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Am Sonntag wird für die Ernte gedankt
Bei der Ernte zählt jede helfende Hand

Äpfel, Birnen, Zucchini und Nüsse gibt es in diesem Jahr reichlich. Georg und Susi Neufang und Oma Karin vom Wingertsweiherhof freuen sich aufs Erntedankfest an diesem Sonntag.
Äpfel, Birnen, Zucchini und Nüsse gibt es in diesem Jahr reichlich. Georg und Susi Neufang und Oma Karin vom Wingertsweiherhof freuen sich aufs Erntedankfest an diesem Sonntag. FOTO: Heike Jungmann
Ottweiler. Zum Erntedankfest an diesem Sonntag: SZ-Besuch auf dem Hof von Georg Neufang, dem Kreisvorsitzenden des Bauernverbandes. Von Heike Jungmann

Er ist ein richtiger Prachtkerl, der Werner. Gemütlich trottet der rotfellige Bulle in Richtung Weidezaun. Bauer Georg Neufang hat laut „Komm mol her“, gerufen, da scheint es also etwas Leckeres zu geben. Limousin-Rinder gelten als „verfressen“. Erwartungsvoll reißt Werner sein Maul auf und zermahlt dann genüsslich den trockenen Weck.


Vor ein paar Wochen hätten Georg Neufang und seine Frau Susanne keine Zeit gehabt, mitten am Tag den Zuchtbullen mit einem Leckerli zu verwöhnen. Da war die Ernte 2018 in vollem Gange, rund 14 Tage früher als gewöhnlich. „Anfang August waren wir schon mit der Getreideernte fertig“, berichtet Neufang, auch der Mais kam früher vom Feld. Der Sommer 2018 war es in ganz Deutschland extrem warm und trocken. Doch über einen Kamm scheren kann man die Situation der deutschen Landwirte nicht. In den meisten Bundesländern wurde die schlechteste Ernte seit 15 Jahren beklagt. Rheinland-Pfalz und Saarland haben als einzige Bundesländer keinen Antrag auf Dürrehilfe beim Bunde gestellt. Aber auch im Saarland gibt es regionale Unterschiede.

Im Kreis Neunkirchen ist Georg Neufang, der mit seiner Familie den Wingertsweiherhof in Ottweiler bewirtschaftet, Ansprechpartner für seine Kolleginnen und Kollegen, die die Landwirtschaft im Haupt- oder Nebenerwerb betreiben. Zirka 97 Mitglieder hat der Kreisbauernverband noch, Tendenz abnehmend. Wer aufs Wetter angewiesen ist, wie Neufang und seine Familie mit ihren 150 Hektar Acker- und 150 Hektar Grünland, war mit dem Niederschlag den Winter über zufrieden. Doch im März – wir erinnern uns an das alte Bauer-Rösser-Lied – war es nicht warm und trocken genug, um die Äcker zu pflegen und die Frühjahrsaussaat termingerecht durchzuführen. „Die Natur ist nicht richtig in die Gänge gekommen“, beschreibt es Georg Neufang. Das änderte sich ab Ende April, als eine Periode dauerhaft sommerlicher Temperaturen begann. Im Landkreis Neunkirchen gab es zudem immer mal wieder Schauer und Gewitter, die das Wachstum der Pflanzen begünstigten. Die Landwirte mussten sich sputen. Kaum waren zwei Schnitte beim Gras geerntet und das Heu eingefahren, war bereits das Getreide reif (siehe oben).



Die Erntemengen erreichten 2018 etwa das Niveau des Vorjahres, besonders der Raps erfüllte die Erwartungen der Bauern aber nicht. Und obwohl die Landwirtschaft hierzulande von extremer Dürre und entsprechenden Ernteausfällen verschont blieb, weist die Erntestatistik für das Saarland nur einen hinteren Platz auf. Schlechtere Böden und eine extensive Wirtschaftsweise der Landwirte seien die Gründe dafür, erklärt Neufang.

Konnte man im Frühjahr dem Gras beim Wachsen fast zusehen, tut sich seit Wochen eigentlich gar nichts mehr. Es ist einfach zu trocken, und viele Betriebe zehren bereits vom Winterfutter. Ob die recht guten Erträge beim Mais die Ausfälle beim Gras kompensieren können, wird sich zeigen. Die Maispflanzen seien beim Häckseln schon ziemlich trocken gewesen. Das Material habe sich im Silo nicht gut verdichten beziehungsweise walzen lassen, sagt Neufang und fügt mit einem Lächeln hinzu. „Einige Kollegen hatten beim Walzen den Eindruck, sie würden auf Popcorn fahren.“

Vor allem bei den Direktvermarktern gehören Kartoffeln zum Sortiment. Dieses Jahr gibt es zwar weniger Knollen, dafür – wie man hört – eine gute Qualität und einen ausgezeichneten Geschmack. Viel Geschmack hat auch die Milch zu bieten, die Susi Neufang am Morgen frisch gemolken hat und nun dem Gast gut gekühlt im Becher serviert. Rund 360 Stück Vieh, darunter 111 Milchkühe, werden auf dem Wingertsweiherhof täglich versorgt. Plus fünf Pferde und die beiden Hofhunde Heidi und Nora. Viel Arbeit für Georg Neufang, 39, seine Frau Susi, 29, Senior Bernd Neufang und Georgs Schwester Karoline. Nicht zu vergessen Oma Karin Neufang, die den Hof 1963 mit ihrem verstorbenen Ehemann Fritz gegründet hat und mit 80 Lenzen noch den Nutzgarten in Schuss hält. Der zehn Jahre alte Tim und seine Schwester Hanna (bald acht) packen auch schon mal mit an auf dem Hof. Unverzichtbar sind auf jeden Fall die Freunde, die jedes Jahr bei der Ernte mithelfen. Dafür gibt’s eine eigene Whatsapp-Gruppe, verrät Oma Karin. „Ruck-zuck weiß die ganze Gruppe Bescheid, wann’s mit der Ernte losgeht.“ Und anlässlich des Erntedankfestes, das am letzten Sonntag im September gefeiert wird, gehen alle Erntehelfer gemeinsam essen, erzählt Georg Neufang. „Als kleines Dankeschön. Da freuen wir uns schon drauf.“

Ein Teil der Weizenernte des Wingertsweiherhofs wird auf einen Laster aufgeladen und zur Mühle gebracht. Am Steuer des Traktors: Karoline Neufang, die Schwester von Bauer Georg Neufang.
Ein Teil der Weizenernte des Wingertsweiherhofs wird auf einen Laster aufgeladen und zur Mühle gebracht. Am Steuer des Traktors: Karoline Neufang, die Schwester von Bauer Georg Neufang. FOTO: Heike Jungmann
Viehzucht spielt eine wichtige Rolle auf dem Wingertsweiherhof in Ottweiler. Georg und Susanne Neufang haben den Deckbullen Werner, ein Limousin-Rind, vor eineinhalb Jahren gekauft.
Viehzucht spielt eine wichtige Rolle auf dem Wingertsweiherhof in Ottweiler. Georg und Susanne Neufang haben den Deckbullen Werner, ein Limousin-Rind, vor eineinhalb Jahren gekauft. FOTO: Heike Jungmann