klaus Burr und Hans-Joachim Hoffmann bieten in Absprache mit der Synagogengemeinde Saar und der Stadt Ottweiler in Zusammenarbeit mit der KVHS Ottweiler Führungen über den jüdischen Friedhof Ottweiler an. Erster Termin ist am Sonntag, 12. Mai, 17 Uhr, Treffpunkt ist am Aufgang zum Friedhof in der Straße Maria-Juchacz-Ring.

Judith Schalansky, schreibt die Pressestelle des Rathauses Ottweiler weiter, veröffentlichte 2018 eine Essay-Sammlung mit dem Titel: „Verzeichnis einiger Verluste“. In einer „Vorbemerkung“ rief sie in Erinnerung, welche Ereignisse während der Niederschrift ihres Buches die Nachrichten beherrschten und kontrastierte dabei aktuelle Tagesereignisse mit Wiederentdeckungen historischer Vorgänge und/oder der Lösung offener Fragen. So verwies sie etwa darauf, dass während der Niederschrift dieses Buches „eine Boing 777 spurlos auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking (verschwand)“ und zeitgleich „das vor 3800 Jahren in Steintafeln geritzte älteste Alphabet der Welt identifiziert (wurde).“

Diese beiden wahllos herausgegriffenen Beispiele deuten an, dass es naheliegt, Ereignisse in den Mittelpunkt einer Nachricht zu stellen, was vielleicht morgen schon der Vergessenheit anheimfällt oder im Laufe der Jahrtausende allmählich in Vergessenheit geriet.

Auch für Ottweiler lässt sich problemlos ein „Verzeichnis einiger Verluste“ erstellen, ohne allzu weit in die Vergangenheit zurückzuschauen. Einige Beispiele: Schon oft hörten die Referenten die erstaunte Frage: Ein jüdischer Friedhof in Ottweiler? Wo findet man ihn denn? Wann gründeten sich in Ottweiler die demokratischen Parteien nach dem Ersten Weltkrieg? Welche Persönlichkeiten prägten in der Gründungsphase 1919/20 die Parteiarbeit? Wem sind die Verantwortlichen bekannt, die nach dem 8. Mai 1945, dem Tag des Endes der Nazi-Diktatur in Deutschland, von Bürgermeister Jakob Zender als Mitglied des „Gemeindekomitees“, das zu seiner ersten Sitzung am 4. Januar 1946 zusammentrat, mit dem Neuaufbau der Verwaltung beauftragt wurden?

Das „Verzeichnis einiger Verluste“ im kollektiven Gedächtnis Ottweilers ließe sich mühelos durch weitere Ereignisse und Entwicklungen aus der jüngeren Zeit ergänzen. Den Führungen über den jüdischen Friedhof kommt dabei einiges Gewicht zu.

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